Sprich drüber Teil 1 – Socializing

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Erst kürzlich habe ich einem TED Talk von Guy Winch gelauscht, in dem es um Emotionale Hygiene ging. Das Video ist absolut sehenswert, weshalb ich ihm auch noch einen separaten Artikel widmen werde. Einen Aspekt daraus möchte ich aber heute bereits aufgreifen: die Tatsache, dass wir von Kindesbeinen an lernen, was zu tun ist, um unseren Körper zu pflegen und gesund zu halten. Wenn wir uns verletzen, lernen wir, dass die Wunde versorgt werden muss, Rituale wie das Zähneputzen sorgen für den Erhalt unserer Gesundheit. Wie aber steht es um unsere Emotionen? Haben wir ebenso gelernt, was zu tun ist, um unsere Seele gesund zu halten oder was wir machen können, wenn sie verletzt wurde?

Erstaunlicherweise sind es oft kleine Dinge, die eine große Wirkung zeigen – auch wenn sie uns manchmal in der jeweiligen Situation schwer fallen. Eine Möglichkeit, sich um sein seelisches Wohlbefinden zu kümmern ist, über das zu reden, was uns beschäftigt, verletzt, bedrückt oder blockiert. Es ist zudem ein sehr wirkungsvoller Hebel, um aus der Gedankenspirale auszusteigen, in die wir uns selbst in solchen Situationen gerne hineindrehen.

Mehr noch als das: mittlerweile ist es wissenschaftlich erwiesen, dass regelmäßiger Austausch mit Freunden und der Familie (Socializing) Stress reduziert und Depressionen vorbeugen kann. Ein gesundes Netzwerk steigert zudem unsere Lebenserwartung und unsere Gesundheit. Das liegt zum einen daran, dass wir soziale Wesen sind, die den Austausch, Kontakt und Nähe brauchen. Zum anderen gibt es im Austausch mit anderen eines automatisch dazu: eine andere Perspektive. Besonders dann, wenn wir etwas als ausweglos ansehen oder uns „verrannt“ haben wird unser Geist immer enger und problemfokussierter und ist immer weniger in der Lage, Ideen und Lösungen zu generieren. Der Blick aus einer anderen Perspektive und ein klares Wort von guten Freunden kann hier Wunder wirken.

Was mich dazu bringt, zwei Warnungen auszusprechen:

Der offene Austausch mit guten Freunden kann das eigene Rechthaben und die eigenen Überzeugungen gefährden 🙂 Manchmal drehen wir uns nämlich im Kreis, weil wir eine bestimmte Meinung oder Überzeugung nur schwerlich loslassen können. Dann wird es Zeit, uns selbst in Frage zu stellen – oder jemanden zu bitten, uns dabei zu helfen. Das setzt voraus, dass wir bereit und offen für andere Sichtweisen und Einschätzungen sind – und jemanden haben, der sich nicht scheut, klare Worte zu finden.

Was mich zu Punkt zwei bringt: Wenn Du Hilfe brauchst, wähle die „richtigen“ Personen aus.

Wenn wir uns in unserem Leid jemanden suchen, der unsere Sichtweise teilt, sitzen wir recht schnell gemeinsam im Jammertal. Das mag sich erst einmal gut anfühlen, weil wir uns verstanden fühlen – am Ende führt es aber zu keiner Lösung – im schlimmsten Fall verstärkt es sogar noch unser „Ach-das-ist-alles-schrecklich-wusste-ichs-doch-Gefühl“.

Hilfreich ist eher ein Gegenüber, das erst einmal nur zuhört. Manchmal genügt das schon. Vielleicht kennst Du das – sobald Du anfängst, jemandem etwas  zu erklären, und dieser jemand aktiv zuhört (wiederholt, Verständnis klärt, zusammenfasst etc.), beginnt Dein Hirn bereits in eine Art Lösungsmodus zu wechseln („ah, jetzt wo ich darüber spreche, kommen mir Ideen …“). Denn etwas darlegen müssen erfordert vorheriges Sortieren und Klarheit der Gedanken. In 80% Der Fälle bist Du einer Lösung schon näher, wenn Du Dein Problem erstmal geschildert hast.

Wenn Dein Lieblings-Lösungsmensch dann noch seine oder ihre Perspektive und Ideen beiträgt, sobald Du bereit dazu bist, bist Du schon einen riesen Schritt weiter.

Ich wünsche Dir eine Woche mit vielen wertvollen Begegnungen und Gesprächen – ob mit oder ohne Problem, sich auszutauschen ist bereichernd und reduziert Stress.

Mit wem wirst Du Dich treffen oder wem kannst Du vielleicht in der kommenden Woche ein guter Freund oder eine gute Freundin sein?

Gute Gespräche,

Deine Birgit

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