Hätte-ich-Mals

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Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Freundin, das mich an die „Hätte-ich-Mals“ erinnert hat. Ich habe mal gelesen – und meine Frisörin, die ehrenamtlich im Hospiz arbeitet, bestätigt das – daß wird Menschen am Ende unseres Lebens nicht das bereuen, was wir getan haben – sondern das, was wir nicht getan haben.

Ich nenne das die „Hätte-ich-Mals“.

Vielleicht findest Du es ja krass, dass ich hier vom Ende des Lebens schreibe? Aber mal ehrlich, ist es nicht viel krasser, dass wir irgendwie davon ausgehen, wir haben ewig Zeit? – Oder zumindest in unseren Breitengraden irgendwie relativ erfolgreich verdrängen, dass wir es eben nicht haben? Uns stattdessen ablenken, wie Getriebene tagtäglich den „ich- solltes“ hinterher rennen und für das, was uns wichtig ist, keine Zeit haben.

Bei so mancher Entscheidung, in der ich lange mit mir gerungen habe, hat mir der Gedanke „wäre das was, was Du am Ende bereuen würdest, wenn Du es (nicht) getan hättest?“ relativ schnell und klare Signale gesendet, was die für mich richtige Entscheidung ist. Ich möchte  diesen Planeten mit  möglichst wenigen „Hätte-ich-Mals“ verlassen.

Obacht, kleiner Haken bei der Sache: es geht nicht darum, was „man gemacht haben sollte“ oder die Welt Dir erzählt, das richtig und falsch ist – es geht einzig und alleine um Deinen eigenen, inneren Kompass.

Hätte-Mals gibt es für mich in drei Kategorien:

Hätte-ich-Mals in Bezug auf Erlebnisse
Gibt es etwas, dass Du schon immer mal ausprobieren wolltest?
Oder einen Ort, den Du unbedingt noch gesehen haben willst?

Hätte-ich-Mals in Bezug auf Job und Karriere
Hierzu zählt zum Beispiel … „hätte ich doch noch die Fortbildung gemacht“
Hätte ich doch bloß den Sprung in die Selbständigkeit gewagt …
Hätte ich mir einen anderen Job gesucht …
Hätte ich mal meine Arbeitszeit reduziert…
Hätte ich mich doch bloß an das Projekt gewagt…

Hätte-ich-Mals in Bezug auf Beziehungen
Hätte ich mal angerufen, um die Situation zu klären.
Hätte ich  doch nur verziehen.
Wäre ich nur nicht zu stolz gewesen, um …
Hätte ich mich mal mehr Zeit in die Beziehung zu x/y/z investiert.
Hätte ich mal die Initiative ergriffen …

Gründe für Hätte-ich-Mals, also dafür, dass wir Dinge nicht tun, obwohl wir sie EIGENTLICH wollen, gibt es vielfältige – Stolz, Peinlichkeit, beleidigt sein, Ängste, Rechthaben wollen, Vermutungen, Interpretationen, Vorurteile … zusammenfassen lassen sich die meisten unter: EGO.

Unser Ego bewirkt,

  • dass es uns schwer fällt, über unseren Schatten zu springen („Dafür bin ich zu alt, das ist doch dann peinlich …“)
  • dass wir so gerne rechtbehalten wollen – manchmal sogar mit Vermutungen, die nicht mal überprüft worden sind! („Wenn man selbstständig ist, arbeitet man ja selbst und ständig und hat immer Angst, dass das Geld nicht reicht.“ / „Wahrscheinlich will er/sie mich eh nicht sehen – so lange, wie er/sie sich jetzt nicht mehr gemeldet hat …) (Auch Informationen aus dritter Hand sind übrigens Vermutungen.)
  • dass uns „das Prinzip“ wichtiger ist als die Sache („Nee, er/sie hat den Streit doch angefangen, warum soll ich auf ihn/sie zugehen?“)

Ja, unser Ego ist wichtig, denn es hat auch eine schützende Funktion und hilft uns dabei, Grenzen zu ziehen. Wenn es sich aber zu wichtig nimmt und uns dadurch weiter von dem entfernt, was uns am Herzen liegt, dann ist es Zeit, es mal zu parken.

Woran Du „hätte-ich-Mals“ erkennst?

Sie kommen immer wieder hoch – weil Du irgendwie noch nicht Deinen Frieden damit gemacht hast. Irgendetwas triggert Dich immer wieder. Wenn Du z.B. Deinen Frieden damit gemacht hast, dass die Verbindung zu einer bestimmten Person nicht mehr besteht, dann ist da kein Bedauern oder Ärger mehr darüber.

Welche „hätte-ich-mals“ gibt es in Deinem Leben?

Was ist Dir wirklich wirklich wichtig?

Welches Hätte-ich-Mal könntest Du kommende Woche in ein „mach-ich-jetzt“ verwandeln?

Was möchtest Du klären, ausprobieren, entscheiden um mehr inneren Frieden zu erlangen?

Seize the day und sei gut zu Dir!

Birgit