Du kannst. Ende der Geschichte.

Na, wie war Deine Woche so?
Hättest Du eigentlich mehr Sport machen sollen?
Wolltest Du eigentlich mal wieder Deine Familie anrufen?
Solltest Du in diesem Online Kurs nicht schon viel weiter sein?
Würdest Du viel lieber alles auf der To Do Liste abgehakt sehen?

Schau zurück – was Du vergangene Woche getan und erfolgreich erledigt hast, womit Du Deine Zeit verbracht hast, ist ein Spiegel dafür, was Dir (bewusst oder unbewusst) wichtig war.

Es ist simpel:
Wenn Du „hätte – wollte – könnte – sollte“ nicht gemacht hast, war es Dir nicht wichtig.
Oder was anderes war Dir wichtiger.
Und falls Du rückblickend lauter Dinge gemacht haben solltest, die Dir nicht wichtig waren – dann wird es höchste Zeit, mal genauer hinzuschauen, wie das passieren konnte.
Kassensturz.
Reality Check.
Stell Dich – auch wenn’s vielleicht unbequem ist.
Einsicht und Annahme schafft Klarheit und macht den Weg frei.
Spar Dir das „hätte-könnte-sollte“ Jammern – und die Energie. Investiere sie weiser.

Es wird immer mehr Aufgaben und Möglichkeiten als Zeit geben.
Es ist allerdings ein Unterschied, ob Dinge deshalb „hinten runterfallen“ (vielleicht gerade die, die Dir wichtig sind?) – oder ob Du sie bewusst von der Agenda nimmst, z.B. mal nein sagst, oder Dir einfach eine realistische Zeitgestaltung eingestehst und erlaubst – um sicherzustellen, dass für „hätte-könnte-sollte“ Zeit und Raum ist.
Und Deinen Frieden damit schließt.

Du hast die Wahl – willst Du als GestalterIn oder GetriebeneR durch die nächste Woche gehen?

Was ist Dein hätte-könnte-sollte-wollte?
Was ist Dir nächste Woche wichtig?
Schreib es nicht auf die To Do Liste, sondern mach es – wenn möglich gleich.

Womit Du Deine Zeit verbringst und was Du tust zeigt der Welt und Dir, was Dir wirklich wichtig ist.

Nimm das Ruder in die Hand!

Deine Birgit

Ab in den Wald

Foto: Pixabay

Ich liebe den Wald. Das ganze Jahr über. Aber jetzt im Herbst besonders, da er ein Fest für die Sinne ist. Dieses Farbenspiel der bunten Blätter, die intensiven Gerüche, die durch die feuchtere Luft noch deutlicher in die Nase dringen, der durchnässte, weiche Waldboden, die Blätter, die langsam zu Boden sinken ….

Und gerade weil jetzt die Temperaturen sinken und das Wetter häufiger von Regenschauern und hoher Luftfreuchtigkeit dominiert wird, ist es besonders wichtig, Zeit im Freien zu verbringen. Wer seinen Körper jetzt kontinuerlich in der warmen Wohnung und auf der gemütlichen Couch parkt, der ist besonders anfällig für Erkältungen – nicht nur, wenn er kälteren Temperaturen ausgesetzt ist.

Bewegung an der frischen Luft stärkt die Gesundheit und Bewegung im Wald stärkt das Immunsystem in besonderem Maße. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass bereits ein Tag im Wald die Zahl unserer natürlichen Killerzellen um fast 40% steigert! Und das für sieben Tage.

Und was könnten wir zur Zeit besser gebrauchen als ein stabiles Immunsystem?

Die positive Wirkung des Waldes auf die Gesundheit ist mittlerweile gut erforscht.

Es war Anfang der 80er Jahre, als die Japanische Forstbehöre empfahl, regelmäßige Ausflüge in den Wald als wichtigen Aspekt eines gesunden Lebensstils zu etablieren. Daraus entstand Shinrin Yoku, das sogenannte Waldbaden.

Was der Wald für uns tun kann

Es ist nachgewiesen, dass der Wald wie eine Art Aromatherapie wirkt.

Er kann …

  • mit seiner Ruhe und den natürlichen Geräuschen und Gerüchen zur Entspannung beitragen
  • den Cortisol Spiegel im Blut senken (Stress lindern)
  • mit seinen Eindrücken dabei helfen, vom Alltag abzuschalten
  • Muskelverspannungen lindern
  • die Atemwege und Schleimhäute befeuchten
  • Depressionen und Burnout vorbeugen
  • den Blutdruck senken
  • Herz-Kreislauf Erkrankungen vorbeugen

Wie der Wald uns hilft

Es sind mehrere Gegebenheiten im Wald, die zu seiner gesundheitsfördernden Wirkung beitragen:

  • erhöhte Konzentration an Sauerstoff in der Luft
  • erhöhte Luftfeuchtigkeit (gut für die Abwehrfunktion der Schleimhäute)
  • Umwelteinflüsse wie Hitze oder Kälte werden durch das Blätterdach gemildert
  • das Blätterdach dient gleichzeitig auch als Lärmschutz und sorgt für ein weiches Licht, dessen Grüntöne beruhigende Wirkung haben
  • Terpene, von den Pflanzen ausgeschüttete Botenstoffe, wirken sich positiv auf unser Immunsystem aus. Wir nehmen sie über die Haut und die Atmung auf.

Wie Du den Wald nutzen kannst

Bereits regelmäßige Spaziergänge im Wald wirken sich positiv auf unsere Abwehrkäfte aus (schon 20-30 Minuten pro Tag helfen, das Stresshormon Kortisol im Blut zu reduzieren.) Wenn Du darüber hinaus nach japanischer Tradition in der Atmosphäre des Waldes baden und so seine positive Wirkung verstärken möchtest, kannst Du Deinen Spaziergang bereichern, indem Du:

  • Die Umgebung bewußt mit allen Sinnen wahrnimmst – lausche dem Rauschen der Blätter und den Geräuschen der Tiere, tauche ein in die Farben, die sich Deinen Augen bieten, nimm die Gerüche wahr, die Dich umgeben, gehe bewußt und spüre den weichen Boden unter Deinen Füßen, lasse Deine Finger über die rauhe Rinde eines Baumes gleiten, lehn Dich an ihn an …
  • ein eher langsames Lauftempo wählst
  • zu einer Zeit gehst, in der Du nicht unter Termindruck stehst
  • Pausen machst und regelmäßig trinkst. Nimm Dir eine z.B. Kanne mit Deinem Lieblingstee mit und genieße ihn ganz bewußt
  • den Spaziergang mit Entspannungsübungen, wie Qi Gong, Atemübungen oder einer kleinen Meditation kombinierst.

Also – ab in den Wald & bleib gesund!

Deine Birgit

Form vor Inhalt?

Foto: Pixabay

Neulich erzählte mir ein Freund, dass er gerade dabei ist, seinen Lebenslauf ins System seines Arbeitgebers einzugeben. Diesem lag sein Lebenslauf schon vor – aber eben nicht in einer Form, die „ins System passt“.  Also musste er nochmals Zeit investieren, um die Daten entsprechend zu übertragen.

Nach unserem Gespräch gingen mir folgende Fragen durch den Kopf:

Leben wir in einer Gesellschaft und Zeit, in der wir Gefahr laufen, dass Form vor Inhalt zählt?
Wäre es nicht viel wichtiger, unsere Zeit und Aufmerksamkeit den substantiellen, inhaltlichen Aspekten zu widmen als den formellen?
Mehr noch: halten wir uns so an formellen Dingen auf, dass wir die wirklich wichtigen übersehen oder vernachlässigen?
Verwehren wir uns und anderen so nicht jede Menge Entdeckungen, Offenheit und Lernchancen?

Das betrifft die unterschiedlichsten Lebensbereiche. Seien es Anschaffungen, Bekanntschaften oder die Berufswahl.

Mit Blick auf meine Realität fielen mir spontan einige Beispiele ein, bei denen ich mir durch vorgefertigte Raster beinahe wundervolle Möglichkeiten verwehrt hätte.
Die Suche nach meiner Wohnung, nach neuen Bekanntschaften, nach Mobilität…

Meine Wohnung zum Beispiel. Ich bin total glücklich, sie gefunden und den Zuschlag bekommen zu haben. Aber offen gestanden hätte ich sie mir beinahe nicht angeschaut. Nur weil ich noch so schön im Besichtigungs-Schwung war dachte ich, „Ach komm, dann nimmste die auch noch mit. Anschauen kannst se ja mal“. Aber eigentlich gab es da so viele Punkte, aufgrund derer sie durch mein Raster gefallen wäre:
Ein bisschen über Budget, Einliegerwohnung, d.h. Vermieter wohnen im Haus, es gibt keinen Kellerraum, sie liegt mitten im Ort (bestimmt total laut!!), es gibt eine Terrasse – aber Nordlage …

Das Beiseitelegen meines Filters hat mich dann folgendes entdecken lassen:

Vermieter im Haus? Zum Glück! Ich kenne jetzt zwei wundervolle Menschen mehr, die ich auch noch meine Vermieter nennen darf!
Mitten im Ort? Die Möglichkeit, alles fußläufig erreichen zu können, ob Bäcker, Supermarkt oder Yoga Studio ist ebenso phänomenal wie die Ruhe – es ist die ruhigste Wohnlage, in der ich bisher gewohnt habe. Das Haus ist in zweiter Reihe, mein Schlafzimmer nach hinten raus.
Etwas über Budget? Jeden Euro wert! Komplett renoviert mit tollen Extras einer spitzen Küche, einer riesigen Terrasse, auf der man auch an heißen Sommertagen noch draußen sitzen kann (weil Norden :-)) und ein mega cooler Einbauschrank im Eingangsbereich, der den nicht vorhandenen Kellerraum mehr als kompensiert (und wie cool ist es denn, alles in der Wohnung zu haben und nicht immer in den Keller zu müssen!?).

Ich bin dankbar für diese Entdeckung und froh, dass es mir gelungen ist, meine Vorstellungen von Form beiseite zu legen.
Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, mir meiner Filter auch in anderen Lebensbereichen und Situationen bewusster zu werden und sie öfter zu hinterfragen oder eben mal mutig beiseite zu legen.

Wo wählst Du noch – bewußt oder unbewußt – Form vor Inhalt?
Wo geht es Dir „ums Prinzip“?
Wo verwehrst Du Dir vielleicht unerwartet zauberhafte, neue Erfahrungen weil Situationen, Dinge oder Personen auf den ersten Blick durch Deine Raster fallen?

Kill the Filter! – es gibt soviel zu entdecken.
Lass die Neugier siegen und stürze Dich ins Abenteuer!

Deine Birgit

Ich muss entspannter werden

Foto: Pixabay

„Müssen“ und „entspannen“ in einem Satz – ein Widerspruch in sich, oder?
Kommt aber häufiger vor, als man denkt.

Wir sind uns bewusst, dass wir einen Ausgleich schaffen sollten zum stressigen Alltag, dass wir auf die Gesundheit achten sollten, genug Schlaf, viel trinken, gesund ernähren und, ach ja, Sport treiben. Und zwar nicht nur Ausdauertraining, damit das Herz stark bleibt, sondern auch was für die Kraft, damit wir die Haltung nicht verlieren.
Mach Summa Summarum mindestens drei Punkte mehr auf der täglichen To Do List.
Manchmal steht da auch noch Mediation drauf.
Und dann sitzen wir da, kommen nicht zur Ruhe, die Gedanken kreisen…

„Meditation ist nichts für mich. Ich streng mich so an, nichts zu denken, aber es klappt einfach nicht. Und dann sitze ich da und ärgere mich über mich selbst, dass ich das nicht hinbekomme.“ sagte neulich jemand zu mir.
Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Zumal ich den Effekt selber kenne.

Da nehmen wir uns etwas vor, damit es uns besser geht, damit wir zur Ruhe kommen – und genau das Gegenteil passiert. Meist, weil wir die Leistungsprinzipien unseres beruflichen Alltags auch auf die Freizeit und unsere Entspannung übertragen. Und plötzlich stresst uns unser Anti-Stress-Programm.
Und wir sind z.B. im Yoga Kurs eben nicht total bei uns und achten auf unser Wohlbefinden und unsere Grenzen, sondern schielen zum Nachbarn auf der Matte nebenan, um zu prüfen, ob wir die Übung nicht vielleicht besser können.

Ich erinnere mich noch, als auch auf einen Halbmarathon trainiert habe. Das war in einer Zeit, in der ich beruflich sehr viel unterwegs war. Aber der Trainingsplan musste eingehalten werden, wenn ich mein Zeit-Ziel erreichen wollte. Was passierte war, dass mir das Laufen plötzlich keinen Spaß mehr machte, es war zu Pflicht, zum Zwang geworden. Einem Zwang, den ich mir selber auferlegt hatte. Am Ende war ich nach und durch die Laufeinheiten nicht fitter sondern noch ausgelaugter.
Den Halbmarathon bin ich trotzdem gelaufen – aber mir war klar: so wollte ich nicht weiterlaufen. Mittlerweile laufe ich wieder aus Freude. Regelmäßig, ja, aber so oft und so viel, wie ich möchte. Und ich habe Platz geschaffen für anderen Sportarten und Freizeitaktivitäten, die mir auch Spaß machen. Fühlt sich runder an. Flexibler. Lockerer. Entspannter.

Und manchmal mache ein Nickerchen, statt zu meditieren. Oder einen Spaziergang statt der Laufeinheit.
Mein Kompass für entspannende Entspannung ist meine innere Stimme geworden.
Die weiß zuverlässig, was jetzt gerade gut für mich wäre, was ich brauche. Es braucht nur Ruhe, um sie wahrzunehmen – und den Willen, auf sie zu hören.

Wie „planst“ Du Deine Entspannung?

Versuche doch in der kommenden Woche einfach mal, „neutrale“ Entspannungsinseln zu schaffen. Das können immer mal wieder ein paar Minuten zwischendrin sein, aber auch längere Phasen. Dann halte inne, atme bewusst, komme erstmal zur Ruhe und spüre in Dich rein, wonach Dir ist.

Folge dem ersten Impuls und sei (ge)entspannt, was passiert!

Auf eine entspannte Woche.

Deine Birgit

Beginne mit dem Ende im Sinn

Foto: Pixabay

Für jemanden, der über Happiness und Wohlbefinden schreibt, mag dieser Artikel etwas ungewöhnlich sein.
Vielleicht auch nicht jedermanns Sache.
Aber ziemlich wirkungsvoll, wenn du Dich darauf einlässt.

Die Überschrift meines heutigen Artikels ist ein Zitat von Stephen R. Covey. Es kam mir in den letzten Tagen wieder in den Sinn, als ich mir Gedanken darüber gemacht habe, wem und was wir wieviel Raum und Zeit in unserem Leben einräumen.

Bei meiner kleinen Auszeit neulich bin ich auch an einem Friedhof vorbei gekommen und habe mich dort einfach mal eine Zeit lang auf einer Bank niedergelassen. Da waren viele Gräber von Menschen, denen das Leben 80 Jahre und mehr geschenkt hat. Aber auch eines von zwei Brüdern, die im Alter von 17 und 18 verstorben waren.

Spontan kam mir der Gedanke, dass wir oft leben, als hätten wir noch ewig Zeit.

Und dass wir uns mit unserer Endlichkeit nicht so gerne auseinander setzen. Aber wie soll ich einen „guten Zieleinlauf“ haben, wenn ich verdränge, dass irgendwann die Zielflagge wehen wird?

Das brachte dann gleich die nächsten Fragen hoch:

Was wäre ein „guter Zieleinlauf“ für mich?
Was, wenn die Flagge morgen wehen würde?
Oder in einem Jahr?
Was müsste passiert sein oder noch passieren, damit ich sagen kann, ich kann in Frieden gehen, ich hatte ein gutes Leben?
Und – wieviel davon passiert gerade in meinem Leben oder habe ich schon in die Hand genommen?

Zu schnell sind unsere Tage, Wochen und Jahre „voll“. Berufliche und private Verpflichtungen, allerlei Aktivitäten … Manches davon wählen wir bewusst, bei manchem habe wir keine Wahl und dann gibt es da noch die vielen Kleinigkeiten, die sich so heimlich reinschleichen.

Für mich war nach einigem Nachdenken klar, ich möchte am Ende möglichst wenig „Hätte-Ich-Doch“ übrig haben.

Die Frage ist doch: haben wir am Ende des Tages, der Woche, des Jahres den Menschen und Aktivitäten ausreichend Aufmerksamkeit und Zeit geschenkt, die uns wirklich wichtig sind?

Weißt Du, was Dir wichtig ist?

Um den Fokus für das „gute Leben“ richtig zu setzen, kann Klarheit in folgenden vier Aspekten helfen:

1. Was ist mir wichtig? – Kennst Du Deine Werte?

Dem, was Dir wichtig ist, kommst Du am besten über Deine Werte auf die Spur.  Werte sind eng verknüpft mit Deinen Überzeugungen, Idealen, Bedürfnissen und Deiner inneren Haltung. Sie sind  wichtig, um schnell nach unserer Definition richtige Entscheidungen treffen zu können und liefern uns Motivation und Orientierung. Stell sie Dir wir Leitsterne am Himmel vor. Immer da – auch wenn sich ab und zu mal eine Wolke davor schiebt. Wenn uns ein Leben im Einklang mit unseren Werten gelingt, fühlt es sich stimmig, richtig und gut an. Werte können sich im Laufe des Lebens aufgrund von Erfahrungen oder neuen Prioritäten (wie z.B. bei Elternschaft) auch ändern. Deshalb ist es gut, sie immer mal wieder zu überprüfen.

Deinen 3 wichtigsten Werten kannst Du mit folgender Audio Übung (in der Browseransicht) auf die Spur kommen:

Audio Übung zur Werte-Ermittlung

Eine Werteliste habe ich Dir ebenso beigefügt – ergänze Sie aber gerne, falls Deine Werte nicht aufgeführt sind:

Nimm Dir für die Übung ca. 10-15 Minuten Zeit.

Alternativ gibt es hier eine weitere Möglichkeit, Deine 3 wichtigsten Werte zu ermitteln:
https://einguterplan.de/werte-test

2. Wie lebe ich, was mir wichtig ist? – Woran kannst Du erkennen, dass Du Deine Werte lebst?

Wenn Du Deine wichtigsten Werte ermittelt hast, bist Du schon einen großen Schritt weiter. Nun sind die Werte auf dem Papier erst einmal nur große Worte. Die Frage ist aber, was bedeuten sie im täglichen Leben? Wie äußern sie sich?

Wenn Du 5 Personen fragst, wie sie z.B. Ehrlichkeit definieren, bekommst Du wahrscheinlich 5 verschiedene Antworten. Bedeutet Ehrlichkeit, immer alles zu sagen – egal welche Folgen es haben könnte? Bedeutet andererseits, etwas nicht zu sagen, unehrlich zu sein?

Hier ist es wichtig, dass Du Deine Definition findest.
Woran erkennst Du, dass Du Deine Werte lebst? In welchem Verhalten und Handeln spiegeln sich Deine drei Werte wieder? Mit wem oder was und wie müsstest Du Zeit verbringen, wenn Du den Fokus auf sie legst? Schreibe Dir für jeden Deiner Werte eine Definition und mindestens drei Verhaltensweisen / Handlungen auf

3. Wo stehe ich im Moment? – Hand auf’s Herz!

Die Frage ist jetzt: was davon findet schon so wie in Punkt 2 in Deinem Leben statt? Bei diesem Schritt ist es besonders wichtig, dass Du ehrlich zu Dir selbst bist – auch wenn es an der ein oder anderen Stelle vielleicht zu ernüchternden Erkenntnissen kommt … Diese Erkenntnisse sind wichtig, um mit Schritt vier Änderungen in die Wege zu leiten.

4. Was ist zu tun? – Segel setzen!

Mit Blick auf Schritt 2 und 3 sollte es nun einfach sein, Deinen Kurs – wenn nötig – so zu verändern, dass Du in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten Deinem „guten Leben“ ein bisschen näher kommst. Was willst Du ändern? Wem oder was willst Du mehr Zeit widmen? Was möchtest Du anders machen?

Mit dem Ende im Sinn zu starten mag ein ziemlich heftiger Ansatz sein – aber die Kräfte, die täglich an uns ziehen, sind auch nicht zu unterschätzen. Und nur, wenn wir uns wirklich klar sind, was uns wichtig ist und uns bewußt sind, dass wir nicht ewig Zeit haben, kommen wir ins Handeln – und in ein Handeln im Sinne dessen, was jeder von uns für sich als ein gutes Leben definiert.

Auf eine WERT-volle Woche!

Deine Birgit

Referenz: Stephen R. Covey, 7 Habits of Highly Effective People

Ehre Deine Narben und Fältchen

Foto: Pixabay

Letzte Woche habe ich mir eine Auszeit genommen. Komplett offline, Handy aus und eintauchen in die Natur. Wandern mit Karte – so echt aus Papier 😉 –  und aufmerksames Wahrnehmen der Eindrücke um mich herum. Erstaunlich, wieviele Wegpunkte und Merkmale die Natur bereit hält, um sich daran zu orientieren.
Ein schönes und intensives Erlebnis.

Besonders beeindruckt hat mich auf einer meiner Touren ein stattlich gewachsener, sehr hoher, alter Baum. Ich glaube, es war eine Buche. Sie hatte einen Stamm, der so hoch war, dass ich meinen Kopf weit in den Nacken legen musste, um Ihre Blätterkrone zu sehen, die oberhalb der meisten Bäume um sie herum in der Sonne wiegte.

Was mich aber noch mehr beeindruckte, als die Größe dieses Baumes, war seine Rinde. Sie war dunkel und fest, mit Furchen, Erhebungen und Nischen. Die Spuren der Jahre und des Wetters hatten eine ungleichmäßige und dennoch harmonische Struktur auf ihr hinterlassen. Ich ließ meine Finger darüber gleiten und entdeckte, dass sich in den Furchen und Nischen Spinnen und andere Insekten ein Zuhause eingerichtet hatten.

Das ließ mich schmunzeln und daran denken, wie doch die Spuren, die das Leben hinterläßt, ihren Nutzen haben können.

Sind nicht auch die Narben und Fältchen, die wir uns im Laufe der Zeit zuziehen, ein Zeichen dafür, dass wir dem Leben ausgesetzt waren?

Und ist nicht mit jeder Narbe auch eine Erfahrung verbunden, aus der wir selber lernen konnten und die wir auch an andere weitergeben können – die uns also, trotz des Schmerzes, den wir vielleicht empfunden haben, als wir sie uns zuzogen, ein Stückchen weiser und stattlicher macht?

Natürlich möchte niemand sich bewußt Narben zuziehen oder Erfahrungen machen, die Schmerzen, graue Haare und Sorgenfalten bescheren.
Aber wenn wir uns wagen, uns dem Leben auszusetzen, uns dem Sturm und dem Feuer ebenso zu stellen wie dem Sonnenschein, dann bleiben die Folgen nicht aus. Ob sie uns allerdings älter oder lebendiger machen, liegt an uns.

Wenn es uns gelingt, versöhnlich und mit einem Schmunzeln auf die Spuren zu blicken, die unsere Erfahrungen hinterlassen haben, wenn wir sie als Zeichen dafür sehen, was wir alles geleistet und bewältigt haben und wir beginnen, dankbar für das zu sein, was sie uns gelehrt haben, dann werden sie plötzlich schön, die „Spuren des Lebens“ (an uns und an anderen!). Denn

„Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.“
Christian Morgenstern

Und oft gelingt es uns dann auch viel besser, mit den Ereignissen, die uns die Narben zugefügt haben, Frieden zu schließen, sie als Teil von uns anzunehmen, ohne uns länger darüber zu grämen oder sie als Rechtfertigung für weitere Ereignisse, die uns nicht gut tun, immer wieder aufleben zu lassen.

Lasst uns mit Liebe und Respekt auf die Furchen und Nischen in unserer körperlichen und seelischen Rinde schauen und den Erfahrungsschatz, den sie uns beschert haben, für uns und andere einsetzen.

„Der Sinn des Lebens liegt nicht in unseren Erwartungen an es, sondern in den Aufgaben, die es uns schickt.“
Victor Frankl

Auf eine sinnvolle Woche voller Leben!

Deine Birgit

Emotionale Nacktheit

Foto: Pixabay

Fühlst Du Dich manchmal von Deinem Gegenüber nicht verstanden?
Willst Du so gesehen und geliebt werden, wie Du bist?
Dann mal eine etwas provokative Frage: Zeigst Du Dich denn so, wie Du bist?

Wenn wir wirkliche Verbindung wollen, müssen wir es zulassen, wirklich gesehen zu werden.
– Brené Brown

Und den Mut haben, uns voll und ganz zu zeigen und einzulassen.

Dazu ist es notwendig, dass wir uns erstmal selbst bewußt darüber sind, was in uns vorgeht – und uns dann trauen, das auch zu äußern.
Mit guten Gefühlen gelingt uns das meist leicht.
Haarig wird es, wenn es uns nicht gut geht. Das Gefühl alleine ist schon blöd – und jetzt sollen wir uns so geschwächt auch noch verletzlich zeigen?

Gerne greifen wir dann auf Strategien zurück, die zwar so aussehen, als wenn wir über uns sprechen – in Wahrheit aber von uns ablenken. Sie sind verführerisch, denn sie versetzen uns kurzfristig in ein besseres Gefühl. Langfristig entfernen sie uns emotional aber immer weiter voneinander.

Eine dieser Strategien ist, unser Gefühl und die Kommunikation zu versachlichen. Statt „ich bin unsicher, was das bedeutet.“ sagen wir z.B. so etwas wie „die Situation läßt viele Fragen offen.“
Ich hatte da neulich so ein Aha-Erlebnis, als ich jemandem in einer Nachricht mitteilen wollte, wie es mir geht. Eine Freundin las, was ich geschrieben hatte und meinte: „Das klingt, wir ein Geschäftsbrief. Schreib doch mal wirklich darüber, was in Dir vorgeht – so wie Du es fühlst, nicht so formell. Mach Dich nackig.“
Erst habe ich’s gar nicht kapiert. Aber als ich die Nachricht nochmal durchlas, wurde mir schlagartig bewusst, was sei meinte. Wohldurchdacht formuliert. Um nicht zu sagen bis ins letzte Wort kontrolliert formuliert.
Und als ich anfing, umzuformulieren, merkte ich das Unbehagen in mir aufsteigen. Interessanter Moment – und sehr wertvoll, weil mir nicht nur bewusst wurde, was ich empfinde – sondern auch, wovor ich Angst habe.

Eine andere Strategie ist, dass wir unser schlechtes Gefühl in einen Vorwurf an den anderen verpacken.
Den anderen verantwortlich zu machen ist leichter, als sich verletzlich zu zeigen.
Gar nichts zu sagen und zu erwarten, dass der andere ja spüren muss, wie es einem geht, gehört übrigens auch in diese Kategorie.
Statt „Ich vermisse, dass Du Fragen stellst.“ sagen wir dann so etwas wie „Ich wünsche mir, dass Du mehr Interesse an mir zeigst.“ Ohne den anderen zu fragen, haben wir das Ausbleiben von Fragen als Desinteresse interpretiert. Wen wundert’s da, wenn unser Gegenüber eher defensiv als empathisch reagiert?

Dass es uns nicht leicht fällt, uns zu öffnen, ist normal und kann unterschiedliche Gründe haben:

  • Das Maß an Vertrauen, das wir zu den Bezugspersonen unserer Kindheit aufbauen konnten
  • Unser generelles Maß an Urvertrauen und Vertrauen ins Leben
  • Unser Menschenbild
  • Angst vor Zurückweisung
  • Angst vor Verletzung
  • Bisherige Erfahrungen

Aber ob wir diese Gründe als Rechtfertigungen heranziehen, um alles so zu lassen wie es ist oder ob wir uns trauen, den Schritt ins Unbekannte zu wagen und zu lernen, liegt an uns.

„Wer immer nur das tut, was er immer getan hat, wird nur das bekommen, was er immer bekommen hat. “
– Henry Ford.

Falls Du Dich in Deinen Beziehungen nach mehr Klarheit, Verbundenheit und Empathie sehnst, dann lohnt es sich, Dir diese drei Aspekte mal etwas genauer anzuschauen:

  1. Emotionales Selbst-Bewußtsein (Klarheit): Bist Du Dir bewusst, was Du fühlst? Was Du vermisst? Kannst Du es benennen? Kannst Du es annehmen?
  2. Mut zum Risiko: Hast Du den Mut, darüber zu sprechen? Und wenn ja ..
  3. Sprich von Dir: Wie äußerst Du es? Sprichst Du von Dir oder verfällst Du in eine der Strategien?

Es stimmt, sich öffnen, sich „emotional nackig zu machen“, macht Angst, macht verletzlich, ist ein Risiko.
Den Mut dazu zu haben, signalisiert Deinem Gegenüber aber auch Vertrauen.
Und genau dieses Vertrauen schafft wirkliche Nähe und echte, tiefe Verbindung.

Ich finde, dafür lohnt es sich.

Eine mutige Woche Dir.

Deine Birgit

Abschalten

Foto: Pixabay

Einst haben wir es zum Telefonieren benutzt – mittlerweile ist aus dem Mobiltelefon ein Smartphone geworden. Es ist Wecker, Buch, Notizbuch, Kalender, Taschenlampe, Navigationsgerät, Tageszeitung … die Liste lässt sich unendlich fortsetzen.

Es ist erstaunlich, was diese kleinen Geräte mittlerweile alles so können – und ich gebe zu, ich bin selber ein großer Fan unserer digitalen Spielzeuge.
Richtig genutzt können sie uns sicher Zeit sparen und unsere Effektivität steigern.
Allerdings laufen wir gleichermaßen Gefahr, dass sie unsere Zeit fressen.
Wie oft habe ich mich schon dabei erwischt, dass ich das Handy in die Hand genommen habe, weil ich eigentlich etwas notieren wollte – und mich vier E-Mails und sechs WhatsApp Messages später in Facebook wiederfand und dachte: was wolltest Du jetzt eigentlich?

Gerade in der heutigen Zeit, in der Informationen von überall her auf uns „einprasseln“ ist es sehr wichtig, ab und zu den Digi-Schirm aufzuspannen, um selbstbestimmt über unsere Zeit zu verfügen und bewusster zu entscheiden, welche Informationen wir wann konsumieren.

Wann, warum und wie oft greifst Du zum Handy?

Außerdem ist es manchmal ganz spannend zu beobachten, in welchen Situationen wir zum Handy greifen und warum.

Aus Langeweile?
Weil wir nach Bestätigung oder Bespaßung suchen? (z.B. wenn wir auf Antworten auf unsere Nachrichten warten und hoffen)
Oder ist es Ablenkung, weil wir die Situation, in der wir uns befinden, nicht mögen oder lieber woanders wären?

Ohne digitalen Filter mehr und bewusster erleben

Bewusst offline zu gehen kann also auch unsere Fähigkeit stärken, unangenehme Situationen anzunehmen (kein Ablenkungsmanöver mehr möglich – zumindest nicht mit dem Handy …). Vor allem aber schärft es unsere Wahrnehmung, weil der Fokus auf das Hier und Jetzt in der analogen Welt einfach leichter fällt, wenn wir nicht vom digitalen Spielzeug abgelenkt werden.

Der Weg lässt sich bewusster wahrnehmen (und auch merken!) wenn wir nach Straßenschildern und Wegpunkten schauen – und uns nicht alleinig vom Navi führen lassen.
Ein Gespräch mit meinem Gegenüber ist so viel fokussierter, wenn ich dabei nicht das Handy auf dem Tisch liegen habe.
Die Schönheit und Details der Natur lassen sich mit dem bloßen Auge und allen Sinnen viel besser genießen und abspeichern, wenn da keine Kameralinse dazwischen ist.
Es lässt sich viel besser mit Menschen in Kontakt kommen, wenn man echte Personen nach dem Weg fragt – und nicht Google.

Abschalten bewußt planen

Probier‘ es doch einfach mal aus.
Du musst ja nicht komplett auf die wundervollen Funktionen Deines Handys verzichten. Aber wie wäre es mit geplanten und bewussten Offline-Zeiten?

Platziere Dein Handy z.B. zuhause an einem festen Ort. So kannst Du der Versuchung widerstehen, ständig drauf zu schauen.
Lege es dort z.B. von abends, x Uhr bis morgens, y Uhr ab. (Und dieser Ort sollte nicht Dein Schlafzimmer sein.)
Oder lass‘ das Handy z.B. beim Spaziergang mit dem Hund bewusst zuhause.
Falls Du keinen Hund hast, dann nimm Dir vor, es zu einem anderen Anlass auszuschalten oder beiseite zu legen – z.B. beim Essen (auch und besonders, wenn Du alleine bist!)
Und wenn Du mutig und neugierig bist, dann probier‘ doch im nächsten Urlaub mal aus, das Handy ein oder zwei ganze Tage nicht zu benutzen – und staune, wie es Dir damit geht und was passiert.

Solltest Du Dich über einen längeren Zeitraum ausklinken, so empfliehlt es sich, Dir nahestehenden Personen Bescheid zu geben, damit sie sich keine Sorgen machen. Immerhin erwarten wir mittlerweile häufig innerhalb von mindestens 24 Stunden Antwort vom anderen.

Und jetzt – wie Peter Lustig aus „Löwenzahn“ immer zu sagen pflegte (damals galt das noch für den Fernseher!) – „Ihr wißt schon – Abschalten!“

Denn: Abschalten beginnt mit dem Abschalten.

Klink Dich aus und genieße die Freiheit!

Deine Birgit

Die Fliege am Fenster

Foto: Pixabay

Ich liebe es, im Sommer die Fenster und Türen offen zu lassen. Frische Luft in der Wohnung, das Draußen ein bisschen nach drinnen holen.

Leider trifft das auch auf allerlei Getier zu, dass dann im Laufe des Tages durch meine Räume fliegt.
Als ich dann neulich einer Fliege in meiner Küche dabei zusah, wie sie beim Versuch, wieder nach draußen zu gelangen, immer und immer wieder am schräg gestellten Fenster abprallte, obwohl die Terrassentür direkt daneben weit offen stand, habe ich mich ertappt gefühlt.

Geht es uns nicht manchmal auch so?

Voller Überzeugung von etwas holen wir uns eine blutige Nase. Das muss doch klappen. Der muss mich doch verstehen. Das ging doch beim letzten Mal auch. Und anstatt innezuhalten, zu überlegen, zu lernen, zu hinterfragen machen wir gleich nochmal einen Anlauf. Vielleicht klappts ja, wenn wir nur kräftiger einschlagen? Oder öfter? Oder überzeugter?

Manche Fliegen schaffen es nicht.
Sie liegen dann am Morgen danach der Erschöpfung erlegen auf meinem Fensterbrett.
Es ist aber nicht so, dass alle Fliegen das selbe Schicksal erleiden.
Es gibt auch erfolgreiche.
Das sind meistens die, denen es gelingt, sich vom Fenster zu lösen und mal eine große Runde durch den Raum zu drehen. Oft fliegen sie direkt danach durch die offene Tür wieder nach draußen.

Vielleicht ist es Zufall.
Ich mag aber den Gedanken, dass es ihnen gelingt, weil sie es geschafft haben, ihren Blick zu weiten, sie Situation aus einer anderen Perspektive zu sehen und sich von ihrer Überzeugung zu lösen.

Wo holst Du Dir aufgrund von festsitzenden Überzeugungen noch regelmäßig eine blutige Nase? Läufst mit engem Blick immer wieder gegen die selbe Wand und übersiehst, dass die offene Tür nur einen Meter entfernt ist?

Lass uns schlauer sein als die Fliegen an unserem Fenster.

Eine perspektivreiche Woche Dir!

Deine Birgit

Schwellenangst

Foto: Pixabay

Und plötzlich ist sie da, diese Enge, diese Beklommenheit. Von jetzt auf nachher. Du weißt gar nicht, wo sie herkommt. Mitten in einem wundervollen Erlebnis, eben noch total begeistert, voller positiver Energie, mit Leichtigkeit, Zuversicht und voll in Deiner Kraft zu neuen Ufern gestürmt – merkst Du plötzlich, dass Dich etwas bremst, merkst Du, wie Du verkrampfst.
Zweifel kommen auf.

Die Angst klopft an.

An dieser Stelle schnappen wir oft und gerne wieder zurück und denken „Ja, wenn es sich plötzlich so übel anfühlt, habe ich mich wohl getäuscht, dann ist das wohl doch nichts.“
Wir lassen die Angst ans Steuer und kehren brav zurück auf bekanntes Terrain, wie ein kleines Kind, das „zur Vernunft gebracht wurde“. „Ja stimmt, war eigentlich ne blöde Idee …“

Beispiele gibt es viele:

Du verstehst es nicht!…
Du wolltest diesen Job, die perfekte Möglichkeit, Dich weiterzuentwickeln – und eine super Passung für Deine Talente und Erfahrungen. Du hast im Bewerbungsprozess alles gegeben, überzeugt davon, dass Du es wuppst. Du hast ihn bekommen, den Job – und nun stehst Du vor Deinem ersten großen Projekt und bekommst weiche Knie, fühlst Dich überwältigt. Du beginnst, Dich zu fragen, ob Du Dich überschätzt hast, ob es das Richtig ist …

Jahrelang hast Du gehofft, dass Du ihm eines Tages begegnest – dem einen Menschen, mit dem Du Dich verbunden fühlst, mit dem Du durchs Leben gehen möchtest. Und nun steht er/sie vor Dir und  Du kannst es kaum fassen – es fühlt sich genauso an, wie Du es Dir immer vorgestellt hast! Es ist unbeschreiblich, es ist wundervoll — und plötzlich ist da diese Panik. Du kapierst es nicht…

Angst ist spannend, vielschichtig und wichtig. Ich bin der Meinung, wir machen sie uns noch immer viel zu wenig zu Nutze.
Sie ist eine der Emotionen, die wir am liebsten vermeiden wollen. Und wenn es uns dann trotz aller Kontrolle, Vorsorge und Abwägung nicht gelungen ist, stehen wir vor ihr wie Rehe im Scheinwerferlicht. Total gelähmt. Können es kaum aushalten (haben ja auch nicht so viel Übung darin). Wollen, dass sie wieder verschwindet. Schnell.
Aber sie wird weder schnell verschwinden noch fort bleiben.
Sie wird immer wieder kommen, so lange, bis wir lernen, mit ihr in Dialog zu gehen. Denn wie alle Emotionen ist auch die Angst ein wichtiger Anzeiger mit verschiedenen Funktionen. Ihre Hauptaufgabe ist wohl, uns zu schützen, davor zu bewahren, etwas zu tun, was uns schaden könnte. Auf sie zu hören kann manchmal lebensrettend sein.
Im Prinzip sind Ihre Begrüßungsworte meist:
„Das hatten wir schon, lass die Finger davon, das hat letztes Mal weh getan.“ oder: „Achtung! Wir betreten unbekanntes Gebiet. Keine Erfahrungswerte. Das ist neu, ich kann Dir nicht helfen! Risiko!!“

Ich möchte Dich dazu einladen, über ihre Begrüßung hinaus zuzuhören. Sie willkommen zu heißen, ihr Fragen zu stellen. Sie hat so viel zu sagen!
Lass sie rein – wenn Du sie ignorierst, wird ihre Empörung sie lauter werden lassen. Lade sie ein, halte sie aus, hör ihr zu – aber übergib ihr nicht das Steuer. Und halte es für möglich, dass sie hier und da vielleicht ein bisschen übertreibt in ihren Schilderungen. Sie ist eine kleine Dramaqueen, die Dich nur schützen will.

Und dann freue Dich – denn wenn sie da ist bedeutet es auch: Du stehst an einer Schwelle!
Ende der Komfortzone.
Es gibt eine Möglichkeit, Dich weiter zu entwickeln. Mit alten Vorurteilen aufzuräumen oder Deinem Fundus neue Erfahrungswerte hinzuzufügen – wenn es Dir gelingt, Klarheit zu erlangen, warum sie da ist und wo die „Verkrampfung“ herkommt.

Zum Abschluss vielleicht noch ein Bild:

Ich fahre Motorrad. Das Coolste am Motorradfahren sind die Kurven. Und wenn Du die Strecke nicht kennst, ist jede Kurve ein neues Erlebnis – aber natürlich auch ein gewisses Risiko.
Wenn Du Glück hast, gibt es vor der Kurve Schilder oder Kurvenmarkierungen, die Hinweise auf die Kurvenführung geben. Aber eben nur Hinweise. Die Schilder sind immer die selben – und können der Unterschiedlichkeit der Kurven nicht gerecht werden!
Ich habe schon wegen Schildern vor Kurven gebremst – um dann in der Kurve zu denken „Warum stand da dieses Schild?“. Während ich in andere reingefahren bin, den kalten Schweiß auf der Stirn und denkend: „Da wäre das Schild jetzt mal angemessen gewesen!“

Deine Angst ist wie so ein Verkehrsschild: Ein Hinweis, der nichts über die bevorstehende Situation aussagen kann – sondern nur über Deine Vergangenheit.
Nimm es war – aber bleib nicht davor stehen. Nimm es ernst, atme durch, bleib locker, fahr weiter und wende Deinen Blick der Straße zu, der Realität, wie sie sich Dir zu Füßen legt – und sei offen, zu einer anderen Einschätzung zu kommen als Dein Warnschild.
Nur so wirst Du in Zukunft die Vielfalt der Kurven – und Erfahrungen im Leben – genießen können.

Gute Fahrt!

Deine Birgit