Mut zur Frage

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Wenn wir Menschen eines nicht so gut aushalten können, dann ist es Ungewissheit.
Von Natur aus versucht unser inneres System immer wieder zur Stabilität zurückzukehren, „Unwuchten“ auszubalancieren. D.h. offene Angelegenheiten zum Abschluss bringen, in unklare Angelegenheiten Klarheit bringen und von Ungewissheit zu Gewissheit – oder zumindest zu Wissen zu gelangen. Das schafft Sicherheit, ist wie ein Anker, an dem wir uns festhalten können und an dem wir unsere Entscheidungen aufhängen.

Nur ist das nicht immer so einfach. „Ich weiß, dass ich nicht weiß“, tönte es bereits in der Antike. Und nicht einmal die Wissenschaft hat Gewissheit und alle Antworten – wie wir aktuell am Thema Corona täglich mitverfolgen können.
Und das ist auch gut und richtig so. Wissenschaft hat nämlich nichts mit „alles schon wissen“ zu tun, sondern mit forschen. Es geht nicht darum, auf alles bereits eine Antwort zu haben sondern auf Basis von Fakten Annahmen anzustellen und diese dann durch das Stellen der richtigen Fragen zu überprüfen.
Und sie wieder zu verwerfen, wenn sie falsch waren.
Und sich das einzugestehen.
Und mit der dann noch immer oder wieder vorhandenen Ungewissheit leben zu können. Sie anzunehmen und wieder von vorne zu beginnen.
Also ein hochdynamischer Prozess.
Soviel zur Wissenschaft.

Nun zurück ins wahre Leben – wo es uns leider nicht immer so gut gelingt, den eben beschriebenen Lern-Kreislauf am Laufen zu halten.
Schnell soll es gehen mit der Lösung und der Bedürfnisbefriedigung. Also greifen wir gerne zu den üblichen „Quick Fixes“:
Wir gelangen zu unserer Erkenntnis, indem wir …

  • uns die Erklärungen selber stricken und ausdenken (Lücken in den Fakten selber füllen)
  • auf Erklärungen von anderen zurückgreifen (Presse, Social Media, Freunde)
  • unsere Schlussfolgerungen einzig und allein auf Basis unserer eigenen Erfahrungen ziehen.

Wie erklären uns die Realität – oder das, was wir für die Realität halten – stets so, dass sie in unser mentales Narrativ passt.

„Die Realität ist eine Illusion – wenn auch eine sehr hartnäckige. „
Albert Einstein

(Wenn Du Fabeln und Analogien liebst, schau an dieser Stelle doch mal nach der Geschichte von den Fünf Gelehrten und dem Elefanten; wenn Du eher der wissenschaftliche Typ bist, hier ein Buchtipp: Schnelles Denken, Langsames Denken)

Im Kleinen sind diese Quick Fixes nicht schlimm, manchmal ist schnelles Denken sogar notwendig – laut Hirnforschung müssen wir schließlich ca. 20.000 Entscheidungen am Tag treffen.
Dauerhaft angewandt können sie aber zu Überzeugungen und Gewissheiten führen, die uns im Weg stehen. Die verhindern, dass wir weiterkommen. Weil wir sie nicht hinterfragen. Weil wir uns immer nur in unserer Realität bewegen und so bei der Problemlösung immer wieder an der selben Stelle rauskommen.

Je tiefer er Anker unserer Überzeugung im Sand steckt, desto schwerer lässt sich der Kurs unseres Bootes ändern, wenn der Wind sich dreht.

Also, wie steht es um Deinen Forscherdrang?
Was glaubst Du zu wissen, wovon bist Du überzeugt – und wie bist Du zu dieser Gewissheit und diesen Überzeugungen gelangt?
Durch (Vor-)annahmen? – „Ich dachte, dass …“ / „Damit soll bestimmt …“ / „Wahrscheinlich wollen die …“
Durch Schlussfolgerungen? – „Wenn sich einer so verhält, dann ..“ / „Das kenn ich schon, …“
Basieren Deine Erkenntnisse auf unüberprüften Vermutungen oder auf validierten Annahmen?
Fragst Du nach?
Auch wenn es zu unangenehmen Antworten führen könnte?
Wen fragst Du? Betroffene oder Dritte?
Was fragst Du? Was Du bestätigt haben willst oder was Du wissen willst?
Wie fragst Du? Suggestiv-rhetorisch oder offen?
Wie gehst Du mit überraschenden Antworten um?
Bist Du dankbar für Erkenntnis und Offenheit oder ungläubig?
Und selbst wenn Fragen nicht möglich sind oder nicht zur Gewissheit führen, hältst Du es aus?
Oder greifst Du dann doch zum Quick Fix?
Traue Dich, zu fragen und zu hinterfragen.
Was Du hörst, was man Dir erzählt, was Du wahrnimmst – aber vor allem, was Du schlussfolgerst.
Wage es, Deine eigenen Annahmen in Frage zu stellen.
Wann immer möglich, frage direkt nach. Geht besonders gut bei Annahmen über Personen und ihre Verhaltensweisen.
Sprich mit Menschen, nicht über sie.
Und wenn es nicht möglich ist, Deine Annahmen zu überprüfen, bleib bescheiden. Wisse, dass Du wahrscheinlich nicht weißt.
Halte diese Grauzone aus.
Binäres Beurteilen fühlt sich zwar leichter an, bringt Dich aber nicht weiter.

„Solange man Helden oder Schuldige braucht, um eine Situation oder ein Problem plausibel zu erklären, hat man sie noch nicht verstanden.“
Gerhard Wohland

Wo könntest Du kommende Woche mal von Erklärmodus und Fragemodus schalten?
Welchen blockierenden Annahmen könntest Du  mal mutig durch Fragen und Forscherdrang auf den Grund gehen und vielleicht sogar sprengen?

Hab Mut zur Frage und lass Dich überraschen!

Deine Birgit

Karriere geht nicht alleine

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Vielleicht wunderst Du Dich, warum ich mich diese Woche dem Thema Karriere  widme. Ganz einfach: Unsere Arbeit ist maßgeblich an unserem Wohlbefinden beteiligt. Wenn alles gut läuft, ermöglicht Sie uns Erfolgserlebnisse und das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Sie fordert und fördert uns, passt zu unseren Talenten und Werten und vermittelt uns einen Sinn.
All das trägt zu unserer Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Motivation bei.
Was fehlt, wenn die Arbeit fehlt, wird zur Zeit manchem wahrscheinlich schmerzlich bewusst. Und die wirtschaftlichen Zukunftsprognosen, die aktuell zu lesen und zu hören sind, stimmen wenig zuversichtlich.
Was hat also das Thema Karriere zu suchen in einer Zeit, in der die Arbeitslosenquoten Schlagzeilen machen?
Eine Menge!

Niemand weiß, wie die Zukunft wirklich aussehen wird. Klar ist aber: je bewusster Du Dir bist, wer genau Du bist, was Dich auszeichnet, was Du beitragen kannst, was Du erreichen willst – und wie Du dem näher kommst, umso schneller und besser findest Du (D)einen Platz in der neuen Realität.

„Wenn wir uns nur damit beschäftigen, welche Fähigkeiten heute wichtig sind, werden wir morgen mit den Kompetenzen von gestern ausgestattet sein.“

Es ist also die beste Zeit für eine Art Bestandsaufnahme in Punkto Job.
Dazu gehört u.a., Antworten auf verschiedene Fragen zu finden, wie z.B. „Welche Rolle spielt die Arbeit in meinem Leben?“, „Was kann ich besonders gut?“, „Worauf möchte ich gerne verzichten?“, „Was ist mir wichtig?“, „Was bereitet mir Freude?“, „Worauf möchte ich am Ende zurückblicken können“ oder „In welchem Arbeitsumfeld fühle ich mich wohl?“

Perfekt lässt sich die Zeit auch dafür nutzen, Dein berufliches Netzwerk mal unter die Lupe zu nehmen und gegebenenfalls zu erweitern. Keiner ist alleine erfolgreich – und je vielfältiger Dein Netzwerk ist, desto wertvoller für Deine berufliche Entwicklung.

Schau doch mal, ob unter Deinen Kontakten Personen zu finden sind, die sich einer oder mehreren der unten genannten Kategorien zuordnen lassen.
Am besten nimmst Du Dir ein Blatt Papier und notierst Dir unter jedem Personenkreis Namen, die Du zuordnen würdest. So hast Du recht schnell ein klares Bild, an welcher Stelle Dein Netzwerk noch ergänzt werden sollte.

Schaubild: Birgit Baldauf

Voraussetzung, bevor Du mit den Personen in Kontakt trittst ist, dass Du bereits Klarheit über Dich und Deine Ziele erlangt hast. Um die verschiedenen Karriereförderer besser erklären zu können, gehen wir mal davon aus, Du möchtest als Koch/Köchin erfolgreich sein.

Coaches: Sind keine Experten auf Deinem angestrebten Gebiet – aber Profis darin, Dir zur richtigen Zeit die richtigen Fragen zu stellen. Oft kannst Du ihre Unterstützung „punktuell“ in Anspruch nehmen – wenn Du Dich z.B. gedanklich im Kreis drehst oder an Dir zweifelst. Ein guter Coach verfügt über ausreichend Methodenvielfalt und hilft Dir, selbst die Antwort auf Deine Fragen oder den nächsten Schritt herauszufinden. Er regt Deine Selbstreflexion an und hilft Dir so, Dir selbst zu helfen. Eine Verbindung zu einem Coach ist in der Regel lösungs- und leistungsorientiert.

Mentoren: Sind in der Regel erfahrener als Du auf dem Gebiet für das Du Dich interessierst. Vor allem aber sind sie Experten in wichtigen, übertragbaren Kompetenzen (Soft Skills). Sie haben die Fähigkeit, Dich zu leiten, zu beraten, zu ermutigen und verantwortlich zu halten. Sie kennen Dich gut und und verstehen Dich, Deine Beweggründe und eventuelle Stolperfallen auf Deinem Weg. Eine Verbindung zu einem Mentor ist beziehungsorientiert und dauert oft ein Leben lang an.

Sponsoren: Vielleicht denkst Du jetzt an Werbeverträge? Und so falsch liegst Du damit gar nicht. Sponsoren sind Ermöglicher. Sie teilen ihr Wissen, stellen Verbindungen her, bringen Dich ins Gespräch (machen für Dich Werbung bei den „richtigen“ Leuten) und bieten Dir Möglichkeiten. Der Sponsor ist nicht der Starkoch sondern die Person, der das Restaurant oder das Hotel gehört, in dem der Starkoch sich austoben kann.

Experten: Die Fachmänner und Fachfrauen der Theorie. Sie sind wandelnde Lexika auf ihrem Gebiet, lieben Ihr Ressort und fordern Dich heraus, durch kontinuierliches Lernen Deine Fachkenntnisse auf dem Laufenden zu halten. Sie sind Deine Lehrerinnen und Lehrer.

Profis: Sie sind Dein leuchtendes Vorbild – dort wo sie sind, willst Du auch hin! Es ist der Starkoch oder eine Sterneköchin, die Meister darin sind, ihrer Kompetenz im Handeln eine eigene Note zu verleihen. Was Du lernen kannst: wie man das Wissen der Experten erfolgreich anwendet – und seine eigene Marke entwickelt. Experten sind erfahren und kennen und studieren kontinuierlich ihre Mitbewerber und den Markt – und lernen daraus.

Kollegen: Aktuelle oder zukünftige. Sind da, wo Du jetzt bist oder wo Du als nächstes wärst. Sie können Dir entweder wertvolles Feedback zu Deinen Stärken und Entwicklungsfeldern sowie Deinem beruflichen Ich und Deiner Wirkung auf andere geben. Oder sie sind die, die Du fragen kannst, wie Deine zukünftige Arbeit sich anfühlt und erlebt wird – z.B. in verschiedenen Küchen (Sternegastronomie, Kantine, Hotel, Krankenhaus …).

Gute Freunde: Kennen Dich persönlich und teilen Deine Werte. Wissen um Deine tieferen Beweggründe und Hemmnisse – und trauen sich auch, Tacheles zu reden und Dir ungeschöntes Feedback zu geben.

Und, wir schaut Deine Liste aus?
Mit wem möchtest Du in der kommenden Woche Kontakt aufnehmen?

Viel Erfolg beim Netzwerken!

Deine Birgit

Na, keinen Plan?

„Everybody has a plan until they get punched in the mouth.“
„Jeder hat einen Plan, bis er eins auf die Fresse bekommt.“
(Mike Tyson)

Die klaren Worte von Mike Tyson leiteten diese Woche einen wunderbaren Blog-Artikel von Förster & Kreuz ein. Er beschreibt, warum das mit dem klassischen Pläne schmieden in der heutigen Zeit nicht mehr funktioniert und was wir anstelle dessen tun können, um voran zu kommen und nicht in eine Art Schockstarre zu verfallen (hier geht’s zum Artikel).

Mich hat das Zitat zu einem anderen Gedanken inspiriert:
Ich glaube, wir stecken unsere Energie viel zu oft in die falschen Maßnahmen – das ausführliche Pläne Schmieden und alles tausendmal durchdenken und planen gehört meines Erachtens dazu. Versteht mich nicht falsch, ich meine nicht, dass wir uns gar keine Gedanken machen sollten. Aber wenn doch die Unvorhersehbarkeit der Dinge immer größer wird, die zu einer Situation beitragenden Aspekte immer zahlreicher, komplexer und unübersichtlicher und die Halbwertszeit von Erkenntnissen immer kürzer, sprich, wenn das Leben sich nach chaotischen Prinzipien stets wandelt, wie soll dann so etwas wie ein statischer Plan funktionieren?

Trotzdem haben wir das Gefühl, wir brauchen einen Plan – aber nicht für die Situation, sondern mehr so für uns. Dieses Durchdenken und in Betracht ziehen gibt uns ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit – in einem eigentlich unkontrollierbaren Umfeld. Vielleicht gehörst Du ja auch zu den Menschen, die Ihre planerischen Aktionen immer dann intensivieren, wenn sie meinen, dass ihnen eine Situation entgleitet oder sich aufgrund noch die dagewesener Umstände das Gefühl von Hilflosigkeit einschleicht?

Was aber kann uns dann in diesem Chaos ein ein Gefühl von Sicherheit geben?
Was sollten wir tun, anstatt zu vermessen, abzuwägen, einzuschätzen, zu beurteilen?

Statt uns damit zu beschäftigten, alle möglichen Wellen zu vermessen, denen wir eventuell ausgesetzt sein könnten, lasst uns lieber die Kompetenz trainieren, diese Wellen zu reiten.

Ich bin zwar kein Surfer, aber das Bild kommt mir sofort in den Sinn, wenn ich mir die oben beschriebenen Umstände vor Augen führe. Was nützt es dem Surfer, wenn er alles über Wellen weiß, ihren Ursprung, ihren Verlauf, ihr Vorkommen, Dauer, Größe, Volumen, Geschwindigkeit – wenn er auf seinem Brett steht und sich eine Welle aufbaut, die so bisher noch nie dagewesen ist und ihm schlicht und ergreifend die Lockerheit in den Knien und die Übung, sie zu stehen, fehlt?

Also, lasst uns unsere Energie doch lieber in den Aufbau unserer Fähigkeiten stecken, mit was auch immer auf uns zukommt souverän, lösungsorientiert und leicht (nicht leichtfertig!) umzugehen.

Nie dagewesene Wellen gab es in der letzten Zeit ausreichend – und wahrscheinlich wird die See unserer Realität auch in Zukunft ganz schön rau bleiben.

Was brauchen wir, um das zu stehen?

  1. Selbstverantwortung
  2. Offenheit für Veränderungen
  3. Pioniergeist und Neugier
  4. Fokus – im Hier und Jetzt!
  5. Kollaborationsbereitschaft
  6. Lern- und Entwicklungsbereitschaft
  7. Positive Haltung gegenüber Fehlern

Wo begegnen Dir im Alltag Situationen, in denen Du das üben kannst?

  1. Immer, wenn Du Dich bei Gedanken oder Worten wie „wenn, dann …“, „der/die sollte …“, „ich kann nichts dafür, das ist …“ erwischst, ist es Zeit, Dir ein innerliches Stopp zu setzen und Dich zu fragen: „was war/ist DEIN Beitrag an der Situation? Was kannst DU tun, um sie anzunehmen/zu ändern/zu bewältigen/zu verlassen? (Unabhängig vom Verhalten oder der Meinung anderer Personen).
  2. Wann hat sich in Deinem Leben zum letzten Mal etwas verändert? Ohne Dein Zutun? Vielleicht sogar gegen Deinen Willen? Auf eine Art, die Dir nicht gefiel? Wie hast Du darauf reagiert? Wie viel Kraft hast Du in die Gegenwehr nicht veränderbarer Umstände gesetzt? Wenn die Welle zu groß, zu schnell, zu wild ist, hilft es nix, darüber zu schimpfen. Veränderungen anzunehmen lässt sich besonders gut trainieren, wenn Du in Deinem Alltag absichtlich immer mal wieder aus Deiner Komfortzone gehst – kontrolliert sozusagen. Menschen ansprechen, wenn Du schüchtern bist, etwas anziehen, dass Du sonst nie tragen würdest, ohne Zimmerreservervierung in den Urlaub fahren etc.
  3. Auf der geplanten Route ist Stau? Die für das Abendessen geplanten Zutaten sind im Supermarkt nicht mehr erhältlich? Der Besuch kommt eine halbe Stunde zu früh? Wie geht es Dir damit? Versuchst doch mal mit „wow, vielleicht entdecke ich neue Wege, wie ich den Stau umfahren kann – dort wo kein anderer ist“. – „Was wohl passiert, wenn die Zutat x mit Zutat y ersetze? Das wird dann mein Geheimrezept!“ oder „Hej, schön dass Ihr da seid! Wollt Ihr mir bei den Vorbereitungen helfen?“
  4. Erwischt Du Dich bei dem Gedanken: „Hätte ich mal …“ – lass stecken. Der bringt nix, um die Situation, in der Du jetzt steckst, zu lösen. Schlimmer noch er zieht wichtige Energien aus dem Hier und Jetzt ab und steckt sie in die Vergangenheit – die Du eh nicht mehr ändern kannst. Stecke alle Deine Aufmerksamkeit in die einzige „Zeit“, in der Du was ändern kannst – die Gegenwart. Was genau nimmst Du JETZT wahr? Was kannst Du JETZT tun?
  5. Wann hast Du das letzte Mal jemanden um Hilfe gebeten? Oder um eine Einschätzung? Dir Ideen geholt und Anregungen? Was hindert Dich ggf. daran? Vielleicht die Tatsache, dass Du die Situation, die Du meistern musst, ganz anders einschätzt als andere? Das ist gut so! Je mehr Perspektiven, desto mehr Lösungsmöglichkeiten! Keine ist falsch oder richtig – und viele sind einen Versuch wert! Denn wer tut, was er immer getan hat wird bekommen, was er immer bekam.
  6. Frage Dich jeden Abend, was Du über den Tag hinweg gelernt hast. Dabei ist Lernen im weiteren Sinne zu verstehen. Es kann auch daher kommen als Erkenntnis – über Dich, andere, das Leben, einen Sachverhalt … oder Entdeckung – von etwas Neuem – in Deinem Umfeld, Alltag, an Dir… Vielleicht hast Du aber auch etwas Interessantes erfahren? Egal – wichtig ist, dass Du nie davon ausgehst, jetzt „fertig ausgelernt“ zu sein. Denn was Du heute gelernt hast, ist übermorgen schon überholt.
  7. Wie gehst Du mit Dir selber um, wenn Du einen Fehler machst, etwas vergisst oder etwas schief läuft? Und wie stehst Du zu der Fehlbarkeit Deiner Mitmenschen? Ohne Fehler kein Lernen. Fehler vermeiden zu wollen heißt, sich selbst zu lähmen und nicht mehr weiter zu entwickeln. Wo traust Du Dich nicht, den nächsten Schritt zu wagen aus Angst, etwas falsch zu machen oder zu scheitern?

Klingt jetzt alles vielleicht nach ganz schön viel.

Ich würde sagen, rauf auf’s Board und rein in die Wellen. Und dann – eine nach der anderen, locker in den Knien und – enjoy the ride!

Deine Birgit

Ein Rückblick mit Wow-Effekt

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„Wenn ich jetzt so zurückblicke, dann frage ich mich schon, wie ich das damals alles geschafft habe!“ sagte neulich eine liebe Freundin, als wir uns über Veränderungen im Leben unterhielten.

Kennst Du das auch?
Manchmal stellt uns das Leben vor Aufgaben, die auf den ersten Blick so wirken, als wären sie zu groß für uns. Uns durchströmen Gedanken wie  „Wie soll ich das nur schaffen?“ oder „Und jetzt??“
Und dann, einige Zeit später, blicken wir zurück und denken – „Du meine Güte, wenn mir jemand gesagt hätte, dass ich das schaffe, hätte ich ihn für verrückt erklärt!“

Es ist erstaunlich, wozu wir in der Lage sind, wie wir unsere Kräfte zu mobilisieren wissen, wenn wir müssen, wenn wir scheinbar keine Wahl haben.
Plötzlich haben wir einen messerscharfen Fokus, eine Bestimmung. Wir bleiben dran, alles, was nur zweitrangig ist wird auch konsequent in die zweite Reihe geschickt. Unsere Entschlossenheit wächst, alle Energie wird gesammelt und ausgerichtet, um die bevorstehende Aufgabe zu meistern – egal, welcher Natur sie ist (und ich spreche hier von lebensverändernden Umständen, Situationen, die eine Zäsur für Deinen Alltag und Dein Leben bedeuten).

Warum ich das schreibe?

Weil ich finde, dass wir uns in Situationen, die uns zu groß oder ausweglos erscheinen, immer mal wieder daran erinnern sollten, was wir in der Vergangenheit schon alles gewuppt haben. Und durchaus den Gedanken zulassen können, dass immer mehr geht, als wir tatsächlich denken. Da ist noch diese Reserve, die unser ausgeklügeltes System aus Körper und Geist für Notfälle aufbewahrt – und sie auch nur in solchen „rausrückt“.

Wenn Du also an einem Punkt in Deinem Leben bist, der Dich zu überwältigen scheint …

  1. Nimm die Situation an. Sie ist wie sie ist – verliere nicht wertvolle Energie in Ärger darüber!
  2. Gestehe Dir ein, dass Du Dich überwältigt fühlst. Das ist in Ordnung. Sprich es aus: „Ich fühle mich gerade überfordert/überwältigt.“ Sobald Du Deinen Gefühlen Beachtung schenkst (nur wahrnehmen, nicht werten oder gar schon daraus etwas schlußfolgern) nimmst Du den ersten Druck raus.
  3. Blicke zurück und erinnere Dich, was Du in der Vergangenheit schon alles gemeistert hast – und schöpfe daraus Zuversicht.
  4. Dann blicke nach vorne: angenommen, Du hast alles mit Bravour geschafft – wie sieht Dein Wunschergebnis aus? Was siehst Du, fühlst Du, machst Du? Habe eine Vision vor Augen, die klar genug ist, um den Fokus zu setzen – aber nicht so detailliert, dass Du auf unterwegs die Flexibilität für andere oder bessere Wege zum Ziel verlierst. Das ist ein bisschen wie bei der Wohnungssuche – wenn Du weißt, was Du willst, wird Dein Blick geschärft für die richtigen Anzeigen – und alle anderen kannst Du getrost ignorieren.
  5. Gib Dir Zeit und gönne Deinem Verstand auch mal Pausen, damit er verarbeiten kann. Dann wird er die Eindrücke sortieren und Deine Intuition damit füttern. Das Unterbewusstsein arbeitet immer weiter – auch wenn Du schläfst.
  6. Sei fleißig und bleib dran – aber vertraue auch, dass sich Dir Wege oder Lösungen vielleicht auch zeigen werden, wenn Du nicht damit rechnest. Übe Dich in gelassen-zuversichtlicher Aufmerksamkeit.

Und zum Schluß noch ein Spruch der mir in schwierigen Situationen schon geholfen hat:

„Das Universum schickt Dir immer nur Aufgaben von denen es denkt, dass Du sie bewältigen kannst.“

Sei also stolz – das Universum traut Dir einiges zu – tu Du es auch! 😉

Da geht noch was!

Du schaffst das.

Deine Birgit

Ergebnisoffene Zielsetzung?

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Diese Überschrift mag wie ein Widerspruch klingen. Wie kann ich mir gleichzeitig etwas vornehmen und trotzdem kein festgelegtes Ergebnis erwarten?
Bei dieser Formulierung geht es aber weniger um das Ergebnis – sondern mehr, wie wir damit umgehen.

„Leben ist, was passiert, wenn man anfängt, Pläne zu schmieden.“

Hand auf’s Herz – wie oft klappen die Dinge so, wie wir sie geplant haben? Manchmal habe ich sogar das Gefühl, je mehr ich plane und mir vornehme und je genauer ich meine Erwartungen formuliere, desto weniger klappt es. Das mag zum einen daran liegen, dass es schwieriger wird, je detaillierter unsere Erwartungen sind – zum anderen aber auch daran, dass wir mit jedem Detail mehr zu kontrollieren versuchen und in gewisser Weise mental „verkrampfen“.

Wir nehmen damit eine von drei Haltungen an, aus denen heraus laut Buddhismus das meiste Leid der Menschen erwächst:

  1. Etwas (Unangenehmes) verhindern wollen = Angst
  2. Etwas (Angenehmes) nicht loslassen können = Bedauern
  3. Etwas (Unangenehmes) nicht annehmen können = Ablehnung

Bedeutet das jetzt, dass wir uns gar nichts mehr vornehmen sollten – klappt ja eh in den meisten Fällen nicht?
Nein! Denn durch unsere Zielsetzung und Vorhaben geben wir unserem Leben eine Richtung, wir steuern es hin zu dem, was uns wichtig ist und wie wir leben wollen.
Wenn wir das nicht tun, laufen wir Gefahr, dass „das Leben uns passiert“ oder Andere Entscheidungen für uns treffen – und wir uns am Ende in Situationen wiederfinden, die wir gar nicht wollen.
Außerdem ist Zielsetzung wichtig, um Erfolgserlebnisse zu haben – welche wiederum unser Selbstwirksamkeitsgefühl und unseren Selbstwert stärken.
Also, weiterhin Ziele setzen und Vorhaben planen.
ABER – locker und offen bleiben, wenn es nicht so ausgeht, wie wir uns das gedacht haben.

Je gelassenerer wir mit den Unwägbarkeiten und der Unberechenbarkeit des Lebens umgehen, je flexibler wir durch es hindurch navigieren, umso schneller gelingt es uns, wieder aufzustehen, wenn wir hingefallen sind und nach vorne zu blicken. Und mehr Leichtigkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir das Ziel erreichen!
Ergebnisoffen bedeutet also – sich etwas vorzunehmen, und was immer auch dabei herauskommt – anzunehmen!

Das könnte dann so aussehen:

Eine kleine Anmerkung noch: es geht hier nicht um’s Schönreden! Wenn etwas unangenehm ist, ist es unangenehm und basta. Es geht um’s Annehmen – und das beginnt mit dem Eingeständnis, dass es unangenehm ist und dass ich mich ungut damit fühle. Nicht mehr und nicht weniger.
Das alleine lässt die erste „Luft raus“, klärt den Geist und wir können unsere Energie wieder nach vorne richten.
Also – planen, ergebnisoffen bleiben und dann freuen und feiern – oder annehmen und lernen.

Was hast Du diese Woche für Pläne?

Sei gut zur Dir!

Deine Birgit

Vertrauen – Du zuerst!

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„Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ sagte einst der russische Politiker Lenin.
Aber was ist dran an dem Spruch?
Wie würde es Dir gehen, wenn Du immer alles kontrollieren müsstest – um zu vertrauen?
Ist es dann überhaupt noch Vertrauen?

Vertrauen hat mehrere Facetten:

Vertrauen in sich selbst, Vertrauen in den Lauf der Dinge und Vertrauen in andere Personen. Letzteres lässt sich noch einmal unterteilen in Vertrauen in Personen, die wir kennen oder mit denen wir in einer Beziehung stehen und dem Grundvertrauen in das „Gute im Menschen“ in Situationen mit Menschen, die wir nicht kennen.

Erwiesen ist, dass Vertauen ein wichtiger Faktor für die eigene Zufriedenheit und das Lebensglück ist.
Wer nicht in der Lage ist, zu vertrauen, kann nicht entspannen.
Wer nicht entspannen kann, kann nicht glücklich sein.

Natürlich wird der Umfang unseres Vertrauens auch von bisherigen Erfahrungen beeinflusst. Forscher haben herausgefunden, dass es 5 vertrauensvolle Erfahrungen braucht, um eine Mißtrauenserfahrung auszugleichen. Damit dies funktioniert, müssen wir uns aber trotz enttäuschtem Vertrauen erneut auf Situationen einlassen, die anderen die Möglichkeit geben, Ihre Vertrauenswürdigkeit unter Beweis zu stellen. Obwohl wir also schon einmal eingebrochen sind auf der Eisfläche, müssen wir uns wieder auf sie begeben, um zu erfahren, dass sie auch halten kann.
Grundsätzlich ist Vertrauen also eine innere Haltung, für die man sich entscheiden kann – trotz der Erfahrung des betrogen worden Seins.

Da wir allerdings von Natur aus darauf gepolt sind, eher zum Misstrauen zu neigen, ist die Gefahr sehr groß, dass wir nach uns einer schlechten Erfahrung in unserem Misstrauen bestätigt fühlen und uns fortan nicht mehr aufs Eis begeben – uns also selbst weiterer positiver Erfahrungen berauben.
Hier erneut eine vertrauensvolle Haltung zu generieren ist durchaus eine große Aufgabe.

Zuversichtlich stimmen mich aber folgende Erkenntnisse aus der Wissenschaft:

  • Es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass man nicht über’s Ohr gehauen wird, wenn man anderen Menschen zuerst Vertrauen entgegenbringt. Wir Menschen handeln sehr kontextabhängig. In einem eher von Misstrauen geprägten Umfeld werden wir ebenfalls Skepsis zeigen. Wenn wir allerdings in Bezug auf das Verrauen in anderen in Vorlage gehen, schaffen wir ein vertrauensvolles Umfeld, was die Wahrscheinlichkeit steigert, dass unser Gegenüber das Vertrauen erwidert. Da mag unter anderem daran liegen, dass das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet wird, wenn uns Vertrauen entgegengebracht wird. Vertrauen schafft Vertrauenswürdigkeit.
  • Die meisten Menschen sind misstrauischer, als sie es sein müssten.
  • Die meisten Menschen sind vertrauenswürdiger als wir sie einschätzen.

Folgende Experimente bestätigen dies:

Das „Wallet Drop Experiment“ des Toronto Star in Kanada:
Für das Experiment wurden in Toronto innerhalb von 14 Tagen 20 Brieftaschen mit $ 200 und der Adresse des Besitzers darin an verschiedenen Orten in der Stadt absichtlich liegengelassen. Bevor Du weiterliest – was schätzt Du, wieviele Brieftaschen dem Besitzer zurückgegeben wurden?
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Auf die selbe Frage antworteten die meisten Menschen mit durchschnittlich 2,3 – also einer 10% Rückgabequote. Tatsächlich wurden aber 16 der 20 Brieftaschen mit vollem Inhalt an den Besitzer zurückgegeben – was einer Rückgabequote von 80% entspricht.

Und hier noch das zweite, wissenschaftlichere Experiment, das aus einer Reihe von „Trust Game Studien“ stammt.
Stell Dir folgendes Szenario vor:
Du nimmst mit einer weiteren Person an einer Studie teil. Ihr seid in verschiedenen Räumen und lernt Euch nie persönlich kennen. Du und die andere Personen bekommen jeweils 10 EUR. Du musst Dich nun entscheiden, ob Du Dein Geld Deinem Spielpartner zukommen lassen willst. Wenn nicht, endet das Spiel und Ihr geht beide mit 10 EUR nach Hause. Wenn Du Deinem Partner das Geld zukommen lässt, legt der Spielleiter den vierfachen Betrag oben drauf und Dein Partner bekommt 50 EUR. Dieser hat nun wiederum die Chance, mit diesen 50 EUR zu gehen – oder sie mit Dir zu teilen.
Ersteres würde bedeuten, Du gehst absolut leer aus (Verlust 10 EUR), letzteres, dass Du mit 25 EUR statt 10 EUR nach Hause gehen kannst.
Wie würdest Du Dich entscheiden?
Würdest Du die 10 EUR nehmen oder das Risiko eingehen, und Deinem Partner das Geld zukommen lassen?
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Für wie wahrscheinlich hältst Du es, dass Dein Spielpartner mit den 50 EUR von dannen zieht, wenn Du ihm das Geld zukommen lässt?
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Die Studie hat gezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit hierfür nur bei 5% liegt! Tatsächlich haben 95% der Teilnehmer die 50 EUR mit ihrem Spielpartner geteilt.

Menschen, denen wie Vertrauen entgegenbringen reagieren also ihrerseits mit vertrauenswürdigem Verhalten.

Wie kann es uns also gelingen, zukünftig häufiger pro-aktiv Vertrauen zu schenken, um positive Erfahrungen zu machen — und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit zu minimieren, betrogen zu werden?

Die Lösung liegt darin, die Balance zu finden, den Sweet Spot, zwischen zu wenig Vertrauen (und damit einhergehend dem Verzicht auf positive Erfahrungen und wirkliche Bindung) und zu viel/blindem Vertrauen (was eine hohe Wahrscheinlichkeit mit sich bringt, negative Erfahrungen zu machen).

Diese Balance nennt man intelligentes Vertrauen.
Intelligentes Vertrauen bedeutet:

  1. Vom Herzen aus mit einer grundsätzlich vertrauensvollen Haltung an Menschen und Situationen heranzugehen,  dabei aber relevante Informationen und Fakten zu berücksichtigen und zu analysieren. D.h. das Herz mit dem Kopf auszubalancieren.
  2. Dich daran zu erinnern, dass Menschen in der Regel vertrauenswürdiger sind, als Du denkst!
  3. Aufs Eis gehen: bewusst Situationen wahrzunehmen und möglich zu machen, in denen Du pro-aktiv Vertrauen schenkst und Menschen die Chance gibst, vertrauenswürdig zu handeln. Du erschaffst so ein vertrauensvolles Umfeld, dass es wahrscheinlich macht, dass Du positive Erfahrungen machst – was wiederum Dein Vertrauen stärkt.
  4. Mach es Menschen leicht, Dir gegenüber vertrauenswürdig zu handeln – geh in Vorlage und sei sympathisch, empathisch, authentisch und gut.
  5. Entziehe Deiner natürlichen Tendenz zum Misstrauen das Futter, indem Du Dich weniger negativen Schlagzeilen aussetzt und stattdessen versuchst, ein Gleichgewicht in Deinen geistigen Input zu bekommen: Ziehe am Ende des Tages mal Bilanz, was alles positiv war und wo Menschen vertrauenswürdig gehandelt haben. Suche bewusst nach positiven Schlagzeilen (z.B. bei goodnews.eu)
  6. Führe Dir die Vorteile von pro-aktivem Vertrauen vor Augen: positive Erlebnisse, echte Verbundenheit und eine gute Investition in eine bessere Gesellschaft!
  7. Und wenn es doch schiefgegangen ist? Übe Dich im Verzeihen und im Perspektivenwechsel. Manchmal jammern wir auf hohem Niveau. Wahrscheinlich geht es Dir insgesamt trotz der schlechten Erfahrung materiell noch ziemlich gut im Vergleich zu anderen Menschen. Erinnere Dich an die vielen positiven vertrauensvollen Erlebnisse. Außerdem: ziehe die Person, die Dein Vertrauen missbraucht hat, zur Verantwortung, d.h. versuche, zu verstehen und daraus zu lernen und handle klar und konsequent – aber ohne „Rachegedanken“.

Vertrauen wird in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen – nicht nur in Bezug auf zwischenmenschliche Begegnungen, sondern auch in Bezug auf allgemeine Entwicklungen.

Je komplexer eine Situation ist, desto mehr intelligentes Vertrauen ist nötig, um handlungsfähig und glücklich zu bleiben.

Und an Komplexität mangelt es uns nun wahrlich nicht.

Aber Du schaffst das, ich vertrau Dir! 🙂

Sei gut zu Dir,

Deine Birgit

Quellen:
Steven M.R. Covey, „Smart Trust: Creating Prosperity, Energy, and Joy in a Low-Trust World“
Dr. Raj Raghunathan, „If you are so smart why aren’t you happy?“

Opfer oder Gestalter?

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Wo führt das alles noch hin?
Was macht es mit der Wirtschaft?
Wie viele werden wohl sterben?
Warum musste es soweit kommen?
Steckt da vielleicht mehr dahinter?
Hätte die Regierung mal lieber …
Man kann keinem mehr vertrauen!
Das ist eine Katastrophe!
Ich will gar nicht wissen, was da noch alles auf uns zukommt!

Kennst Du dieses Sätze?

Ich habe den Eindruck, sie in den vergangenen Tagen und Wochen besonders oft gehört zu haben. Vielleicht hast Du sie ja selbst auch so oder so ähnlich geäußert oder sie sind in Dir in den Kopf gekommen.

Was machen Sie mir Dir?
Wir fühlst Du Dich, wenn Du sie aussprichst oder hörst?
In welchen Zustand versetzen sie Dich?
Stärken oder schwächen sie Dich?

Die genannten Sätze fallen in der Regel, wenn wir uns in der Opferrolle sehen – ausgeliefert, machtlos, hilflos. Bei dem, was momentan in der Welt passiert mag diese Perspektive noch nahe liegender sein als sonst.
Aber auch in der momentanen Situation gibt es neben den Aspekten, die wir nicht beeinflussen können mindestens ebenso viele, die wir beeinflussen können.

Die Frage ist nur, worauf richtest Du Deine Energie?
Wer hat die Kontrolle über Deine Energie, Deine Haltung, Deine Einstellung?
Du selbst oder die äußeren Umstände?
Lässt Du Dich reinziehen in den „ach was ist das alles schlimm“ Strudel?
Oder blickst Du auf das, was Du tun kannst
– oder wie Theodore Roosevelt es formulierte:

„Tu, was Du kannst – mit dem, was Du hast – dort, wo Du bist.“

Der amerikanische Unternehmensberater Steven Covey formulierte die Wichtigkeit, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die wir beeinflussen können, bereits in seinem 2004 erschienenen Bestseller „7 Habits of Highly Effective People“. Darin spricht er von einer pro-aktiven Haltung im Gegensatz zu einer re-aktiven Haltung. Menschen mit einer pro-aktiven Haltung fokussieren sich auf Dinge, die in ihrer Macht stehen, Menschen mit einer reaktiven Haltung denen, die sie nicht beeinflussen können.

Menschen mit einer reaktiven Haltung:

  • haben einen Problemfokus
  • verschwenden Ihre Zeit in Diskussionen und Empörung über Umstände, über die sie keine Kontrolle haben
  • verlieren Ihre Energie in Aktivitäten außerhalb ihres Einflussbereichs
  • konzentrieren sich auf die Schwächen anderer
  • suchen Schuldige
  • vernachlässigen die Bereiche und Aktivitäten, auf die sie Einfluss haben
  • fühlen sich deshalb zunehmend als Opfer
  • sind deshalb erfüllt mit negativer Energie
  • schwächen sich dadurch selbst und
  • verengen so ihren Blick für ihren Einflussbereich immer mehr.

Am Ende kreieren sie so einen mentalen und emotionalen Teufelskreis. Im schlimmsten Fall ist das letzte, woran sie sich noch klammern die Suche nach der Bestätigung, Recht zu haben.

Menschen mit einer pro-aktiven Haltung hingegen:

  • sind lösungsorientiert
  • sehen Chancen und Möglichkeiten
  • investieren Ihre Zeit in Ideenfindung und Veränderung/Anpassung
  • fokussieren Ihre Energie auf Aktivitäten, die in ihrem Einflussbereich liegen und etwas bewirken
  • steigern damit Ihre Selbstwirksamkeit
  • sind deshalb erfüllt mit positiver Energie und Motivation
  • stärken sich damit und
  • erweitern so Ihren Einflussbereich und Ihre Handlungsoptionen

Auch hier entsteht ein Kreislauf – in diesem Fall aber ein „Motivationskreis“.

Ja, es wird immer Dinge geben, die wir nicht beeinflussen können – und im Moment scheint es davon gerade ein paar mehr zu geben. Das Prinzip bleibt aber das gleiche. Um wirkungsvoll handlungsfähig und in einer gesunden mentalen und emotionalen Balance zu bleiben, brauchen wir:

  • die Akzeptanz des Umstands, dass es Dinge gibt, die außerhalb unserer Macht liegen
  • einen klaren, vernünftigen Blick für und Fokus auf das, was in unserer Macht steht
  • die Motivation zu tun, was in unserer Macht steht

Wenn wir an uns selbst arbeiten und eine pro-aktive Haltung einnehmen und wahren, statt uns wegen der Umstände Sorgen zu machen, ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass wir auf Ideen kommen, die am Ende die Umstände ändern.

Hier noch ein kleines Beispiel aus meinem eigenen Leben.

2011 habe ich ein Buch über Tierhaltung und Fleischkonsum gelesen. Was ich dort las, hat mich sehr mitgenommen und ja, ich war empört und entsetzt wie so etwas sein kann. Meine erste Reaktion war also eine absolut reaktive – gepaart mit dem Gedanken „was kann ich schon dagegen tun“. Ich fühlte mich hilflos und schuldig.

Wäre ich in dieser Haltung geblieben hätte ich …

  • meiner Empörung Luft gemacht und jedem – ob er wollte oder nicht – erzählt, wie schlimm das alles ist
  • jeden, der Fleisch isst, verurteilt
  • damit begonnen, jeden, der Fleisch isst, zu belehren und zu bekehren
  • dadurch bei den Personen, die ich versucht hätte, zu beeinflussen, sicherlich eher eine feindliche Haltung hervorgerufen
  • wenig Offenheit für meine Ansichten erfahren
  • die Menschen deshalb für ignorant und schlecht gehalten
  • das Bild von Menschen, die sich vegetarisch ernähren, negativ beeinflusst

Stattdessen habe ich einfach für mich eine Entscheidung getroffen und begonnen, mich konsequent fleischlos zu ernähren und

  • neue Lebensmittel entdeckt
  • viel über Ernährung dazugelernt
  • auf Grillparties so leckere vegetarische Alternativen mitgebracht, dass auch die Fleischesser probieren wollten
  • im Restaurant oft neidische Blicke auf meine vegetarische Alternative bekommen und
  • so andere dazu bewegt, es auch mal „auszuprobieren“
  • jeden, der mich danach gefragt hat, sachlich die Gründe für meine Entscheidung mitgeteilt
  • mich nach Möglichkeiten erkundigt, entsprechende Organisationen zu unterstützen

Also, was auch immer Dir wichtig ist – fokussiere Dich auf das, was Du beeinflussen kannst und was Dir wichtig ist, komm ins Handeln und spende so Dir und anderen positive Energie. Davon können wir nie genug haben in der Welt.

Stay positive and pro-active!

Deine Birgit

Du weißt, was zu tun ist.

Foto: Pixabay

Lange habe ich überlegt, was für ein Thema wohl in der momentanen Situation als Blog Artikel angebracht wäre. Mit Blick auf die Medienlandschaft und Meldungen auf allen Kanälen ist mir sofort das Thema Angst in den Sinn gekommen.

Es ist absolut natürlich, dass wir Ängste haben – Angst an sich ist nichts Schlechtes, wie jede Emotion ist auch die Angst ein wichtiger Anzeiger. Ob sie hilfreich oder hemmend ist, hängt alleine davon ab, wie wir mit ihr umgehen. Nehmen wir sie an und als Hinweis, genau dort etwas näher hinzuschauen oder nimmt sie uns ein und lähmt uns?

Als ich mir die Frage gestellt habe, was uns eigentlich im Kern Angst macht, sind mir folgende Aspekte in den Sinn gekommen:

  1. Unsicherheit:  Wir erhalten wir die unterschiedlichsten – manchmal sogar widersprüchliche –  Informationen aus zahlreichen Quellen – von medizinischen Fakten über emotionale Posts bis hin zu Bildern, die uns nahe gehen aber rational betrachtet wenig aussagekräftig sind. Wem soll ich glauben? Welche Quelle ist verlässlich? Wie geht es weiter? Und wie soll ich mich verhalten?
  2. Unbeständigkeit: Wir haben es erlebt – die Situation kann sich von heute auf morgen ändern. Was gestern noch galt, ist morgen schon anders. Wie soll ich da planen? Womit soll ich rechnen? Auf welcher Basis soll ich entscheiden?
  3. Komplexität: Es gibt zahlreiche Faktoren, die eine Rolle spielen und den Lauf der Dinge und Entscheidungen auf allen Ebenen beeinflussen: medizinische, politische, wirtschaftliche, persönliche … von den meisten habe ich nur wenig Ahnung – und auf die meisten noch weniger Einfluss.

All diese Aspekte kratzen an zwei unserer ureigensten Bedürfnisse:

  1. Sicherheit: das Bedürfnis nach körperlicher und seelischer Unversehrtheit, gepaart mit dem Wunsch nach Verlässlichkeit und Berechenbarkeit.
  2. Dominanz: das Bedürfnis nach Selbstwirksamkeit, nach Gestaltung von Situationen und Kontrolle über das, was geschieht und erfolgreichem Handeln.

Und dann ist mir aufgefallen, dass ich diesen Phänomenen schon in anderem Zusammenhang begegnet bin – nämlich im beruflichen Kontext.

Seit geraumer Zeit sprechen wir in der Arbeitswelt von VUCA. Einer Welt, die charakterisiert wird durch Flüchtigkeit/Volatilität (Volatility), Unsicherheit (Uncertainity), Komplexität (Complexity) und Mehrdeutigkeit (Ambiguity).

Situationen ändern sich von heute auf morgen (Volatility), wie sie sich ändern und was kommen wird, ist oft ungewiss (Uncertainity) – auch, da zahlreiche Faktoren Einfluss nehmen, die entweder erst im Nachhinein bekannt werden oder deren Einfluss nicht einzuschätzen ist (Complexity) – was wiederum dazu führt, dass ein Lernen aus vergangenen Erfahrungen nur noch bedingt möglich ist, da diese unterschiedlich interpretiert werden können (Ambiguity).

Daraufhin habe ich mir die Frage gestellt, ob die Eigenschaften, Kompetenzen und Verhaltensweisen, die wir täglich brauchen, um uns in unserer „neuen Arbeitswelt“ gut zu bewegen, uns vielleicht auch in der momentanen Situation helfen können. Und ich denke: JA!

Das wiederum hat mich beruhigt. Denn es bedeutet, wir haben schon Übung! Jetzt geht es darum, Besonnenheit zu wahren und folgende Haltungen zu kultivieren:

  1. Annehmen, was ist und offen sein für Veränderungen: Kinners, es hilft ja nix. Es ist wie es ist – und wenn wir klagen, wie schlimm alles ist, trauern, dass alles besser war und fürchten, was alles sein wird, vergeben wir wertvolle Energie, die wir an anderer Stelle gut und besser brauchen könnten. Annehmen, was ist lässt uns Volatilität besser begegnen.
  2. Neugier und Lern- und Entwicklungsfähigkeit: „Wo die Angst ist, da geht es lang.“  – Situationen und Emotionen wahrzunehmen und anzunehmen, ist der erste Schritt. Nur was man als gegeben zugrunde legt, kann geändert werden. Der zweite Schritt ist, einen Realitätscheck zu machen, d.h. sachlich auf die Situation zu blicken. Was genau macht mir Angst? Ist es realistisch? Was ist dran an all den Meldungen und an meinen Vermutungen? Was bleibt nach Abzug alles Spekulationen und Annahmen noch übrig? Was sagen die Fakten? Neugier und Entwicklungsfähigkeit hilft uns im Umgang mit Unsicherheit.
  3. Fokus setzen: Was ist mein Ziel? Worum geht es? Was muss ich dafür tatsächlich wissen? Was ist relevant für meinen Alltag? Wo bekommen ich diese Informationen her? Wenn wir jeden Tag einfach nur alles an Informationen und Meldungen passiv auf uns Einprasseln lassen ist das so, als wenn wir den ganzen Tag die Tür zu unserer Wohnung auflassen und jeder, der will, kann reinkommen und sich bedienen. Fokus setzen hilft uns, Komplexität besser zu meistern.
  4. Selbstverantwortung: Komm‘ ins Tun und schmiede einen Plan. Was kannst Du selbst beeinflussen? Was kannst Du konkret machen, um Deine Situation zu gestalten? Einen Plan schmieden und danach Handeln hilft im Umgang mit Unbeständigkeit.
  5. Sich gegenseitig unterstützen: Evolution ist Kooperation. Ebenso wie in der agilen Arbeitswelt finden wir auch in anderen Bereichen des Lebens Miteinander die besten Lösungen. Wir sollten uns also fragen: Welchen Einfluss hat mein Handeln auf andere? Wie kann ich so kooperieren, dass es zum Wohl aller ist? Was kann ich zur Lösung beitragen?

Möge es uns gelingen, diese Eigenschaften täglich zu trainieren, um inmitten des Sturms für uns und andere der Leuchtturm zu sein!

Herzlichst,

Birgit

Fählerkultur

Foto: Pixabay

„Fehler sind Lernchancen“
„Ich verliere nicht, ich gewinne oder ich lerne.“ – Nelson Mandela
„Aus Fehlern wird man klug, darum ist einer nicht genug.“ – Wilhelm Busch

Blablabla.
Die Liste ließe sich unendlich weiterführen. Zum Thema Fehler gibt es viele schlaue Sprüche.
Aber jetzt mal Butter bei die Fische: wie geht es Dir mit Fehlern? Mit Deinen eigenen und den Fehlern der anderen?
Wenn Du so richtig was verbockt hast, denkst Du sofort: „Super, macht mich klüger?“

Wenn ja, Glückwunsch!
Wenn nein – Du bist nicht alleine.
Sich über Fehler zu ärgern, ist normal – allerdings sollte unsere emotionale Reaktion nicht die Hauptrolle bekommen und so der im Fehler versteckten Lernchance im Weg stehen.

Was kannst Du also tun, um eine gesunde Fählerkultur zu entwickeln?

  1. Tun – „Tun“ ist schon mal ein gutes Stichwort. Komme ins Tun! Das ist der erste Schritt. Manch einer ist so darum bemüht, sich nach allen Seiten abzusichern, alles Mögliche in Betracht zu ziehen, um bloß keine Fehler zu machen – dass er am Ende tatsächlich keine macht – weil er nämlich gar nix macht. Das ist dann so eine Art „Fehlervermeidungslähmung“. Nicht sehr hilfreich.
  2. Hinter die Kulissen schauen: Fehler gehören zum Leben – ohne Fehler gäbe es keine Evolution! Was wir von „Erfolgsmenschen“ gezeigt bekommen, ist das glänzende Ergebnis – einer oft nicht so schillernden Reise. Die meisten erfolgreichen Menschen sind mehrfach gescheitert und haben Fehler gemacht. Wenn es jemanden gibt, den Du bewunderst, lies mal seine/ihre Biographie und staune.
  3. Fehler-Erkenntnis zulassen (innerlich) – Wenn wir bisher keine gute Fehlerkultur hatten, kann es sein, dass wir eine gewisse Blindheit gegenüber unseren Fehlern entwickelt haben (verdrängen, vergessen, filtern, herunterspielen). Manchmal geschieht das auch aufgrund von mangelndem Selbstwertgefühl. Wir können das Bewusstsein hierfür wieder stärken, indem wir z.B. am Abend den Tag revuepassieren lassen und notieren, falls wir was verbockt haben. Bitte nicht falsch verstehen: es geht nicht darum, unbedingt was zu finden, was Du falsch gemacht hast oder Dich dafür zu geißeln – sondern einfach innerlich die sachliche Feststellung zuzulassen, dass Du etwas falsch gemacht hast (falls es was gab). Mach Deinen Frieden damit. Dazu kann es auch hilfreich sein, Deine mit dem Fehler verbundenen Emotionen nicht zu unterdrücken, sondern sie im geschützten Raum zuzulassen und anzunehmen – ohne sie gegen Dich oder andere zu richten. Das simple Benennen des mit dem Fehler verbundenen Gefühls reicht oft schon aus („Ich ärgere mich“, „Ich bin wütend.“).
  4. Fehler zugeben (äußerlich) – Übernimm auch im Außen Verantwortung und stehe dazu, wenn Du etwas falsch gemacht hast. Keine Rechtfertigungen, keine Schuldzuweisungen, kein Schönreden oder Bagatellisieren.
  5. Fehler feiern – Hast Du schon mal über Deine Fehler gelacht? Das wird Dir immer leichter fallen, wenn Du insgesamt einen leichteren (nicht leichtfertigeren) Umgang mit Deinen Fehlern entwickelst. Sprich mit Freunden drüber, teile die Erfahrung – und hilf damit auch anderen, einen leichteren Umgang mit Fehlern zu bekommen.
  6. Fehler nutzen – Nimm Dir die Zeit und schau mal drauf – was ist passiert und warum? In der Regel gibt es die unterschiedlichsten Gründe, warum uns Fehler passieren:
    • Unkenntnis – was solltest Du noch lernen?
    • Mangelndes Vertrauen – wie kannst Du es stärken?
    • Angst vor den Konsequenzen – real oder selbstgemacht? Wie kann sie reduziert werden?
    • Unachtsamkeit – wie kannst Du mehr Fokus gewinnen?
    • Fehlende Motivation – warum warst Du nicht motiviert?

Die Härte, die wir anderen gegenüber bei Fehlern an den Tag legen spiegelt übrigens oft die Härte wider, die wir uns selbst entgegenbringen. „Ich muss immer alles richtig machen und der/die …“
So schaffen wir einen Teufelskreis: der Druck, den wir so (auf andere) ausüben, erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit.

Beginne, milder zu werden.

Hier noch ein schönes Video von einem sehr erfolgreichen Menschen – der ohne kontinuerliches Scheitern der Welt nie so viel hätte bescheren können:

Das größte Genie der Neuzeit? Wer war eigentlich…? | Galileo | ProSieben

Nimm’s spielerisch und weise!

Deine Birgit

PS: noch vorhandene Tippfehler in diesem Text sind (keine) Absicht 😉

Verzeihung?

Foto: Kranich17, Pixabay

Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken, sagt Ghandi.
Verzeihen ist wichtig für unsere Gesundheit, sagen Psychologen.
Verzeihen ist nicht so einfach, denkst Du Dir jetzt vielleicht.

Wie leicht es uns fällt, zu vergeben oder zu verzeihen, hängt sicherlich davon ab, wie stark die Verletzung ist, die wir in uns spüren. Ebenso, ob wir es alleine schaffen, unseren Groll loszulassen oder uns lieber Unterstützung suchen sollten. Sicherlich gibt es auch in Deinem Leben Ereignisse oder Situationen, an denen Du noch immer „knabberst“ oder Menschen, denen Du noch immer mit Vorbehalt oder negativen Gefühlen begegnest, weil ihr Verhalten eine Verletzung in Dir hervorgerufen hat.

Warum wird Verzeihen überhaupt nötig?

Im Prinzip gibt es drei klassische Situationen, die dazu führen können, dass wir uns verletzt fühlen:

  1. Wir sind enttäuscht, weil der andere unsere Erwartungen nicht erfüllt hat. Besonders kniffelig ist dieser Fall, wenn der andere gar nichts von unseren Erwartungen wusste – oder sie uns selbst erst bewusst werden, wenn wir uns schlecht fühlen.
  2. Wir sind verletzt, weil der andere unbewusst einen „Hot Button“ in uns aktiviert hat, ein Thema, bei dem wir aufgrund unserer Erfahrungen vielleicht empfindlicher reagieren als andere oder mit dem wir selber noch nicht unseren Frieden geschlossen haben. Manchmal wird uns auch das erst in der entsprechenden Situation bewusst.
  3. Unser Gegenüber hat wissentlich so gehandelt, dass er uns verletzt hat.

Warum fällt verzeihen schwer?

Und da tragen wir sie dann mit uns rum, diese schmerzlichen Gefühle, den Groll, den Ärger, die Enttäuschung, die Empörung, ja vielleicht sogar die Wut. Wie Steinchen, die ständig im Schuh drücken. An manchen Tagen mehr, an anderen weniger – je nachdem, wie es gerade „läuft“. Warum ziehen wir den Schuh nicht einfach aus und lassen die Steinchen am Wegesrand liegen?
Vielleicht, weil wir insgeheim mit dem Groll einen emotionalen Ausgleich schaffen wollen? Unser Ärger „Vergeltung“ sein soll für die schlechten Gefühle, für die wir den anderen verantwortlich machen?
Und wir dann am Ende vielleicht darauf hoffen, dass er oder sie endlich „Einsicht zeigt“?
Vielleicht haben wir aber auch einfach Angst, dass uns dasselbe nochmal passiert und möchten das Steinchen deshalb als „Mahnmal“ behalten?

Warum es wichtig ist, zu verzeihen

Das Verrückte dabei ist: eigentlich hat unser Geist einen cleveren Mechanismus. Im Rückblick wirken die meisten negativen Ereignisse weniger schlimm – je länger sie her sind (Traumata ausgenommen). Wenn wir nun diese Ereignisse aber nicht in der Vergangenheit zurücklassen sondern durch unseren Groll immer und immer wieder in der Gegenwart durchleben, geben wir unserem System keine Ruhe, das ganze zu verarbeiten und abklingen zu lassen. Das ist wie eine heilende Wunde immer wieder aufzukratzen.

Nicht vergeben können, heißt zudem, ständig in der Vergangenheit zu leben und verhindert, die Gegenwart zu genießen und sich auf die Zukunft zu freuen.
Das zieht oftmals nicht nur magisch genau das an, was wir mit unserem Groll vermeiden wollten, die negativen Gedanken schaden auch unserer seelischen und körperlichen Gesundheit. Erschöpfungszustände, Schlafstörungen, Anspannung, Bluthochdruck oder Kopf- und Magenschmerzen können die Folge sein.

Am Ende schadet es also vor allem uns selbst, wenn es uns nicht gelingt, zu verzeihen.
Grund genug, loszulassen, was ohnehin nicht mehr zu ändern ist.

Was Verzeihen eigentlich ist – und nicht ist

Manchmal fällt es uns auch schwer, weil wir Verzeihen falsch verstehen. Wenn wir verzeihen, sagen wir damit nicht, dass wir gut finden, was der andere gemacht hat. Verzeihen bedeutet, Frieden zu schließen mit dem, was Geschehen ist – und es mit allen damit verbundenen Konsequenzen anzunehmen. So wird die bisher durch die negativen Emotionen und Gedanken gebundene Kraft wieder freigesetzt und wir können nach vorne schauen.
Und das Wichtigste: Verzeihen heißt, die Verantwortung für unser eigenes Wohlbefinden wieder zu uns zurück zu holen.

4 Schritte, die helfen

Der US-amerikanische Psychologe Robert Enright, Gründer des „International Forgiveness Institute„, hat ein Modell entwickelt, das uns dabei helfen kann, zu verzeihen und inneren Frieden zu finden. Es besteht aus insgesamt 20 Schritten, die sich in folgende vier Phasen gliedern lassen.

  1. Bewusst durchleben, Gefühle zulassen – werde Dir bewusst, welche Situation Dir zu schaffen macht, lasse Deine Gefühle zu und beginne, sie anzunehmen und zu verstehen. Belasse die Verantwortung für Deine Gefühle bei Dir.
  2. Entschluss, zu vergeben – Mach Dir bewusst, welche Vorteile es mit sich bringt, zu verzeihen und mit der Situation abzuschließen. Treffe dann bewusst die Entscheidung, zu verzeihen – und stehe dazu.
  3. Verständnis – Blicke aus der Sicht der Person, die Dich verletzt hat, auf die Situation. Versuche, Dich in sie hineinzuversetzen, ihr Handeln zu verstehen – ohne es zu entschuldigen. Akzeptiere den damit verbundenen Schmerz. Lasse der Person etwas Gutes zukommen – z.B. einen guten Gedanken. Spüre, wie dadurch ungünstige Impulse wie Angriff oder Rückzug langsam nachlassen.
  4. Akzeptanz – Schließe Frieden, mit dem Geschehenen. D.h. nicht, dass Du es gut findest oder vergisst. Komm zurück zu Dir. Mach Dir bewusst, dass Du nicht alleine bist und besinne Dich auf Deine Lebenszielen und Deine Wünsche. Spüre, wie die wohltuende Wirkung des Loslassens einsetzt und wie gut es tut, schmerzliche Gefühle durch Mitgefühl, Großzügigkeit und Wohlwollen zu ersetzen.

Und übrigens: manchmal geht es auch darum, dass wir uns selbst verzeihen!

Sei großzügig und stark!

Deine Birgit