Sei ein Igel und kein Hase

Foto: Alexas_Fotos, Pixabay

Ich schreibe ja selbst gerne Geschichten. In letzter Zeit kommen mir aber immer wieder meine Lieblingsmärchen und Fabeln in den Sinn. Zuletzt, als ich wieder mal im Strom der ungeduldig eilenden Menschen mit schwamm, kam mir das Märchen vom Hasen und vom Igel in den Sinn. Und es gingen mir folgende Fragen durch den Kopf:

Wer bestimmt eigentlich die Geschwindigkeit unseres Alltags? Sind das nicht wir selbst?
Und wenn wir sie selbst bestimmen, wie kann sie uns dann zu schnell werden?
Etwa weil wir meinen, mithalten zu müssen mit der Geschwindigkeit der anderen (denen ihre eigene auch oft zu schnell ist?) – Echt jetzt? Müssen wir? Und ist das das nicht verrückt?

Und was hat das jetzt mit dem Hasen und dem Igel zu tun?

Das Märchen vom Hasen und vom Igel ist schon sehr alt (erstmals 1840 erschienen) – und doch erinnert es mich an die Dynamik, die wir in unserer heutigen Zeit scheinbar täglich lostreten.

Für alle, die es nicht kennen, hier eine kurze Zusammenfassung (und unten der Link für die ausführliche Version):

Eines schönen Tages treffen sich der Hase und der Igel auf dem Feld. Und als der Hase beginnt, sich über den Igel und seine kurzen Beinchen lustig zu machen, schlägt der clevere Igel dem etwas überheblichen Hasen einen Wettlauf vor – den der Igel am Ende gewinnt.
Wie er das macht? Indem er seine Frau um Hilfe bittet, die er am anderen Ende der Wettkampfstrecke positioniert. Und als der Hase das erste Mal ins Ziel läuft, sitzt da schon der Igel (bzw. seine Frau, die aber genauso aussieht, wie ihr Igel-Mann) und ruft „bin schon da“. Der Hase kann es nicht glauben und läuft die Strecke immer und immer wieder ab – und findet jedesmal den Igel vor, der „schon da“ ist.
Am Ende verliert der Hase die Wette und sogar sein Leben – vor lauter Erschöpfung.

Vielleicht war die Moral von der Geschichte 1840 eine andere.
Für mich birgt sie folgende Erkenntnisse, die aktueller sind, denn je:

  • Cleverness schlägt Eile („work smart not hard“)
  • Gemeinschaft schlägt Einzelkämpfertum
  • Potential lässt sich selten am Aussehen festmachen
  • Vor lauter Eile übersehen wir oft wichtige Details (die uns das Eilen ersparen könnten)
  • Wachstumsdenken schlägt Konkurrenzdenken – wenn jemand besser ist als Du , freue Dich darüber und lerne – anstatt in Neid, Frustration oder Konkurrenzdenken zu verfallen.

Kurz: sei ein Igel und kein Hase.

  • Wo könntest Du noch cleverer statt eiliger agieren?
  • Wo fühlst Du Dich, als müsstest Du alles alleine machen – und könntest um Hilfe fragen oder jemanden ins Boot holen?
  • Wann urteilst Du zu schnell über andere?
  • Wann gehen Dir wichtige Details flöten, weil Du so in Eile bist?
  • Wen könntest Du als Vorbild statt als Gegner sehen?

Auf dass es Dir gelingen möge, igeliger zu agieren!

Deine Birgit

Hier der Link zum vollständigen Märchen vom Hasen und dem Igel

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