Mind the Gap

Foto: Pixabay

„Eigentlich wollte ich ja auf eine gesunde Ernährung achten, aber das ist so lecker!“

„Eigentlich hätte ich nein sagen sollen, als der Kollege mich um Hilfe gebeten hat – jetzt bin ich mit meinen eigenen Aufgaben wieder hinterher. Aber einfach nein sagen?“

Kennst Du sie auch, die „eigentlich – aber“ Sätze? Sie sind ein ziemlich sicheres Erkennungsmerkmal dafür, dass Du gerade die Mind-Behaviour-Gap erlebst.

Was ist die Mind-Behaviour-Gap?

Übersetzt ist die Mind-Behaviour-Gap die „Intentions-Verhaltens-Lücke“, also die Lücke zwischen dem, was Du weißt und tun möchtest und dem, was Du tatsächlich tust.

Dieses Phänomen wird seit Jahren untersucht – zuletzt besonders im Hinblick auf Konsumverhalten, z.B. bei Bio- und nachhaltigen Produkten. So haben etwa bei einer deutschen Studie* 60% der Befragten angegeben, dass sie lieber auf Wochen- und Biomärkten bzw. dem Bauernhof einkaufen – in 2018 haben die Deutschen ihre Nahrungsmittel aber großteils im Discounter eingekauft. Die Mind-Behavior-Gap ist also ein durchaus bekanntes Phänomen und – zugegegeben – kaum ein Mensch schafft es, diese Lücke komplett zu schliessen. Dennoch ist es empfehlenswert, sie möglichst klein zu halten.

Warum sollte sie möglichst klein gehalten werden?

Stell Dir vor, Du hast einen Freund, dem gemeinsame Treffen genauso wichtig sind wie Dir. Jedesmal, wenn Ihr zusammenkommt, ist die gemeinsame Zeit bereichernd und schön. Es gibt nur einen Haken: 80% der Treffen kommen nicht zustande, weil Dein Freund kurzfristig abspringt. Immer, wenn Ihr etwas vereinbart, freust Du Dich auf die gemeinsame Unternehmung und dann, kurz vorher – wieder nix.

Wir würde es Dir damit gehen? Was würdest Du über Deine Freundin/Deinen Freund denken? Was würde es auf lange Sicht mit der Vorfreude auf die Treffen machen? Wie „ernst“ würdest Du die geplanten Termine nehmen?

Und nun stell Dir vor, dieser Freund bist Du selbst. Du weißt, was Dir wichtig ist, planst entsprechend und dann stellst Du regelmäßig fest, dass Du Dich in einer Situation wiederfindest, in der Du eigentlich gar nicht sein wolltest. Du bist für andere unterwegs und machst schon wieder nicht, was Du vor hattest. Du spürst, dass es nicht richtig ist, und eine latente Unzufriedenheit macht sich breit. Höchstwahrscheinlich spricht hier Dein Unterbewusstsein zu Dir, weil es sich veräppelt fühlt.

Je öfter Dir das passiert, d.h. je größer die Mind-Behaviour-Gap ist, desto weniger authentisch gehst Du durchs Leben und umso mehr läufst Du Gefahr, folgende Symptome zu spüren:

  • Frust
  • sinkende Motivation
  • zunehmende Anspannung
  • sinkende Stresstoleranz
  • nachlassender Glaube an Deine Selbstwirksamkeit
  • Gefühl, in der „Opferrolle“ zu stecken, bis hin zu depressiven Verstimmungen
  • Verlust des Selbstwertgefühls

Was kannst Du also tun, um die Mind-Behaviour-Gap zu minimieren?

  1. Übernimm‘ Verantwortung: Du bist es, der/die nicht nach den eigenen Werten und Vorgaben handelt. Nicht die anderen sind schuld, dass Du es nicht tust, sondern in den allermeisten Fällen hast Du die Wahl, wie Du handelst und Dich verhalten möchtest. Wenn das Telefonat mit Deiner Freundin schon wieder viel zu lange geht, weil Du eigentlich noch was anders erledigen wolltest, dann geht es nicht so lange, weil sie so viel labert – sondern weil Du nicht (oder nicht klar genug) mitgeteilt hast, bis wann Du Zeit hast. Und wenn Du jetzt denkst „ja aber die Freundschaft ist mir doch auch viel Wert“ – in Ordnung – da sind wir dann schon bei Punkt …
  2. Klarheit: werde Dir bewusst, was Dir wichtig ist. Trenne klar Werte die „man haben sollte“ von denen, die wirklich DIR entsprechen. Welche drei Werte zeichnen Dich aus? Und mit welchem Verhalten setzt Du sie um?  Wie gehst Du mit Wertekonflikten um? Was hat Vorrang? Entscheide Dich bewusst! Und überprüfe diesen Punkt von Zeit zu Zeit.  Bleibe flexibel. Das Leben ändert sich, Umstände ändern sich – Du veränderst Dich. Vielleicht ist Dir in ein paar Jahren etwas anders wichtig? Das ist in Ordnung! Korrigiere. Wenn Du aber die Werte einmal etabliert hast, zeige…
  3. Integrität: Halte Deine Versprechen Dir gegenüber ein. Gestehe Dir ehrlich ein, wenn es nicht geklappt hat und überlege, was Du ändern musst, damit es zukünftig klappt (vielleicht ist Dir insgeheim ja doch etwas anderes noch wichtiger?). Bewahre so Deine Authentizität und den Respekt vor Dir selbst.
  4. Selbstwert: Sei es Dir selbst wert, zu Dir und Deinen Werten zu stehen und Deinen Weg zu gehen. Das ist nicht egoistisch. Im Gegenteil, Menschen, die mit sich selbst im Reinen sind und in sich ruhen, sind eine Bereicherung für ihre Umwelt! Je mehr Du  in Frieden mit Dir bist, umso mehr lässt das Gefühl nach, „für etwas kämpfen zu müssen“ – denn Du bist nicht mehr gegen jemanden unterwegs, sondern für Dich.

Ich wünsche Dir eine „lückenlose“ Woche, in der es Dir gelingt, möglichst viel von dem zu integrieren, was Dir wichtig ist.

Deine Birgit

*Studie des Hausgeräteherstellers Ritterwerk in 2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.