Von der richtigen Blickführung

Foto: eigene Quelle

„Da ist Dir wohl die Strasse ausgegangen.“

Auf den Spruch hatte ich gerade noch gewartet. Eben hatte ich mich aufgerappelt, noch mit recht zittrigen Knien, und stand auf der Straße irgendwo im Odenwald, mein Motorrad rechts neben mir, ziemlich nah am Graben.

Es ist schon einige Jahre her, aber ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Es war meine zweite Motorrad-Saison, ich war also durchaus noch ein Fahranfänger. Dennoch hatte ich bereits viele gute Touren gehabt und versuchte – nicht ohne einen gewissen Ehrgeiz – mitzuhalten mit den anderen Fahrern in unserer Gruppe (die durchweg wesentlich mehr Fahrerfahrung hatten) . Und bis zu dieser Linkskurve lief auch alles ziemlich gut.

Ich glaube, ich bin sie einfach ein wenig zu schnell angegangen – ich bekam Panik, verkrampfte, zog die Bremse, das Motorrad richtete sich auf und fuhr geradeaus – und ich lenkte meinen Blick direkt vor den Vorderreifen auf die Strasse – in der Hoffnung, so die Kontrolle wieder zu gewinnen. Geschwindigkeit hatte ich kaum noch, sie reichte gerade noch aus, einen Leitpfosten zu umfahren – dann rutschte mein Motorrad in die Grünfläche daneben und ich kam auf der Straße zum Liegen.

Die folgenden Wochen und Monate fühlte sich jede Linkskurve irgendwie doof an, und es dauerte eine Weile, bis ich wieder „in den Flow“ kam.

Warum ich das hier schreibe?

Weil mir nach diesem kleinen Unfall eine Sache besonders geholfen hat, wieder in den Flow zu kommen, mein Motorrad gelassen zu lenken und Spaß am Fahren zu haben:

Die richtige Blickführung.

Eine wichtige Regel beim Motorradfahren ist: lenke Deinen Blick immer dorthin, wo Du mit Deinem Motorrad gleich sein möchtest. Geh von der Bremse und lasse die passende Geschwindigkeit und Schräglage zu – der Rest ergibt sich fast von selbst.

Ich finde, das läßt sich wunderbar auf unseren Alltag übertragen.

Gibt es vielleicht ein paar Wünsche und Ziele, die Dir manchmal zu groß erscheinen und die Du Dir deshalb „kaputtbremst“?

Hast Du manchmal vor lauter Kontrollbedürfnis nicht mehr genug Geschwindigkeit, um noch (mit Freude) die Kurve zu kriegen?

Und wo geht Dein Blick hin? Ist er auf Dein attraktives Ziel, das Dich mit Freude anzieht, gerichtet oder versinkt er in der alltäglichen „Geschäftigkeit“?

Kurz und knapp: halte doch Deinen Blick diese Woche mal auf das gerichtet, was Du erreichen möchtest und dann geh einfach von der Bremse!

Enjoy the ride,

Birgit

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