Bereichernde Beziehungen

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Du bist der Durchschnitt der fünf Personen, mit denen Du am meisten Zeit verbringst – Jim Rohn

Persönliche Verbindungen und Begegnungen sind wichtiger denn je. Die Bedingungen und Ereignisse der letzten Monate haben dazu geführt, dass persönliche Begegnungen durch virtuelle ersetzt wurden. Hier und da mag das hilfreich und gut gewesen sein – und oftmals war es die einzige Möglichkeit, überhaupt in Kontakt zu bleiben. Auf lange Sicht aber kann nichts die Resonanz ersetzen, die entsteht, wenn sich Menschen persönlich gegenüber stehen. Und es ist diese Resonanz, das Zugehörigkeitsgefühl, es sind unsere Beziehungen, die uns tragen – auch und gerade in schweren Zeiten.

Zeit also, sie wieder mehr in den Fokus zu nehmen, wieder aufeinander zuzugehen. Auch ein guter Zeitpunkt, um einmal zu überlegen, wen wir vermisst haben – und wen wir vielleicht gerne für immer aus unserem Leben verabschieden möchten.

Wer sind die 5 Personen, mit denen Du die meiste Zeit verbringst?
Und wie fühlst Du Dich nach Begegnungen mit diesen Menschen? Inspiriert? Unterstützt? Herausgefordert?
Oder eher ausgelaugt, angespannt, leer?

Wer sind die Menschen, die Dich aufbauen und inspirieren?
Wie kannst Du mehr Zeit mit diesen Menschen verbringen, vielleicht die Verbindung wieder herstellen?

Beziehungen sind die einflussreichste Kraft in unserem Leben.

Der regelmäßige Austausch mit uns nahe stehenden Menschen mildert Stress. Sozialer Rückhalt ist nachweislich eine der besten Coping Strategien.
Und besonders in Bezug auf unsere persönliche Weiterentwicklung können wir die Tatsache, dass uns unser Umfeld prägt, für uns nutzen. Wovon möchtest Du mehr in Deinem Leben? Welche Eigenschaften und Werte möchtest Du weiterentwickeln?
Wofür bewunderst Du andere Menschen? Und wie viel Zeit verbringst Du mit Menschen, die diese Eigenschaften bereits verinnerlicht haben?

Die meisten Ängste werden durch Unsicherheit und das Unbekannte verursacht.

Hier heißt es unter Umständen auch, einen großen Schritt aus Deiner Komfortzone zu machen. Denn zum einen fällt es uns – gerade weil wir Verbindungen zu Menschen brauchen – manchmal schwer, nicht förderliche Beziehungen zu beenden oder auf ein Minimum zu reduzieren.
Zum anderen kann es sich ungewohnt und unbequem anfühlen, auf Menschen zu zugehen, die wir noch nicht kennen oder die manches anders betrachten als wir. Denn das Unbekannte verursacht Unsicherheit und manchmal sogar Ängste. Sicher ist es einfacher, sich mit dem Bekannten zu umgeben – und die Nähe von Menschen zu suchen, die uns in dem bestätigen, was wir schon sind und tun. Aber wenn wir uns weiterentwickeln wollen, braucht es keinen Zuspruch und Bestätigung für das was wir schon sind sondern Herausforderung und Anreiz für das, was wir sein wollen. Wenn es sich also komisch anfühlt, heiße die Unsicherheit mit offenen Armen willkommen – denn Sie ist Dein Anzeiger dafür, dass Du auf dem richtigen Weg bist.

Nimm Dir doch heute mal ein paar Minuten Zeit, um darüber nachzudenken, welche Qualität Deine Beziehungen haben – und was Du verändern könntest, um mit und in ihnen zukünftig (noch mehr) zu erblühen.

Manchmal muss man zur persönlichen Weiterentwicklung und Verbesserung des eigenen Wohlbefindens nicht sich selbst ändern – sondern einfach nur das Umfeld.

Herzlichst,

Deine Birgit

Hätte-ich-Mals

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Gestern hatte ich ein Gespräch mit einer Freundin, das mich an die „Hätte-ich-Mals“ erinnert hat. Ich habe mal gelesen – und meine Frisörin, die ehrenamtlich im Hospiz arbeitet, bestätigt das – daß wird Menschen am Ende unseres Lebens nicht das bereuen, was wir getan haben – sondern das, was wir nicht getan haben.

Ich nenne das die „Hätte-ich-Mals“.

Vielleicht findest Du es ja krass, dass ich hier vom Ende des Lebens schreibe? Aber mal ehrlich, ist es nicht viel krasser, dass wir irgendwie davon ausgehen, wir haben ewig Zeit? – Oder zumindest in unseren Breitengraden irgendwie relativ erfolgreich verdrängen, dass wir es eben nicht haben? Uns stattdessen ablenken, wie Getriebene tagtäglich den „ich- solltes“ hinterher rennen und für das, was uns wichtig ist, keine Zeit haben.

Bei so mancher Entscheidung, in der ich lange mit mir gerungen habe, hat mir der Gedanke „wäre das was, was Du am Ende bereuen würdest, wenn Du es (nicht) getan hättest?“ relativ schnell und klare Signale gesendet, was die für mich richtige Entscheidung ist. Ich möchte  diesen Planeten mit  möglichst wenigen „Hätte-ich-Mals“ verlassen.

Obacht, kleiner Haken bei der Sache: es geht nicht darum, was „man gemacht haben sollte“ oder die Welt Dir erzählt, das richtig und falsch ist – es geht einzig und alleine um Deinen eigenen, inneren Kompass.

Hätte-Mals gibt es für mich in drei Kategorien:

Hätte-ich-Mals in Bezug auf Erlebnisse
Gibt es etwas, dass Du schon immer mal ausprobieren wolltest?
Oder einen Ort, den Du unbedingt noch gesehen haben willst?

Hätte-ich-Mals in Bezug auf Job und Karriere
Hierzu zählt zum Beispiel … „hätte ich doch noch die Fortbildung gemacht“
Hätte ich doch bloß den Sprung in die Selbständigkeit gewagt …
Hätte ich mir einen anderen Job gesucht …
Hätte ich mal meine Arbeitszeit reduziert…
Hätte ich mich doch bloß an das Projekt gewagt…

Hätte-ich-Mals in Bezug auf Beziehungen
Hätte ich mal angerufen, um die Situation zu klären.
Hätte ich  doch nur verziehen.
Wäre ich nur nicht zu stolz gewesen, um …
Hätte ich mich mal mehr Zeit in die Beziehung zu x/y/z investiert.
Hätte ich mal die Initiative ergriffen …

Gründe für Hätte-ich-Mals, also dafür, dass wir Dinge nicht tun, obwohl wir sie EIGENTLICH wollen, gibt es vielfältige – Stolz, Peinlichkeit, beleidigt sein, Ängste, Rechthaben wollen, Vermutungen, Interpretationen, Vorurteile … zusammenfassen lassen sich die meisten unter: EGO.

Unser Ego bewirkt,

  • dass es uns schwer fällt, über unseren Schatten zu springen („Dafür bin ich zu alt, das ist doch dann peinlich …“)
  • dass wir so gerne rechtbehalten wollen – manchmal sogar mit Vermutungen, die nicht mal überprüft worden sind! („Wenn man selbstständig ist, arbeitet man ja selbst und ständig und hat immer Angst, dass das Geld nicht reicht.“ / „Wahrscheinlich will er/sie mich eh nicht sehen – so lange, wie er/sie sich jetzt nicht mehr gemeldet hat …) (Auch Informationen aus dritter Hand sind übrigens Vermutungen.)
  • dass uns „das Prinzip“ wichtiger ist als die Sache („Nee, er/sie hat den Streit doch angefangen, warum soll ich auf ihn/sie zugehen?“)

Ja, unser Ego ist wichtig, denn es hat auch eine schützende Funktion und hilft uns dabei, Grenzen zu ziehen. Wenn es sich aber zu wichtig nimmt und uns dadurch weiter von dem entfernt, was uns am Herzen liegt, dann ist es Zeit, es mal zu parken.

Woran Du „hätte-ich-Mals“ erkennst?

Sie kommen immer wieder hoch – weil Du irgendwie noch nicht Deinen Frieden damit gemacht hast. Irgendetwas triggert Dich immer wieder. Wenn Du z.B. Deinen Frieden damit gemacht hast, dass die Verbindung zu einer bestimmten Person nicht mehr besteht, dann ist da kein Bedauern oder Ärger mehr darüber.

Welche „hätte-ich-mals“ gibt es in Deinem Leben?

Was ist Dir wirklich wirklich wichtig?

Welches Hätte-ich-Mal könntest Du kommende Woche in ein „mach-ich-jetzt“ verwandeln?

Was möchtest Du klären, ausprobieren, entscheiden um mehr inneren Frieden zu erlangen?

Seize the day und sei gut zu Dir!

Birgit

RAK-eten der Freude

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Psychologen sind sich einig, Studien haben es belegt: Freundlichkeit und der Wunsch, zu helfen, sind fest in unserer Natur verankert.

So zeigte eine Studie der Universität Washington, dass altruistisches, d.h. selbstloses und hiflsbereites Handeln bereits im Alter von anderthalb Jahren ausgeprägt ist. In einem Experiment halfen Kinder, die zum Zeitpunkt des Experiments selbst hungrig waren, einer erwachsenen Person dabei, ein runtergefallenes Stück Obst wieder zu bekommen. Dabei handelten sie spontan – und zeigten auch in wiederholten Versuchen dasselbe Verhalten. Daraus schlossen die Forscher, dass Hilfsbereitschaft nicht antrainiert oder erlernt werden muss.

Ja, aber wann geht sie denn dann verloren? Magst Du Dich an so manchem Tag fragen, an dem irgenwie jeder nur an sich zu denken scheint.

Dafür mag es für jeden für uns sicherlich ganz unterschiedliche Erklärungen geben. Eine recht allgemeingültige ist meiner Meinung nach, dass wir besonders unter Stress erstmal ans „eigene Überleben“ denken.

Vielleicht geht es Dir ja manchmal – oder gerade jetzt – genauso?
Dann kommt hier jetzt ein verrückter Tipp:
Durchbreche den Kreis, indem Du damit anfängst.

Das Schöne daran: anderen Gutes zu tun (ohne etwas zu erwarten), macht selbst glücklicher und zufriedener. Das liegt daran, dass großzügiges Verhalten ein Hirnareal aktiviert, das eng mit unserem Belohnungszentrum verknüpft ist. Ausserdem verändert es unser Selbstbild – wir nehmen uns als eine Person wahr, die fähig, kompetent und in der Lage dazu ist, anderen zu helfen. Das hebt den Selbstwert und steigert die Gelassenheit.

UND
Mir hilft es z.B. oft dabei, aus meinem „wie schlecht es mir geht Drama“ zu kommen, wenn ich den Fokus mal von meinen auf die Bedürfnisse der Menschen in meinem Umfeld lenke und mir kleine Gesten der Freundlichkeit oder Großzügigkeit überlege.

Wichtig dabei ist aber eine altruistische Haltung.
Nicht altruistisch ist es, zu denken „jetzt habe ich xy für Person A gemacht, aber da kommt ja nie was zurück.“ In diesem Fall knüpfen wir eine Bedingung – oder zumindest eine nicht geäußerte Erwartungshaltung – an unsere Großzügigkeit. Nicht wirklich selbstlos.

Zwei Aspekte helfen Dir dabei, diese Denke zu umgehen oder zu minimieren:

  1. Tue jemandem etwas Gutes, den Du nicht kennst – so dass die Person „keine Chance auf eine Revanche“ hat
  2. Tue jemandem ANONYM etwas Gutes – also so, dass die erfreute Person nicht nachvollziehen kann, von dem die Zuwendung kam. (Cool ist es, wenn Du trotzdem einen Weg findest, die Reaktion mitzuerleben – z.B. durch Beobachten aus der Ferne – aber ohne Auftauchen, Eingreifen, Nachfragen!)

Probier es dochmal aus und lasse RAK-eten starten. RAK steht für „Random Acts of Kindness“ und bedeutet: kleine Gesten der Freundlichkeit.

Jeder kann mit kleinen Gesten der Großzügigkeit dazu beitragen, dass es im Großen mehr Freude gibt. Und da Freude ansteckend ist, haben die Gesten meist nicht nur positiven Einfluß auf die Personen, denen sie zugute kommen, sondern auch auf andere Menschen, die den „beglückten“ Personen begegnen.

Hier ein paar Ideen für solche kleine Gesten:

  1. Lächle eine fremde Person auf der Straße an – am besten eine, die es zu brauchen scheint
  2. Miste Deinen Kleiderschrank aus und spende die Kleidung – bring sie am besten persönlich zur Abgabestelle
  3. Lasse ein ausgelesenes Buch mit der Nachricht: „Geschenk an den Finder, viel Spaß beim Lesen“ im Zug zurück
  4. Kaufe beim Bäcker für Dich und für die Person nach Dir in der Reihe ein
  5. Schreibe jemandem eine „Danke“ Karte
  6. Schenke dem Postboten eine kleine Süßigkeit
  7. Mache ehrliche Komplimente – Menschen, die Du nicht kennst!
  8. Kaufe ein Ticket für öffentliche Verkehrsmittel und lasse es im Automaten liegen
  9. Kaufe einen Lottoschein und hefte ihn unter die Scheibenwischer eines besonders klapprigen Autos
  10. Kaufe ein paar Tafeln gute Schokolade und stecke sie in die Briefkästen der Nachbarschaft
  11. Schreibe eine positive Bewertung über ein Lokal oder eine Bar, die Dir gefallen hat
  12. Spende einem Tierheim altes Bettzeug und alte Handtücher

Sicher hast Du noch viel mehr schöne Ideen!
Unter dem Hashtag #randomactsofkindness kannst Du Dich ebenfalls inspirieren lassen und andere inspirieren.

Wie wäre es, wenn Du wöchentlich einen RAK-eten Tag einlegst?
Einen Tag, an dem Du ganz bewusst etwas Gutes tust?

Pass it on!

Herzlichst,

Deine Birgit

PS: und vergiss nicht, Dich selbst in den Kreis der Personen mit aufzunehmen, denen Du regelmäßig etwas Gutes tust 🙂

Digital Detox

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Ich gebe es zu: irgendwie bin ich immer mal wieder Social Media müde. Das kommt meistens zu Zeiten, an denen ich aufgrund meiner Auftragslage ziemlich viel vor Bildschirmen aller Art sitze.

Eigentlich nicht so mein Ding.
Brauche eine Weile, „meinen Geist zu zähmen“ und auf eine Aufgabe einzustimmen – und dann habe ich nicht lange Sitzfleisch. Am liebsten bin ich draußen, in Bewegung, mit Menschen in der Natur oder in Veranstaltungsräumen – und setze um, was ich geplant habe. Seit ca. zwei Jahren spielt sich nun aber auch 80% der Umsetzung ebenfalls vor dem Bildschirm ab. Für diese Möglichkeit bin ich einerseits sehr dankbar – schließlich kann ich so weiterhin Training und Coachings geben – und das sogar ortsunabhängig!
Allerdings merke ich eben, wie dann in regelmäßigen Abständen ein Bildschirmüberdruss einsetzt. Alles spielt sich vor Bildschirmen ab – Laptop, Handy, Tablet, Fernseher… Sie sind To Do Liste, Werbeplattform, Verbindung zu Freunden, Rechner, Kamera, Wecker, Nachrichtenquelle, Buch, Radio … Eine Stunde mal nicht drauf geschaut – 45 Nachrichten in allen möglichen Kanälen schreien nach Aufmerksamkeit!

Glaubt man aktuellen Studien, geht es mir nicht alleine so:

Laut einer Forsa Studie greifen die Deutschen im Durchschnitt zwischen 60 und 100 mal pro Tag zum Smartphone und sind fast dreieinhalb Stunden am Bildschirm aktiv. Hinzu kommt statistisch gesehen dieselbe Nutzungsdauer an Laptop, PC oder Tablet plus weitere vier Stunden am Fernseher. Insgesamt sind das gute elf Stunden pro Tag! Tendenz steigend.

Und abgesehen von der kontinuierlichen Berieselung und somit „Ablenkung vom Hier und Jetzt“ hat das auch noch andere Auswirkungen. Zum einen sind  die Meldungen und Meinungen und Nachrichten sehr nervenaufreibend und emotional beanspruchend. Zum anderen haben wir scheinbar keine Zeit mehr für ausgleichende Aktivitäten – raus in die Natur, spazieren gehen, ein Nickerchen, Sport machen …

Kurz habe ich gezuckt – kann ich mir das leisten? Eine Woche sehr reduziert posten und kommentieren? Schließlich ist Social Media für den Selbständigen ja wichtig für Marketing und Sichtbarkeit.
Aber die Entscheidung war schnell gefällt: JA!

Pause und Abstand sollte man sich immer leisten – ansonsten sind wir ja nur noch Getriebene !

Besser nix machen als unmotiviert irgendwas zu kommentieren und sich wie ein „Digitaler Zombie“ durch die Feeds und Threads zu scrollen.

So denn – was soll ich sagen – es hat sehr gut getan!

Ich war wesentlich produktiver und freue mich schon auf meine Kommenden Posts ab nächster Woche.

Vielleicht magst Du Dir ja auch mal eine Digitale Auszeit gönnen oder Dein „Informationsmanagement“ überprüfen?

Hier ein paar Tipps:

  • Realitätscheck: Wie lange sitzt Du am Tag vor Bildschirmen? Wie oft greifst Du zum Handy? Mittlerweile gibt es Apps, die Deine Bildschirmzeit am Handy messen – probier die mal aus, um einen Startpunkt zu haben.
  • Quellen-Check: Aus welchen Quellen ziehst Du Dir Deine Informationen? (Nachrichten etc.) Wie oft am Tag? Wie geht es Dir damit emotional? Was könntest Du ändern, damit es Dir besser geht?
  • Social Media Zeiten einrichten: Wann schaust Du in Deine Feeds und Threads in Social Media? Immer wieder zwischendrin und bleibst dann länger hängen als geplant? Überlege Dir, feste Zeiten am Tag hierfür einzurichten – z.B. 1x vormittags, 1x nachmittags, 1x abends.
  • Offline-Zeiten einrichten: Gönne Dir (und Deinen Geräten ;-)) offline Zeiten – z.B. zwischen 22 und 8 Uhr. Setze Dir selber offline Regeln, z.B. das Handy nicht neben das Bett zu legen und morgens nach dem Aufwachen dem Geist erst „inputfreie“ Zeit zu gönnen, bevor Du zum Gerät greifst.
  • Kompletter Detox: vielleicht traust Du Dich ja sogar, einen Tag pro Woche oder eine längere Zeit komplett offline zu gehen? Gib Deinen Kontakten vorher Bescheid, damit sie sich keine Sorgen machen und dann – geniesse die Ruhe und die wiedergewonnene Zeit!

Und jetzt: abschalten, rausgehen, Natur geniessen!

Deine Birgit

Fählerkultur

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„Fehler sind Lernchancen“
„Ich verliere nicht, ich gewinne oder ich lerne.“ – Nelson Mandela
„Aus Fehlern wird man klug, darum ist einer nicht genug.“ – Wilhelm Busch

Blablabla.
Die Liste ließe sich unendlich weiterführen. Zum Thema Fehler gibt es viele schlaue Sprüche.
Aber jetzt mal Butter bei die Fische: wie geht es Dir mit Fehlern? Mit Deinen eigenen und den Fehlern der anderen?
Wenn Du so richtig was verbockt hast, denkst Du sofort: „Super, macht mich klüger?“

Wenn ja, Glückwunsch!
Wenn nein – Du bist nicht alleine.
Sich über Fehler zu ärgern, ist normal – allerdings sollte unsere emotionale Reaktion nicht die Hauptrolle bekommen und so der im Fehler versteckten Lernchance im Weg stehen.

Was kannst Du also tun, um eine gesunde Fählerkultur zu entwickeln?

  1. Tun – „Tun“ ist schon mal ein gutes Stichwort. Komme ins Tun! Das ist der erste Schritt. Manch einer ist so darum bemüht, sich nach allen Seiten abzusichern, alles Mögliche in Betracht zu ziehen, um bloß keine Fehler zu machen – dass er am Ende tatsächlich keine macht – weil er nämlich gar nix macht. Das ist dann so eine Art „Fehlervermeidungslähmung“. Nicht sehr hilfreich.
  2. Hinter die Kulissen schauen: Fehler gehören zum Leben – ohne Fehler gäbe es keine Evolution! Was wir von „Erfolgsmenschen“ gezeigt bekommen, ist das glänzende Ergebnis – einer oft nicht so schillernden Reise. Die meisten erfolgreichen Menschen sind mehrfach gescheitert und haben Fehler gemacht. Wenn es jemanden gibt, den Du bewunderst, lies mal seine/ihre Biographie und staune.
  3. Fehler-Erkenntnis zulassen (innerlich) – Wenn wir bisher keine gute Fehlerkultur hatten, kann es sein, dass wir eine gewisse Blindheit gegenüber unseren Fehlern entwickelt haben (verdrängen, vergessen, filtern, herunterspielen). Manchmal geschieht das auch aufgrund von mangelndem Selbstwertgefühl. Wir können das Bewusstsein hierfür wieder stärken, indem wir z.B. am Abend den Tag revuepassieren lassen und notieren, falls wir was verbockt haben. Bitte nicht falsch verstehen: es geht nicht darum, unbedingt was zu finden, was Du falsch gemacht hast oder Dich dafür zu geißeln – sondern einfach innerlich die sachliche Feststellung zuzulassen, dass Du etwas falsch gemacht hast (falls es was gab). Mach Deinen Frieden damit. Dazu kann es auch hilfreich sein, Deine mit dem Fehler verbundenen Emotionen nicht zu unterdrücken, sondern sie im geschützten Raum zuzulassen und anzunehmen – ohne sie gegen Dich oder andere zu richten. Das simple Benennen des mit dem Fehler verbundenen Gefühls reicht oft schon aus („Ich ärgere mich“, „Ich bin wütend.“).
  4. Fehler zugeben (äußerlich) – Übernimm auch im Außen Verantwortung und stehe dazu, wenn Du etwas falsch gemacht hast. Keine Rechtfertigungen, keine Schuldzuweisungen, kein Schönreden oder Bagatellisieren.
  5. Fehler feiern – Hast Du schon mal über Deine Fehler gelacht? Das wird Dir immer leichter fallen, wenn Du insgesamt einen leichteren (nicht leichtfertigeren) Umgang mit Deinen Fehlern entwickelst. Sprich mit Freunden drüber, teile die Erfahrung – und hilf damit auch anderen, einen leichteren Umgang mit Fehlern zu bekommen.
  6. Fehler nutzen – Nimm Dir die Zeit und schau mal drauf – was ist passiert und warum? In der Regel gibt es die unterschiedlichsten Gründe, warum uns Fehler passieren:
    • Unkenntnis – was solltest Du noch lernen?
    • Mangelndes Vertrauen – wie kannst Du es stärken?
    • Angst vor den Konsequenzen – real oder selbstgemacht? Wie kann sie reduziert werden?
    • Unachtsamkeit – wie kannst Du mehr Fokus gewinnen?
    • Fehlende Motivation – warum warst Du nicht motiviert?

Die Härte, die wir anderen gegenüber bei Fehlern an den Tag legen spiegelt übrigens oft die Härte wider, die wir uns selbst entgegenbringen. „Ich muss immer alles richtig machen und der/die …“
So schaffen wir einen Teufelskreis: der Druck, den wir so (auf andere) ausüben, erhöht die Fehlerwahrscheinlichkeit.

Beginne, milder zu werden.

Hier noch ein schönes Video von einem sehr erfolgreichen Menschen – der ohne kontinuerliches Scheitern der Welt nie so viel hätte bescheren können:

Das größte Genie der Neuzeit? Wer war eigentlich…? | Galileo | ProSieben

Nimm’s spielerisch und weise!

Deine Birgit

PS: noch vorhandene Tippfehler in diesem Text sind (keine) Absicht 😉

Alter!

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Diese Woche habe ich mir das Thema Alter ausgesucht.

Ist schon spannend – im Laufe der letzten Wochen und Monate bin ich mit verschiedenen Situationen konfrontiert worden, bei denen mir das Thema auf die Füße gefallen ist.

Bis vor kurzem noch Single und verschiedene „Bekannschaften“ machend, habe ich mir die Frage gestellt, warum es eigentlich „Standard“ in unserer Gesellschaft ist, dass der Mann älter ist (sein sollte?) als die Frau?

Bei meinem Bewerbertraining, bei dem ich Menschen verschiedener Altersklassen gegenüber sitze und durch den Bewerbungsprozess helfe, habe ich auch immer wieder Menschen Mitte/Ende 50 vor mir, die nach über 30 Jahren aufgrund von Umstrukturierungen oder Betriebsschließungen auf den Arbeitsmarkt geworfen wurden und nun arge Probleme haben, wieder Fuß zu fassen. Sie sind „zu alt“, „zu teuer“, „nicht mehr belastbar“.
Was ist mit der Arbeitserfahrung, die sie mitbringen?
Haben Sie sich durch ihren loyalen Einsatz, Ihr Engagement und 30 Jahre Weiterentwicklung nicht das höhere Gehalt weiterhin verdient?
Wie sieht es in Bezug auf Belastbarkeit mit der Souveränität und Gelassenheit aus, die sie häufig mitbringen und über die Jahre gewonnen haben? Ist besonnenes, unaufgeregtes Handeln und Reagieren nicht genauso wertvoll wie körperliche Belastbarkeit?
(Hmm, eben fällt mir ein, dass das Thema in der Politik scheinbar anders bewertet wird, wenn wir mal einen Blick auf die Staatsoberhäupter weltweit werfen …)

An dieser Stelle könnte ich weitermachen mit der Erkenntnis, dass es Kulturen gibt, in denen das Alter ganz anders gewertschätzt wird. Aber das würde zu weit führen. Lasst uns in unserer Kultur bleiben.

Da erinnere ich mich dann auch noch an so Sprüche wie „dafür bin ich zu alt“ oder „in Ihrem Alter trägt man solche Farben / lange Haare eigentlich nicht mehr.“

Und ich selbst wurde neulich beim Krafttraining in meinem Sportclub von einem anderen Mitglied gefragt, wie alt ich sei (bewundernd).
Da wurde mir bewußt, dass ich mich heute in allen Aspekten viel jünger, agiler und fitter fühle als in meinen „besten Jahren“.

Ich habe den Eindruck, es hat sich schon viel getan und bin sehr dankbar, dass in unserer westlichen Welt theoretisch alles möglich ist.

Ich kann eine neue Arbeitskraft mit über 60 einstellen.
Ich kann auf’s Alter pfeifen und dem Herzen folgen.
Ich kann meinen Körper auch mit über 40 noch besser in Form bringen, als er das mit Anfang 30 war.
Ich kann beschließen, mit Mitte 50 endlich das Studium zu machen, dass ich schon immer machen wollte oder mit 70 eine eigene Firma gründen.

Für alle  „Normen“ gibt es auch Gegenbeispiele. Wenige.
Aber es werden mehr. 🙂

Wenn es Dir im ein oder anderen Punkt auch so geht wie mir, dass Du merkst, Dich bremst irgendwas – prüfe, ob es tatsächlich DU bist, die/der ein Problem mit dem Alter hat (egal in welchem Zusammenhang) — oder ob Deine Zurückhaltung andere Gründe hat — Sozialisierung, befürchtete  Reaktionen Deinen Umfelds, keine Erfahrungen – höheres Risiko …

Was das Alter betrifft, so kann ich sagen, dass ich Menschen mit 25 getroffen habe, die älter waren, als welche mit über 60. Ich bin Menschen begegnet, die leblos waren – obwohl sie noch gar nicht tot waren.

Und ich habe beschlossen, mich den Menschen zuzuwenden, die sich die Jugend im Herzen bewahrt haben.

Das ist der Standard, die Norm, die ich gerne mitgestalten möchte!
Und Du?

Stay young at heart!

Deine Birgit

Gescheit braucht Zeit

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Eine Erkältung dauert mit Medikamenten 7 Tage,  ohne eine Woche. Ich glaube so oder so ähnlich geht der Spruch. Und er zeigt sehr schön, dass manche Dinge einfach ihre Zeit.

Sie brauchen die Zeit, die Sie brauchen.
Sie brauchen die Zeit, die DU dafür brauchst.

Und das ist unabhängig davon, ob alles in unserer Welt (scheinbar) immer schneller geht.
Ein anderer Spruch, der mir da in den Sinn kommt ist:
„Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“

Aber gerade, weil wir heutzutage vieles so flott zur Verfügung haben (zumindest in unserer westlichen Welt) und es gefühlt immer mehr darum geht, dass wir es bequem haben, laufen wir meines Erachtens Gefahr, dass wir verlernen, mit dem Unbequemen umgehen, aushalten, durchhalten zu können.

Das Handy oder der PC läuft seit dem letzten Update nicht mehr so flott? Zack, ein neues bestellt.
Kontakt aufnehmen mit den Freunden in den USA? Kein Problem dank Internet-Flatrate und Video Telefonie.
Der Lieblingsfilm kommt zu einer Zeit, in der ich nicht zuhause bin? Egal, kann ihn ja aufnehmen oder mir später in der Videothek anschauen – oder auf einer der einschlägigen Plattformen.
Der Typ vom letzten Date beginnt nach dem vierten Treffen irgendwie komisch zu werden – net schlimm. Einfach einen neuen Match auswählen.

Ja, vielleicht gibt es tatsächlich weniger Unbequemlichkeiten – aber wenn dann mal was nicht klappt, sind wir viel schneller gestresst.

Und die wirklich wichtigen und großen Dinge im Leben lassen sich halt nicht im Internet bestellen. Oft bekommen wir Erfolge präsentiert – selten aber, wie viele Mühen und Zeit es gekostet hat, bis dieser Erfolg verzeichnet werden konnte.

Zudem brauchen manche Dinge einfach Zeit, um sich zu entfalten, um sich uns voll zu zeigen, um zu erblühen. Egal ob das Menschen sind, oder Jobs, neue Kollegen oder Entwicklungen, die ich selbst durchmache – körperlich und mental.

Kannst Du dranbleiben, wenn es unbequem wird, scheinbar nicht weitergeht oder Du sogar einen Rückschlag erfährst?
Was, wenn all diese Phasen dazugehören, wir sie aushalten und durchhalten müssen, um überhaupt „anzukommen“?

Der Muskelkater, die Plateauphase oder die Ermüdung durch Übertraining beim Sport.
Der erste Konflikt, die sich offenbarenden Macken oder der routinierte Alltag in Beziehungen.
Das Gefühl der Inkompetenz am Anfang, der Überarbeitung in der Mitte und der Langeweile im mittlerweile bekannten Job?

Um zum Gras zurück zu kommen: es ist schon ein bisschen, wie beim Gärtnern. Wenn ich nur säe und dann weiterziehe, weil mir das Kultivieren, Nähren und Pflegen zu viel ist, werde ich nie in den Genuß der Blüte oder Ernte kommen.

Wo könntest Du Dir oder anderen – oder einer Sache – noch mehr Zeit lassen, um sich zu entfalten, zu erblühen, sich voll zu zeigen?

Gscheit braucht eben Zeit.

Nimm sie Dir und schenke sie!

Deine Birgit

Sei einzigartig

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Steh mal auf.
Stell Dich locker hin – und dann verschränke die Arme.
Und jetzt löse die Arme wieder – und verschränke sie erneut – aber andersrum.

Ok.
Zweite Übung.

Setz Dich hin, nimm Dir einen Stift und schreibe Deinen Namen.
Und jetzt nimm den Stift in die andere Hand und schreibe Deinen Namen erneut.

Und? Wie sie sie sich jeweils angefühl – die erste und zweite Version des Arme-Verschränkens und Namen-Schreibens?
Worauf ich hinaus will?

Diese Woche war mein Motto „mein Ding machen“.
Und da ist mir in den Sinn gekommen, dass wir aufgrund unserer Persönlichkeit, unserer Präferenzen und Erfahrungen oft ganz unterschiedliche Herangehensweisen haben. Unterschiedliche Arten, etwas zu machen. Unterschiedliche Wege zum Ziel. Unterschiedliche Geschwindigkeiten.
Und manchmal können wir uns „voll ausleben“.
Aber oft versuchen wir uns auch, uns in die „zweite Variante“ – also das, was andere so machen oder wie meinen, dass man von uns erwartet, hineinzupressen.
Weil wir dazugehören wollen.
Oder nicht auffallen wollen.
Oder meinen, mit uns stimmt was nicht.
Oder mit den Reaktionen auf unser „Anderssein“ nicht so gut umgehen können.

Mag gehen, ist aber dann ziemlich energieraubend, fühlt sich seltsam an und führt nicht selten zu einem Ergebnis, das weit entfernt von dem ist, was wir eigentlich leisten könnten.

Natürlich ist es wichtig, sich auch anpassen zu können, auch die andere Variante mal auszuprobieren, um sie zu verstehen und im Kopf geschmeidig zu bleiben. Aber meist kommen wir leichter zum Ziel und es fühlt sich besser an, wenn wir uns selbst treu sein können und dürfen.

Mir ist das z.B. bei der Arbeit früher in Meetings so gegangen. In meinem damaligen Team war ich vergleichsweise wohl ein „langsamer Denker“. Und wenn wir dann so durch die Agenda galloppiert sind und die Kollegen über Punkt 5 gesprochen haben, hatte ich nicht selten Punkt 3&4 verpasst, weil ich noch Fragen zu Punkt 2 hatte 😉
In den Anfangsjahren dachte ich –  wie peinlich. Da kann ich ja jetzt nicht fragen – muss ich mich wohl anstrengen. Später, mit mehr Erfahrung und Selbstvertrauen habe ich dann einfach auch mal den Galopp gestoppt und gesagt: „Ich habe da noch eine Frage zum vorherigen Punkt.“ (Und zu meiner Überraschung schlossen sich mir dann nicht selten auch noch andere im Team an).
Ergebnis: Die Kollegen haben mich besser kennengelernt, ich habe besser verstanden, konnte effektiver arbeiten – und hatte das gute gute Gefühl, ich selbst zu sein.

Wo könntest Du ein bisschen mehr Mut aufbringen, zu Deinen Bedürfnissen und Deiner Art, die Dinge zu machen, zu stehen?
Und wo könntest Du vielleicht anderen mehr Raum für ihr Anderssein lassen?

Sei einzigartig!

Deine Birgit

Neugier – oder: fragen kostet nix

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Aktuell lese ich das Buch „Der Traum vom unangepassten Leben“ von Bernard Moestl. Darin schildert der Autor aus seinen über 30 Jahren Reiseerfahrung unterschiedliche Erlebnisse, die dazu anregen, sich über verschiedene Themen im Leben Gedanken zu machen.
Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine Geschichte, die er zum Thema Neugier geschildert hat.

Unterwegs in Thailand, setzte er sich mit im Supermarkt gekauften Lebensmitteln an der frischen Luft nieder, um diese zu essen. In der Gegend, in der er sich befand, war es wohl eine Seltenheit, „Europäer zu sichten“ – und so kamen nach und nach Menschen vorbei, die ihn erstaunt betrachteten. Darunter auch Mütter mit ihren Kindern. Eine ging gar und kam mit weiteren Kindern wieder, um ihnen den „Ausländer“ zu zeigen. Ein kleines Mädchen kam sogar auf ihn zu und stellte ihm eine Frage.
Und nun stell Dir diese Szene mal in unserem Land vor.
Undenkbar, oder?
Einfach auf jemand fremdes zugehen und was fragen, das „macht man nicht“.

Tatsächlich ist Neugier ein angeborener Instinkt. Anfangs noch so wichtig, um die Welt zu erkunden und alles zu lernen, wird uns die Neugier dann  im Laufe der Jahre förmlich aberzogen.
„Du kannst doch nicht einfach auf jemand zugehen und was fragen!“
Ja, warum eigentlich nicht?
Warum wird das als unhöflich und aufdringlich angesehen?
Kann ich nicht davon ausgehen, dass mein Gegenüber erwachsen genug ist, um eine Antwort zu verweigern – falls die Frage unangemessen war – oder um sich „zu wehren“?

Gerade in unserer westlichen Welt haben wir so viel von unserer kindlichen Neugier verloren – und ich fürchte, Handys & Co. verstärken noch den Effekt, dass man lieber Google fragt als die Person, die vor einem steht.

Eine respektvolle Wissbegierde und echtes Interesse am Gegenüber kann aber doch nichts Schlimmes sein?
Und spinnen wir die Idee mal weiter:
Ich sehe jemanden, der etwas an sich hat, was mich total neugierig macht – z.B. eine Kopfbedeckung oder eine Tracht, die mir unbekannt ist.
Variante 1 wäre nun, hinzugehen, und zu fragen.
Variante 2 – die „höfliche“ – wäre, Zurückhaltung zu üben und nicht zu fragen. Aber was passiert dann?

Wenn ich keine Antworten bekomme, stricke ich mir welche. Ich beginne, Vermutungen anzustellen und meine Neugier mit einer selbstgestrickten Geschichte über die Person zu befriedigen. Und was mit solchen Geschichten dann passiert – vor allem, wenn sie weitererzählt werden, wissen wir alle …
Ist es also wirklich höflicher, wenn ich vage oder inkorrekte Vermutungen anstelle, anstatt zu fragen?

Mir hat das zu denken gegeben und ich habe mir vorgenommen, öfter den Mut aufzubringen, direkt auf Menschen zuzugehen und mehr zu fragen.
Was gibt es schon zu verlieren?

In welchen Situationen und Begegnungen könntest Du vielleicht noch mutiger sein und mal direkt fragen?

Versuch’s mal und lass Dich überraschen.

Meist fällt nicht nur die Reaktion Deines Gegenübers anders aus als erwartet – oft erfährst Du auch Dinge, die Du nie vermutet hättest!
Und manchmal ist es der Start für wundervolle Begegnungen und Bekanntschaften.

Bleib neugierig!

Deine Birgit 

Laber net, mach!

Schafe, Blöken, Kommunikation, Kommunizieren, Sprechen
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Ist es nicht wunderbar, dass der Mensch – im Gegensatz zum Tier – die Sprache hat, um sich zu verständigen? Die Deutsche Sprache hat schätzungsweise zwischen 300.000 und 500.000 Worte. Und doch erlebe ich immer wieder, dass Kommunikation eben nicht funktioniert. Auch wenn wir die selbe Sprache sprechen.

Wie oft glauben wir zu wissen, wie etwas gemeint war – reagieren entsprechend und wundern uns dann über die erstaunte Reaktion unseres Gegenübers?

Das größte und einzige Problem in der Kommunikation ist die Illusion, dass sie stattgefunden hat. – George Bernard Shaw

Dass es trotz der vielen Worte und gemeinsamen Sprachen mit der Kommunikation nicht so einfach ist, ist natürlich. Denn wir kommunizieren eben nicht nur Worte, sondern auch „zwischen den Zeilen“ Wünsche, Erwartungen, Erfahrungen. Wir beschreiben die Welt eben nicht so, wie sie ist, sondern wie WIR sind, wie WIR sie sehen. Und wie oft hören wir gar nicht richtig zu sondern beginnen schon während des Zuhörens mit dem Interpretieren dessen, was gesagt wird und dem Zurechtlegen einer passenden Antwort?
Ich könnte jetzt hier zahlreiche Kommunikationsmodelle erwähnen, aber darum geht es mir gar nicht. Vielmehr habe ich mich in letzter Zeit des Öfteren gefragt, wie es mir besser gelingen kann, zu verstehen, was gemeint ist, sozusagen besser in die Welt meines Gegenübers einzutauchen, um Missverständnisse zu vermeiden und vor allen, um den anderen wirklich zu sehen. Und zwar nicht meine Interpretation von ihr oder ihm, sondern seine/ihre wahre Natur.

Versuche erst, zu verstehen, bevor zu versuchst, verstanden zu werden. – Steven Covey

Meines Erachtens helfen die folgenden Aspekte dabei:

  1. Verstehen wollen = Rechthaben wollen loslassen: Um sich wirklich auf die Perspektive des anderen einzulassen (was nicht heißt, dass ich ihr zustimme), muss ich zunächst einmal zuhören um zu verstehen – und nicht, um zu widerlegen oder einen „Angriffspunkt“ herauszuhören. Dazu benötige ich echtes Interesse, die Erkenntnis, dass es oft kein Richtig oder Falsch – nur ein Anders – gibt, und die Fähigkeit, mich beim Zuhören zurück zu nehmen.
  2. Klar kommunizieren: anderen kann ich es leichter machen, indem ich nicht „verschleiert“ kommuniziere – sondern sage, was ich meine und meine, was ich sage. Das ist vielleicht manchmal etwas „unromantisch“, aber klarer. Dennoch ist es vielleicht aus Gründen der Höflichkeit oder des Respekts nicht immer möglich. Deshalb ist eine weitere wichtige Eigenschaft
  3. Verständnis klären und nachfragen: ganz simpel. Wie ist es gemeint? Ist es so gemeint, wie ich es verstanden habe?
  4. Anhand von Taten urteilen: Eine der zuverlässigsten Methoden, zu verstehen, wie etwas gemeint war, ist, zu schauen, wie sich der andere tatsächlich verhält. Folgen den Worten auch Taten? Passt das Verhalten zu den Worten? Aber auch auf mich bezogen: lebe ich, was ich sage?

Gerade jetzt zu dieser Zeit im Jahr, in der wir auch immer ein wenig zurückblicken, ist vielleicht ein guter Zeitpunkt, einmal folgendes zu prüfen:

  • Wo ist mir die Kommunikation mit den Personen in meinem Umfeld gut gelungen? Wo weniger?
  • Neige ich dazu, zu interpretieren, zu glauben, was gemeint ist – ohne es zu überprüfen?
  • Wo könnte ich vielleicht mehr auf Taten statt auf Worte achten? Bei anderen? Aber auch bei mir selbst?
  • Und wo möchte ich im kommenden Jahr vielleicht meinen Worten Taten folgen lassen?

Auf dass es uns – gerade in der heutigen Zeit, in der so viel geschrieben wird – öfter gelingt, persönlich miteinander in den Austausch zu gehen – mit dem Willen und dem Wunsch, einander wirklich zu sehen – und den Worten auch Taten folgen zu lassen!

Oder wie eine liebe Freundin so gerne sagt: Laber net, mach! 😉

In diesem Sinne, bis nächste Woche,

Deine Birgit