Emotionale Nacktheit

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Fühlst Du Dich manchmal von Deinem Gegenüber nicht verstanden?
Willst Du so gesehen und geliebt werden, wie Du bist?
Dann mal eine etwas provokative Frage: Zeigst Du Dich denn so, wie Du bist?

Wenn wir wirkliche Verbindung wollen, müssen wir es zulassen, wirklich gesehen zu werden.
– Brené Brown

Und den Mut haben, uns voll und ganz zu zeigen und einzulassen.

Dazu ist es notwendig, dass wir uns erstmal selbst bewußt darüber sind, was in uns vorgeht – und uns dann trauen, das auch zu äußern.
Mit guten Gefühlen gelingt uns das meist leicht.
Haarig wird es, wenn es uns nicht gut geht. Das Gefühl alleine ist schon blöd – und jetzt sollen wir uns so geschwächt auch noch verletzlich zeigen?

Gerne greifen wir dann auf Strategien zurück, die zwar so aussehen, als wenn wir über uns sprechen – in Wahrheit aber von uns ablenken. Sie sind verführerisch, denn sie versetzen uns kurzfristig in ein besseres Gefühl. Langfristig entfernen sie uns emotional aber immer weiter voneinander.

Eine dieser Strategien ist, unser Gefühl und die Kommunikation zu versachlichen. Statt „ich bin unsicher, was das bedeutet.“ sagen wir z.B. so etwas wie „die Situation läßt viele Fragen offen.“
Ich hatte da neulich so ein Aha-Erlebnis, als ich jemandem in einer Nachricht mitteilen wollte, wie es mir geht. Eine Freundin las, was ich geschrieben hatte und meinte: „Das klingt, wir ein Geschäftsbrief. Schreib doch mal wirklich darüber, was in Dir vorgeht – so wie Du es fühlst, nicht so formell. Mach Dich nackig.“
Erst habe ich’s gar nicht kapiert. Aber als ich die Nachricht nochmal durchlas, wurde mir schlagartig bewusst, was sei meinte. Wohldurchdacht formuliert. Um nicht zu sagen bis ins letzte Wort kontrolliert formuliert.
Und als ich anfing, umzuformulieren, merkte ich das Unbehagen in mir aufsteigen. Interessanter Moment – und sehr wertvoll, weil mir nicht nur bewusst wurde, was ich empfinde – sondern auch, wovor ich Angst habe.

Eine andere Strategie ist, dass wir unser schlechtes Gefühl in einen Vorwurf an den anderen verpacken.
Den anderen verantwortlich zu machen ist leichter, als sich verletzlich zu zeigen.
Gar nichts zu sagen und zu erwarten, dass der andere ja spüren muss, wie es einem geht, gehört übrigens auch in diese Kategorie.
Statt „Ich vermisse, dass Du Fragen stellst.“ sagen wir dann so etwas wie „Ich wünsche mir, dass Du mehr Interesse an mir zeigst.“ Ohne den anderen zu fragen, haben wir das Ausbleiben von Fragen als Desinteresse interpretiert. Wen wundert’s da, wenn unser Gegenüber eher defensiv als empathisch reagiert?

Dass es uns nicht leicht fällt, uns zu öffnen, ist normal und kann unterschiedliche Gründe haben:

  • Das Maß an Vertrauen, das wir zu den Bezugspersonen unserer Kindheit aufbauen konnten
  • Unser generelles Maß an Urvertrauen und Vertrauen ins Leben
  • Unser Menschenbild
  • Angst vor Zurückweisung
  • Angst vor Verletzung
  • Bisherige Erfahrungen

Aber ob wir diese Gründe als Rechtfertigungen heranziehen, um alles so zu lassen wie es ist oder ob wir uns trauen, den Schritt ins Unbekannte zu wagen und zu lernen, liegt an uns.

„Wer immer nur das tut, was er immer getan hat, wird nur das bekommen, was er immer bekommen hat. “
– Henry Ford.

Falls Du Dich in Deinen Beziehungen nach mehr Klarheit, Verbundenheit und Empathie sehnst, dann lohnt es sich, Dir diese drei Aspekte mal etwas genauer anzuschauen:

  1. Emotionales Selbst-Bewußtsein (Klarheit): Bist Du Dir bewusst, was Du fühlst? Was Du vermisst? Kannst Du es benennen? Kannst Du es annehmen?
  2. Mut zum Risiko: Hast Du den Mut, darüber zu sprechen? Und wenn ja ..
  3. Sprich von Dir: Wie äußerst Du es? Sprichst Du von Dir oder verfällst Du in eine der Strategien?

Es stimmt, sich öffnen, sich „emotional nackig zu machen“, macht Angst, macht verletzlich, ist ein Risiko.
Den Mut dazu zu haben, signalisiert Deinem Gegenüber aber auch Vertrauen.
Und genau dieses Vertrauen schafft wirkliche Nähe und echte, tiefe Verbindung.

Ich finde, dafür lohnt es sich.

Eine mutige Woche Dir.

Deine Birgit

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