Siehst Du Menschen in 3D?

Foto: Pixabay

„Dass es hinter’m Horizont weitergeht, kann man nur erfahren, wenn man in der Lage ist, ihn zu überschreiten.“

Wie bereichernd aber auch herausfordernd es sein kann, den eigenen Horizont zu erweitern, d.h. seine mentalen oder auch körperlichen Grenzen zu überschreiten, ist mir wieder in den Sinn gekommen, als ich mich an eine Film-Reihe erinnert habe, die ich von ein paar Jahren auf YouTube gesehen habe.

Es handelt sich um HUMAN von Yann Arthus-Bertrand (Link am Ende des Artikels).
Als Fotograf, Journalist und Umweltschützer ist Arthus-Bertrand unter anderem bekannt für seine atemberaubenden Aufnahmen aus der Vogelperspektive. Die Filmreihe HUMAN besteht aus drei Teilen, die keine Filme im klassischen Sinne sind. Gezeigt werden innerhalb von jeweils 90 Minuten die Gesichter von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Geschlechter, Altersklassen und Kulturen vor einem schwarzen Hintergrund. Diese Menschen berichten über Ihre Erfahrungen und Ansichten und zu den“großen Themen der Menschheit“ wie Liebe, Krieg, Tod, Armut, Arbeit etc. Die Nahaufnahmen der Menschen wechseln sich dabei mit Aufnahmen ihrer Länder aus der Vogelperspektive ab.

So einfach das Konzept der Films auch klingt, alle drei Teile haben mich total in ihren Bann gezogen. Der Blick in die Augen dieser Menschen – und gleichermaßen in ihre Seele und das, was sie bewegt hat etwas in mir in Gang gesetzt. Gerade, dass die im Film getätigten Aussagen einfach so stehen bleiben, ohne kommentiert oder bewertet zu werden bewirkt, das sich dieser Prozess in den Zuschauer verlagert. Du bekommst nicht gesagt, was Du darüber denken sollst – stattdessen konfrontiert Dich der Film innerlich mit Deiner eigenen Meinung.

Manche Ansichten und Geschichten wirkten vertraut und verständlich, andere haben mich doch sehr herausgefordert, zum Staunen und an die Grenzen meiner bisherigen Überzeugungen gebracht. Denn als ich Situationen plötzlich aus der Perspektive der erzählenden Person wahrgenommen habe, mit allen damit verbundenen Emotionen, veränderte sich mein innerer „Kommentar“ und mein Blick wurde weiter. Es war, als wenn ich bisher nur von einer Seite auf einen Gegenstand geschaut hätte und mich jemand einlädt, einmal um den Gegenstand herumzugehen und ihn von hinten zu betrachten.

Das Bild wird kompletter, bekommt neue Facetten und Dimensionen, wird 3D.

Wie oft betrachten wir die Welt in 1D?

Wie oft wollen wir unseren Standpunkt nicht verlassen und in eine andere Perspektive wechseln?

Warum sollten wir?

Weil die Welt in 3D viel schöner ist 🙂

Im Ernst: 

Sich auf die Perspektive eines anderen einzulassen, den Blick und das Herz zu weiten und so den eigenen Horizont zu erweitern, hat viele Vorteile:

Je mehr wir gesehen haben – und sei es nur durch die Augen des anderen, desto …

… leichter fällt es uns, Unterschiede anzuerkennen. Wir sehen sie nicht mehr als Hindernis, sonderen nehmen sie als gegeben hin oder sehen sogar als Bereicherung.

… mehr halten wir auch für möglich. Wenn wir mehr für möglich halten, generieren wir mehr Handlungsoptionen. Mehr Handlungsoptionen wiederum führen zu besseren Entscheidungen und verbesserter Problemlösung. Und wenn wir Probleme leichter lösen können haben wir weniger Stress. Wir werden also „fitter“ im Sinne von anpassungsfähiger.

… bewußter werden wir uns underer eigenen Perspektive, spüren unsere Grenzen und wo wir Gefahr laufen, uns „abzugrenzen“.

… bewußter werden wir uns, dass das, was für uns normal sein mag bei anderen ein komisches Gefühl hervorrufen kann und umgekeht. Dadurch verbessern wir unsere soziale und emotionale Kompetenz.

… dankbarer blicken wir auf viele Aspekte in unserem eigenen Leben.

… demütiger werden wir in Bezug auf unsere Überzeugungen.

… facettenreicher nehmen wir die Welt und die Menschen wahr.

…  besser wird unsere Fähigkeit, uns wirklich auf unser Gegenüber einzulassen und Verbindung aufzubauen.

Das Gute daran ist: die Welt wird für uns dadurch viel bunter und vielfältiger. Der Preis dafür ist, dass wir uns von doch recht einfachem schwarz-weiß / gut-schlecht Denken verabschieden müssen. Das kann herausfordernd sein, denn die eigenen Überzeugungen dessen, was falsch und richtig ist oder wer gut und wer Böse ist, geben uns vermeintliche Orientierung, Halt und Sicherheit. Aber sie hindern uns auch gleichermassen daran, wohlwollend, offen und mit den besten Absichten aufeinandern zuzugehen.

Wenn Du bereit bist, die Menschen in 3D zu sehen, dann

  • nimm Dir doch in der nächsten Woche mal Zeit und höre jemandem offen zu, den Du „so gar nicht verstehst“. Lass Dich ein und werde Dir Deiner Grenzen bewußt – um sie dann ganz sanft aufzulösen.
  • suche Dir eine Möglichkeit, ehrenamtlich in einem Bereich tätig zu werden, der Dir neue Perspektiven eröffnet (z.B. Aushelfen in der Suppenküche, Vorleser für Kinder …)
  • schau doch mal in HUMAN rein – oder wenn Du mehr auf Action stehst: ich finde, der Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ bietet auch wunderbare Ansätze zum Perspektivwechsel. (Der lief witzigerweise sogar in 3D im Kino ;-))

Viel Erfolg beim Blick durch die 3D Brille – es gibt viel zu entdecken!

Deine Birgit

HUMAN – Teil 1
HUMAN – Teil 2
HUMAN – Teil 3

Avatar – Aufbruch nach Pandora

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