Opfer oder Gestalter?

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Wo führt das alles noch hin?
Was macht es mit der Wirtschaft?
Wie viele werden wohl sterben?
Warum musste es soweit kommen?
Steckt da vielleicht mehr dahinter?
Hätte die Regierung mal lieber …
Man kann keinem mehr vertrauen!
Das ist eine Katastrophe!
Ich will gar nicht wissen, was da noch alles auf uns zukommt!

Kennst Du dieses Sätze?

Ich habe den Eindruck, sie in den vergangenen Tagen und Wochen besonders oft gehört zu haben. Vielleicht hast Du sie ja selbst auch so oder so ähnlich geäußert oder sie sind in Dir in den Kopf gekommen.

Was machen Sie mir Dir?
Wir fühlst Du Dich, wenn Du sie aussprichst oder hörst?
In welchen Zustand versetzen sie Dich?
Stärken oder schwächen sie Dich?

Die genannten Sätze fallen in der Regel, wenn wir uns in der Opferrolle sehen – ausgeliefert, machtlos, hilflos. Bei dem, was momentan in der Welt passiert mag diese Perspektive noch nahe liegender sein als sonst.
Aber auch in der momentanen Situation gibt es neben den Aspekten, die wir nicht beeinflussen können mindestens ebenso viele, die wir beeinflussen können.

Die Frage ist nur, worauf richtest Du Deine Energie?
Wer hat die Kontrolle über Deine Energie, Deine Haltung, Deine Einstellung?
Du selbst oder die äußeren Umstände?
Lässt Du Dich reinziehen in den „ach was ist das alles schlimm“ Strudel?
Oder blickst Du auf das, was Du tun kannst
– oder wie Theodore Roosevelt es formulierte:

„Tu, was Du kannst – mit dem, was Du hast – dort, wo Du bist.“

Der amerikanische Unternehmensberater Steven Covey formulierte die Wichtigkeit, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die wir beeinflussen können, bereits in seinem 2004 erschienenen Bestseller „7 Habits of Highly Effective People“. Darin spricht er von einer pro-aktiven Haltung im Gegensatz zu einer re-aktiven Haltung. Menschen mit einer pro-aktiven Haltung fokussieren sich auf Dinge, die in ihrer Macht stehen, Menschen mit einer reaktiven Haltung denen, die sie nicht beeinflussen können.

Menschen mit einer reaktiven Haltung:

  • haben einen Problemfokus
  • verschwenden Ihre Zeit in Diskussionen und Empörung über Umstände, über die sie keine Kontrolle haben
  • verlieren Ihre Energie in Aktivitäten außerhalb ihres Einflussbereichs
  • konzentrieren sich auf die Schwächen anderer
  • suchen Schuldige
  • vernachlässigen die Bereiche und Aktivitäten, auf die sie Einfluss haben
  • fühlen sich deshalb zunehmend als Opfer
  • sind deshalb erfüllt mit negativer Energie
  • schwächen sich dadurch selbst und
  • verengen so ihren Blick für ihren Einflussbereich immer mehr.

Am Ende kreieren sie so einen mentalen und emotionalen Teufelskreis. Im schlimmsten Fall ist das letzte, woran sie sich noch klammern die Suche nach der Bestätigung, Recht zu haben.

Menschen mit einer pro-aktiven Haltung hingegen:

  • sind lösungsorientiert
  • sehen Chancen und Möglichkeiten
  • investieren Ihre Zeit in Ideenfindung und Veränderung/Anpassung
  • fokussieren Ihre Energie auf Aktivitäten, die in ihrem Einflussbereich liegen und etwas bewirken
  • steigern damit Ihre Selbstwirksamkeit
  • sind deshalb erfüllt mit positiver Energie und Motivation
  • stärken sich damit und
  • erweitern so Ihren Einflussbereich und Ihre Handlungsoptionen

Auch hier entsteht ein Kreislauf – in diesem Fall aber ein „Motivationskreis“.

Ja, es wird immer Dinge geben, die wir nicht beeinflussen können – und im Moment scheint es davon gerade ein paar mehr zu geben. Das Prinzip bleibt aber das gleiche. Um wirkungsvoll handlungsfähig und in einer gesunden mentalen und emotionalen Balance zu bleiben, brauchen wir:

  • die Akzeptanz des Umstands, dass es Dinge gibt, die außerhalb unserer Macht liegen
  • einen klaren, vernünftigen Blick für und Fokus auf das, was in unserer Macht steht
  • die Motivation zu tun, was in unserer Macht steht

Wenn wir an uns selbst arbeiten und eine pro-aktive Haltung einnehmen und wahren, statt uns wegen der Umstände Sorgen zu machen, ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass wir auf Ideen kommen, die am Ende die Umstände ändern.

Hier noch ein kleines Beispiel aus meinem eigenen Leben.

2011 habe ich ein Buch über Tierhaltung und Fleischkonsum gelesen. Was ich dort las, hat mich sehr mitgenommen und ja, ich war empört und entsetzt wie so etwas sein kann. Meine erste Reaktion war also eine absolut reaktive – gepaart mit dem Gedanken „was kann ich schon dagegen tun“. Ich fühlte mich hilflos und schuldig.

Wäre ich in dieser Haltung geblieben hätte ich …

  • meiner Empörung Luft gemacht und jedem – ob er wollte oder nicht – erzählt, wie schlimm das alles ist
  • jeden, der Fleisch isst, verurteilt
  • damit begonnen, jeden, der Fleisch isst, zu belehren und zu bekehren
  • dadurch bei den Personen, die ich versucht hätte, zu beeinflussen, sicherlich eher eine feindliche Haltung hervorgerufen
  • wenig Offenheit für meine Ansichten erfahren
  • die Menschen deshalb für ignorant und schlecht gehalten
  • das Bild von Menschen, die sich vegetarisch ernähren, negativ beeinflusst

Stattdessen habe ich einfach für mich eine Entscheidung getroffen und begonnen, mich konsequent fleischlos zu ernähren und

  • neue Lebensmittel entdeckt
  • viel über Ernährung dazugelernt
  • auf Grillparties so leckere vegetarische Alternativen mitgebracht, dass auch die Fleischesser probieren wollten
  • im Restaurant oft neidische Blicke auf meine vegetarische Alternative bekommen und
  • so andere dazu bewegt, es auch mal „auszuprobieren“
  • jeden, der mich danach gefragt hat, sachlich die Gründe für meine Entscheidung mitgeteilt
  • mich nach Möglichkeiten erkundigt, entsprechende Organisationen zu unterstützen

Also, was auch immer Dir wichtig ist – fokussiere Dich auf das, was Du beeinflussen kannst und was Dir wichtig ist, komm ins Handeln und spende so Dir und anderen positive Energie. Davon können wir nie genug haben in der Welt.

Stay positive and pro-active!

Deine Birgit

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