Der Resilienz auf der Spur – Optimismus Teil 2

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Letzte Woche habe ich Dir den Optimismus als wichtigen Aspekt der Resilienz vorgestellt und darüber geschrieben, was optimistische Menschen von Menschen mit einer weniger positiven Haltung unterscheidet. (Hier geht’s zum Teil 1 des Artikels)

Besonders in Zeiten, in denen man sich fühlt, als müsse einem das Lachen eher vergehen, ist gesunder Optimismus zum Erhalt von mentaler, emotionaler und körperlicher Gesundheit essentiell. Dabei hat Optimismus nichts damit zu tun, dass Du mit einem kontinuierlich seligen Grinsen durch die Welt marschierst (auch wenn Humor manches durchaus erträglicher macht).
Vielmehr steckt hinter Optimismus mentale Agilität, d.h. die Fähigkeit, den eigenen Denkfallen auf die Spur zu kommen und förderliche Gedanken zu trainieren.

Förderliche Denkmuster zu etablieren bedeutet:

  1. Aus dem Autopiloten-Modus raus zu wollen
  2. Sich dafür zu öffnen, dass die eigenen Gedanken weder die einzig mögliche Wahrheit noch die Realität repräsentieren – sondern eben nur unsere Sichtweise.
  3. Ein Gespür für den eigenen Autopiloten zu bekommen, d.h. wahrzunehmen, wenn wir auf gewisse Reize, Stressoren oder Auslöser automatisch in die selbe Denkrille rutschen.
  4. Die Fähigkeit zu entwickeln, den Autopiloten auszuschalten, das Steuer in die Hand zu nehmen und bewusst Gedanken zu wählen, die der Situation, der Beziehung, der Lösungsfindung und/oder unserem Wohlbefinden zuträglich sind.

Unser Leben ist das, wozu es unsere Gedanken machen.“  – Marc Aurelius 

Mentale Agilität ist deshalb so wichtig für die eigene Resilienz, weil es unsere Gedanken sind, die unsere Emotionen hervorrufen welche wiederum unsere Handlungen beeinflussen. Wie effektiv und förderlich wir reagieren hängt also davon ab, wie gut wir unsere Gedanken kontrollieren und beeinflussen können. Denn was mit uns geschieht, können wir nicht immer kontrollieren – wie wir darüber denken wollen sehr wohl (das hast Du sicher schon einmal gehört ;-))

Die 5 gängigsten Denkfallen im Autopilot

Wenn wir mit einer unangenehmen oder unsicheren Situation konfrontiert werden, ist es natürlich, dass wir nach Erklärungen suchen. Die Frage ist nur: suchen wir diese Erklärungen nur in unserem Hirn (Grübeln, Interpretieren, Denkschleifen) und machen aus dem, was wir denken eine Überzeugung – oder wählen wir, die Situation im Außen zu klären, um weiter zu kommen?
Was die folgenden 5 gängigsten Denkfallen nämlich gemeinsam haben – und das macht sie neben der stimmungssenkenden Wirkung so gefährlich: sie blockieren die Kommunikation und somit weitere Schritte auf dem Weg zur Lösung.

Lass‘ mich Dir die 5 Denkfallen an einem Beispiel demonstrieren:
Ein liebe Freundin hatte sich neulich auf einen Job beworben und keinerlei Reaktion auf ihre Bewerbung bekommen. Was sie daraufhin gemacht hat, verrate ich Dir am Ende dieses Artikels. Wie sie in Denkfallen feststeckend reagiert hätte, stellt sich so dar:

DenkfalleBedeutetGedanken meiner Freundin
1.
Gedanken lesen
Du bist überzeugt zu wissen, was andere über Dich denken (und das ist selten positiv) oder erwartest von anderen, dass sie wissen, was Du denkst.„Naja, wenn die sich nicht melden fanden die meine Bewerbung bestimmt nicht gut.“ „Wie kann man nur gar nicht antworten? Muß denen doch klar sein, dass man sich dann als Bewerber überhaupt nicht wertgeschätzt fühlt!“
2.
Selbstgeiselung
Du bist überzeugt, dass das Problem ausschliesslich an Dir liegt.„Wahrscheinlich habe ich mich zu spät beworben.“ „Oh Mann, vielleicht hatte ich die falsche E-Mail Adresse?“ „So jemanden wie mich wollen die da bestimmt nicht.“ „Hätte ich mir ja gleich denken können, dass es bessere Kandidaten gibt, als mich.“
3.
Schuldzuweisung
Du bist überzeugt, dass das Problem ausschliesslich an anderen oder den Umsständen liegt.„Wie kann man nur so nachlässig sein, nicht zu antworten?“ „Die sind da bestimmt total unorganisiert!“ „In diesen automatischen Bewerberportalen gehen Bewerbungen einfach unser tausend anderen verloren.“
4.
Dramatisieren
Du verschwendest Deine ganze Energie darauf, Dir den schlimmsten Fall vor Augen zu führen. Dabei wird das Problem immer größer und die Einschätzung, Deiner Fähigkeit, es zu bewältigen, immer kleiner.„Oh Mann, wenn ich diesen Job nicht bekomme kann ich bald meine Miete nicht mehr zahlen!“ „Wahrscheinlich kennen die meinen ehemaligen Chef und der hat schlecht über mich gesprochen!“ „Was, wenn meine Bewerbung in die falschen Hände geraten ist?“
5.
Hilflosigkeit
Du bist der Überzeugung, dass das Problem nicht zu lösen ist und Du nichts machen kannst.„Tja, so läuft das halt heutzutage bei Bewerbungen, muß man sich mit abfinden.“
„Ich hab mich an alles gehalten und alles eingereicht, was sie wollten. Dann soll es halt nicht sein.“
„Und schon wieder was, was nicht funktioniert …“

Häufig haben wir eine bevorzugte Denkfalle – welches ist Deine?
Mit welchem Programm fährt Dein Autopilot?
Wenn Du Dir dessen bewusst bist, ist das der erste Schritt, um ihn auszuschalten und neue Gedanken zu fassen.

3 Wege, den mentalen Autopiloten auszuschalten

AusschalterSo funktioniert’sSo hört sich’s an
1.
Beweisführung
Eine Möglichkeit, das Bewußtsein wieder an Bord zu holen ist, Deinem Geist die Aufgaben zu geben, sich die tatsächlichen Fakten vor Augen zu führen. Je mehr Beweise Du aufführen kannst, die die Denkfalle widerlegen, umso wirkungsvoller.Den Ausschalter findest Du mit einem Satz wie: „Das ist nicht wahr / das stimmt nicht, denn …“ … ich habe das Datum / die E-Mail Adresse mehrfach geprüft. „… ich habe ja auch keine Absage bekommen.“ „… ich kenne die internen Abläufe in diesem Unternehmen nicht.“
2. PerspektivwechselSetze die Zuversicht ein, um die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten, die ein besseres Bild von der Situation zeichnet.Sage Dir: „Eine hilfreichere Betrachtungsweise der Situation wäre ..“ „Man könnte es auch so sehen …“
3.
Schlachtplan
Dieser Schalter eignet sich besonders, wenn Du zum Dramatisieren neigst. Setze dem Drama einen konkreten Plan entgegen!„Wenn X passiert, dann mache ich Y.“
„Wenn ich bis morgen nichts höre, dann mache ich …“
„Wenn ich den Job nicht bekomme, dann…“

Zurück zu meiner Freundin.
Sie hat beschlossen, wie eine Optimistin zu handeln.
Sich ist nicht in den Autopiloten gegangen, sondern hat beherzt zum Telefon gegriffen (Proaktivität), um Klarheit zu bekommen (Einholen von Informationen).
Durch das nette Gespräch mit der Personalverantwortlichen konnte sie ihre Qualifikationen im Hinblick auf die Stelle detaillierter darlegen und Fragen beantworten – und wanderte so vom Absagenstapel zurück in den Bewerbungsprozess — und hat den Job!

Es lohnt sich, selbst zu fahren. 😉

Also, ran ans Steuer und raus auf die Strasse!

Gute Fahrt.

Deine Birgit

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