Schonhaltung des Herzens

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Die Idee für diesen Blogartikel ist mir tatsächlich bei meiner morgendlichen Yoga Einheit gekommen. Dabei ist mir bewusst geworden, dass unser Körper manchmal eine Schonhaltung einnimmt, um Schmerzen zu vermeiden. Das kann z.B. nach einer Verletzung geschehen oder aber auch wenn wir durch Immobilität, Überbelastung, Fehlbelastung oder Entzündungen bei gewissen Bewegungen ein Schmerzen haben.

Vorübergehend kann diese Schonhaltung hilfreich, nötig oder bewusst gewollt sein, damit Heilung möglich ist. Bei größeren Verletzungen bekommen wir diese Schonhaltung sogar verschrieben, wenn z.B. Gelenke, Sehnen oder Knochen durch Gips, Orthese o.ä. vorübergehend stillgelegt werden.

Normalerweise geschieht die Schonhaltung allerdings unbewußt und baut sich so immer weiter auf. Meist werden wir erst dann aufmerksam, wenn wir an einer anderen Stelle im Körper Schmerzen bekommen, weil durch die dauerhafte Schonhaltung ein Ungleichgewicht entsteht, das durch eine Fehlhaltung ausgeglichen werden muss. Und so wird das Ungleichgewicht immer größer und unsere Flexibilität immer kleiner.

Und da dachte ich: ist das bei Emotionen nicht genauso?

Tendieren wir nicht auch dazu, gewisse Situationen, Menschen oder Erlebnisse zu vermeiden (oder sie uns durch besondere Härte vom Hals zu halten), wenn wir beim letzten Mal eine schlechte oder schmerzhafte Erfahrung gemacht haben?

Wenn Du z.B. einen Vortrag vor vielen Menschen gehalten und dabei einen totalen Blackout hattest, würdest Du sofort wieder auf die Bühne gehen?
Wenn Du einen Sturz hattest (vom Pferd, Fahrrad, Motorrad, beim Skifahren ….), würdest Du sofort wieder aufsteigen?
Wenn Du in Deiner letzten Beziehung verletzt worden bist, kannst Du wieder offen und vertrauensvoll in die Neue starten?

Schmerzen geschehen – egal ob durch physische oder emotionale Verletzungen. Und ja, es braucht eine gewisse Zeit der Schonung, um erst einmal Linderung zu erfahren – und zu verarbeiten (nicht zu verdrängen oder zu versteifen!).
Nimm Dir diese Zeit. Dann aber ist es wichtig, in dieser Haltung nicht zu verharren, sondern möglichst rasch wieder in Bewegung zu kommen und die Flexibilität langsam wieder aufzubauen. Das ist emotional nichts anderes als muskulär. Denn wenn wir die Schonhaltung beibehalten fühlt sich das zunächst vielleicht sicher an – hat aber auf lange Sicht unangenehme Folgen:

  1. Emotionales Ungleichgewicht:  um ein Gefühl zu vermeiden, entwickeln wir ein anderes stärker, wie z.B. Härte, um Trauer zu vermeiden.
  2. Mangelnde Flexibilität (Verkrampftheit): wir verlernen, mit gewissen Emotionen umzugehen – und leiden umso mehr, wenn wir ihnen wieder begegnen. D.h. es besteht sogar eine
  3. Größere Verletzungsgefahr.
  4. Schmerzen in anderen Bereichen: zwar mag es uns gelingen, manche Verletzungen und Schmerzen zu vermeiden. Unsere Abgrenzung verhindert aber ebenso schöne Erlebnisse, Freude und Lebendigkeit – und macht uns auf Dauer einsam.

Und wie nach einer körperlichen Schonhaltung fühlt sich der Wiedereinstieg auch nach der emotionalen unsicher und „wackelig“ an. Aber bleib dran, das legt sich mit der Zeit! Nur so bleibst Du geschmeidig, um Dein volles Potential zu entfalten und den kompletten „Bewegungsradius“ des Lebens und der Emotionen zu erfahren.

Wo hast Du Dich emotional in eine Schonhaltung zurückgezogen?
Wie könntest Du die Flexibilität wiedergewinnen?

Und wo ich das hier so schreibe — trifft das nicht alles auch irgendwie auf unsere Gedanken und Sichtweisen zu?

Also – Zeit für ein paar Dehnübungen – für den Körper, den Geist und das Herz – und dann ab ins Leben!

Sei gut zu Dir!
Deine Birgit

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