Ich muss entspannter werden

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„Müssen“ und „entspannen“ in einem Satz – ein Widerspruch in sich, oder?
Kommt aber häufiger vor, als man denkt.

Wir sind uns bewusst, dass wir einen Ausgleich schaffen sollten zum stressigen Alltag, dass wir auf die Gesundheit achten sollten, genug Schlaf, viel trinken, gesund ernähren und, ach ja, Sport treiben. Und zwar nicht nur Ausdauertraining, damit das Herz stark bleibt, sondern auch was für die Kraft, damit wir die Haltung nicht verlieren.
Mach Summa Summarum mindestens drei Punkte mehr auf der täglichen To Do List.
Manchmal steht da auch noch Mediation drauf.
Und dann sitzen wir da, kommen nicht zur Ruhe, die Gedanken kreisen…

„Meditation ist nichts für mich. Ich streng mich so an, nichts zu denken, aber es klappt einfach nicht. Und dann sitze ich da und ärgere mich über mich selbst, dass ich das nicht hinbekomme.“ sagte neulich jemand zu mir.
Ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen. Zumal ich den Effekt selber kenne.

Da nehmen wir uns etwas vor, damit es uns besser geht, damit wir zur Ruhe kommen – und genau das Gegenteil passiert. Meist, weil wir die Leistungsprinzipien unseres beruflichen Alltags auch auf die Freizeit und unsere Entspannung übertragen. Und plötzlich stresst uns unser Anti-Stress-Programm.
Und wir sind z.B. im Yoga Kurs eben nicht total bei uns und achten auf unser Wohlbefinden und unsere Grenzen, sondern schielen zum Nachbarn auf der Matte nebenan, um zu prüfen, ob wir die Übung nicht vielleicht besser können.

Ich erinnere mich noch, als auch auf einen Halbmarathon trainiert habe. Das war in einer Zeit, in der ich beruflich sehr viel unterwegs war. Aber der Trainingsplan musste eingehalten werden, wenn ich mein Zeit-Ziel erreichen wollte. Was passierte war, dass mir das Laufen plötzlich keinen Spaß mehr machte, es war zu Pflicht, zum Zwang geworden. Einem Zwang, den ich mir selber auferlegt hatte. Am Ende war ich nach und durch die Laufeinheiten nicht fitter sondern noch ausgelaugter.
Den Halbmarathon bin ich trotzdem gelaufen – aber mir war klar: so wollte ich nicht weiterlaufen. Mittlerweile laufe ich wieder aus Freude. Regelmäßig, ja, aber so oft und so viel, wie ich möchte. Und ich habe Platz geschaffen für anderen Sportarten und Freizeitaktivitäten, die mir auch Spaß machen. Fühlt sich runder an. Flexibler. Lockerer. Entspannter.

Und manchmal mache ein Nickerchen, statt zu meditieren. Oder einen Spaziergang statt der Laufeinheit.
Mein Kompass für entspannende Entspannung ist meine innere Stimme geworden.
Die weiß zuverlässig, was jetzt gerade gut für mich wäre, was ich brauche. Es braucht nur Ruhe, um sie wahrzunehmen – und den Willen, auf sie zu hören.

Wie „planst“ Du Deine Entspannung?

Versuche doch in der kommenden Woche einfach mal, „neutrale“ Entspannungsinseln zu schaffen. Das können immer mal wieder ein paar Minuten zwischendrin sein, aber auch längere Phasen. Dann halte inne, atme bewusst, komme erstmal zur Ruhe und spüre in Dich rein, wonach Dir ist.

Folge dem ersten Impuls und sei (ge)entspannt, was passiert!

Auf eine entspannte Woche.

Deine Birgit

Beginne mit dem Ende im Sinn

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Für jemanden, der über Happiness und Wohlbefinden schreibt, mag dieser Artikel etwas ungewöhnlich sein.
Vielleicht auch nicht jedermanns Sache.
Aber ziemlich wirkungsvoll, wenn du Dich darauf einlässt.

Die Überschrift meines heutigen Artikels ist ein Zitat von Stephen R. Covey. Es kam mir in den letzten Tagen wieder in den Sinn, als ich mir Gedanken darüber gemacht habe, wem und was wir wieviel Raum und Zeit in unserem Leben einräumen.

Bei meiner kleinen Auszeit neulich bin ich auch an einem Friedhof vorbei gekommen und habe mich dort einfach mal eine Zeit lang auf einer Bank niedergelassen. Da waren viele Gräber von Menschen, denen das Leben 80 Jahre und mehr geschenkt hat. Aber auch eines von zwei Brüdern, die im Alter von 17 und 18 verstorben waren.

Spontan kam mir der Gedanke, dass wir oft leben, als hätten wir noch ewig Zeit.

Und dass wir uns mit unserer Endlichkeit nicht so gerne auseinander setzen. Aber wie soll ich einen „guten Zieleinlauf“ haben, wenn ich verdränge, dass irgendwann die Zielflagge wehen wird?

Das brachte dann gleich die nächsten Fragen hoch:

Was wäre ein „guter Zieleinlauf“ für mich?
Was, wenn die Flagge morgen wehen würde?
Oder in einem Jahr?
Was müsste passiert sein oder noch passieren, damit ich sagen kann, ich kann in Frieden gehen, ich hatte ein gutes Leben?
Und – wieviel davon passiert gerade in meinem Leben oder habe ich schon in die Hand genommen?

Zu schnell sind unsere Tage, Wochen und Jahre „voll“. Berufliche und private Verpflichtungen, allerlei Aktivitäten … Manches davon wählen wir bewusst, bei manchem habe wir keine Wahl und dann gibt es da noch die vielen Kleinigkeiten, die sich so heimlich reinschleichen.

Für mich war nach einigem Nachdenken klar, ich möchte am Ende möglichst wenig „Hätte-Ich-Doch“ übrig haben.

Die Frage ist doch: haben wir am Ende des Tages, der Woche, des Jahres den Menschen und Aktivitäten ausreichend Aufmerksamkeit und Zeit geschenkt, die uns wirklich wichtig sind?

Weißt Du, was Dir wichtig ist?

Um den Fokus für das „gute Leben“ richtig zu setzen, kann Klarheit in folgenden vier Aspekten helfen:

1. Was ist mir wichtig? – Kennst Du Deine Werte?

Dem, was Dir wichtig ist, kommst Du am besten über Deine Werte auf die Spur.  Werte sind eng verknüpft mit Deinen Überzeugungen, Idealen, Bedürfnissen und Deiner inneren Haltung. Sie sind  wichtig, um schnell nach unserer Definition richtige Entscheidungen treffen zu können und liefern uns Motivation und Orientierung. Stell sie Dir wir Leitsterne am Himmel vor. Immer da – auch wenn sich ab und zu mal eine Wolke davor schiebt. Wenn uns ein Leben im Einklang mit unseren Werten gelingt, fühlt es sich stimmig, richtig und gut an. Werte können sich im Laufe des Lebens aufgrund von Erfahrungen oder neuen Prioritäten (wie z.B. bei Elternschaft) auch ändern. Deshalb ist es gut, sie immer mal wieder zu überprüfen.

Deinen 3 wichtigsten Werten kannst Du mit folgender Audio Übung (in der Browseransicht) auf die Spur kommen:

Audio Übung zur Werte-Ermittlung

Eine Werteliste habe ich Dir ebenso beigefügt – ergänze Sie aber gerne, falls Deine Werte nicht aufgeführt sind:

Nimm Dir für die Übung ca. 10-15 Minuten Zeit.

Alternativ gibt es hier eine weitere Möglichkeit, Deine 3 wichtigsten Werte zu ermitteln:
https://einguterplan.de/werte-test

2. Wie lebe ich, was mir wichtig ist? – Woran kannst Du erkennen, dass Du Deine Werte lebst?

Wenn Du Deine wichtigsten Werte ermittelt hast, bist Du schon einen großen Schritt weiter. Nun sind die Werte auf dem Papier erst einmal nur große Worte. Die Frage ist aber, was bedeuten sie im täglichen Leben? Wie äußern sie sich?

Wenn Du 5 Personen fragst, wie sie z.B. Ehrlichkeit definieren, bekommst Du wahrscheinlich 5 verschiedene Antworten. Bedeutet Ehrlichkeit, immer alles zu sagen – egal welche Folgen es haben könnte? Bedeutet andererseits, etwas nicht zu sagen, unehrlich zu sein?

Hier ist es wichtig, dass Du Deine Definition findest.
Woran erkennst Du, dass Du Deine Werte lebst? In welchem Verhalten und Handeln spiegeln sich Deine drei Werte wieder? Mit wem oder was und wie müsstest Du Zeit verbringen, wenn Du den Fokus auf sie legst? Schreibe Dir für jeden Deiner Werte eine Definition und mindestens drei Verhaltensweisen / Handlungen auf

3. Wo stehe ich im Moment? – Hand auf’s Herz!

Die Frage ist jetzt: was davon findet schon so wie in Punkt 2 in Deinem Leben statt? Bei diesem Schritt ist es besonders wichtig, dass Du ehrlich zu Dir selbst bist – auch wenn es an der ein oder anderen Stelle vielleicht zu ernüchternden Erkenntnissen kommt … Diese Erkenntnisse sind wichtig, um mit Schritt vier Änderungen in die Wege zu leiten.

4. Was ist zu tun? – Segel setzen!

Mit Blick auf Schritt 2 und 3 sollte es nun einfach sein, Deinen Kurs – wenn nötig – so zu verändern, dass Du in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten Deinem „guten Leben“ ein bisschen näher kommst. Was willst Du ändern? Wem oder was willst Du mehr Zeit widmen? Was möchtest Du anders machen?

Mit dem Ende im Sinn zu starten mag ein ziemlich heftiger Ansatz sein – aber die Kräfte, die täglich an uns ziehen, sind auch nicht zu unterschätzen. Und nur, wenn wir uns wirklich klar sind, was uns wichtig ist und uns bewußt sind, dass wir nicht ewig Zeit haben, kommen wir ins Handeln – und in ein Handeln im Sinne dessen, was jeder von uns für sich als ein gutes Leben definiert.

Auf eine WERT-volle Woche!

Deine Birgit

Referenz: Stephen R. Covey, 7 Habits of Highly Effective People

Ehre Deine Narben und Fältchen

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Letzte Woche habe ich mir eine Auszeit genommen. Komplett offline, Handy aus und eintauchen in die Natur. Wandern mit Karte – so echt aus Papier 😉 –  und aufmerksames Wahrnehmen der Eindrücke um mich herum. Erstaunlich, wieviele Wegpunkte und Merkmale die Natur bereit hält, um sich daran zu orientieren.
Ein schönes und intensives Erlebnis.

Besonders beeindruckt hat mich auf einer meiner Touren ein stattlich gewachsener, sehr hoher, alter Baum. Ich glaube, es war eine Buche. Sie hatte einen Stamm, der so hoch war, dass ich meinen Kopf weit in den Nacken legen musste, um Ihre Blätterkrone zu sehen, die oberhalb der meisten Bäume um sie herum in der Sonne wiegte.

Was mich aber noch mehr beeindruckte, als die Größe dieses Baumes, war seine Rinde. Sie war dunkel und fest, mit Furchen, Erhebungen und Nischen. Die Spuren der Jahre und des Wetters hatten eine ungleichmäßige und dennoch harmonische Struktur auf ihr hinterlassen. Ich ließ meine Finger darüber gleiten und entdeckte, dass sich in den Furchen und Nischen Spinnen und andere Insekten ein Zuhause eingerichtet hatten.

Das ließ mich schmunzeln und daran denken, wie doch die Spuren, die das Leben hinterläßt, ihren Nutzen haben können.

Sind nicht auch die Narben und Fältchen, die wir uns im Laufe der Zeit zuziehen, ein Zeichen dafür, dass wir dem Leben ausgesetzt waren?

Und ist nicht mit jeder Narbe auch eine Erfahrung verbunden, aus der wir selber lernen konnten und die wir auch an andere weitergeben können – die uns also, trotz des Schmerzes, den wir vielleicht empfunden haben, als wir sie uns zuzogen, ein Stückchen weiser und stattlicher macht?

Natürlich möchte niemand sich bewußt Narben zuziehen oder Erfahrungen machen, die Schmerzen, graue Haare und Sorgenfalten bescheren.
Aber wenn wir uns wagen, uns dem Leben auszusetzen, uns dem Sturm und dem Feuer ebenso zu stellen wie dem Sonnenschein, dann bleiben die Folgen nicht aus. Ob sie uns allerdings älter oder lebendiger machen, liegt an uns.

Wenn es uns gelingt, versöhnlich und mit einem Schmunzeln auf die Spuren zu blicken, die unsere Erfahrungen hinterlassen haben, wenn wir sie als Zeichen dafür sehen, was wir alles geleistet und bewältigt haben und wir beginnen, dankbar für das zu sein, was sie uns gelehrt haben, dann werden sie plötzlich schön, die „Spuren des Lebens“ (an uns und an anderen!). Denn

„Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.“
Christian Morgenstern

Und oft gelingt es uns dann auch viel besser, mit den Ereignissen, die uns die Narben zugefügt haben, Frieden zu schließen, sie als Teil von uns anzunehmen, ohne uns länger darüber zu grämen oder sie als Rechtfertigung für weitere Ereignisse, die uns nicht gut tun, immer wieder aufleben zu lassen.

Lasst uns mit Liebe und Respekt auf die Furchen und Nischen in unserer körperlichen und seelischen Rinde schauen und den Erfahrungsschatz, den sie uns beschert haben, für uns und andere einsetzen.

„Der Sinn des Lebens liegt nicht in unseren Erwartungen an es, sondern in den Aufgaben, die es uns schickt.“
Victor Frankl

Auf eine sinnvolle Woche voller Leben!

Deine Birgit

Emotionale Nacktheit

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Fühlst Du Dich manchmal von Deinem Gegenüber nicht verstanden?
Willst Du so gesehen und geliebt werden, wie Du bist?
Dann mal eine etwas provokative Frage: Zeigst Du Dich denn so, wie Du bist?

Wenn wir wirkliche Verbindung wollen, müssen wir es zulassen, wirklich gesehen zu werden.
– Brené Brown

Und den Mut haben, uns voll und ganz zu zeigen und einzulassen.

Dazu ist es notwendig, dass wir uns erstmal selbst bewußt darüber sind, was in uns vorgeht – und uns dann trauen, das auch zu äußern.
Mit guten Gefühlen gelingt uns das meist leicht.
Haarig wird es, wenn es uns nicht gut geht. Das Gefühl alleine ist schon blöd – und jetzt sollen wir uns so geschwächt auch noch verletzlich zeigen?

Gerne greifen wir dann auf Strategien zurück, die zwar so aussehen, als wenn wir über uns sprechen – in Wahrheit aber von uns ablenken. Sie sind verführerisch, denn sie versetzen uns kurzfristig in ein besseres Gefühl. Langfristig entfernen sie uns emotional aber immer weiter voneinander.

Eine dieser Strategien ist, unser Gefühl und die Kommunikation zu versachlichen. Statt „ich bin unsicher, was das bedeutet.“ sagen wir z.B. so etwas wie „die Situation läßt viele Fragen offen.“
Ich hatte da neulich so ein Aha-Erlebnis, als ich jemandem in einer Nachricht mitteilen wollte, wie es mir geht. Eine Freundin las, was ich geschrieben hatte und meinte: „Das klingt, wir ein Geschäftsbrief. Schreib doch mal wirklich darüber, was in Dir vorgeht – so wie Du es fühlst, nicht so formell. Mach Dich nackig.“
Erst habe ich’s gar nicht kapiert. Aber als ich die Nachricht nochmal durchlas, wurde mir schlagartig bewusst, was sei meinte. Wohldurchdacht formuliert. Um nicht zu sagen bis ins letzte Wort kontrolliert formuliert.
Und als ich anfing, umzuformulieren, merkte ich das Unbehagen in mir aufsteigen. Interessanter Moment – und sehr wertvoll, weil mir nicht nur bewusst wurde, was ich empfinde – sondern auch, wovor ich Angst habe.

Eine andere Strategie ist, dass wir unser schlechtes Gefühl in einen Vorwurf an den anderen verpacken.
Den anderen verantwortlich zu machen ist leichter, als sich verletzlich zu zeigen.
Gar nichts zu sagen und zu erwarten, dass der andere ja spüren muss, wie es einem geht, gehört übrigens auch in diese Kategorie.
Statt „Ich vermisse, dass Du Fragen stellst.“ sagen wir dann so etwas wie „Ich wünsche mir, dass Du mehr Interesse an mir zeigst.“ Ohne den anderen zu fragen, haben wir das Ausbleiben von Fragen als Desinteresse interpretiert. Wen wundert’s da, wenn unser Gegenüber eher defensiv als empathisch reagiert?

Dass es uns nicht leicht fällt, uns zu öffnen, ist normal und kann unterschiedliche Gründe haben:

  • Das Maß an Vertrauen, das wir zu den Bezugspersonen unserer Kindheit aufbauen konnten
  • Unser generelles Maß an Urvertrauen und Vertrauen ins Leben
  • Unser Menschenbild
  • Angst vor Zurückweisung
  • Angst vor Verletzung
  • Bisherige Erfahrungen

Aber ob wir diese Gründe als Rechtfertigungen heranziehen, um alles so zu lassen wie es ist oder ob wir uns trauen, den Schritt ins Unbekannte zu wagen und zu lernen, liegt an uns.

„Wer immer nur das tut, was er immer getan hat, wird nur das bekommen, was er immer bekommen hat. “
– Henry Ford.

Falls Du Dich in Deinen Beziehungen nach mehr Klarheit, Verbundenheit und Empathie sehnst, dann lohnt es sich, Dir diese drei Aspekte mal etwas genauer anzuschauen:

  1. Emotionales Selbst-Bewußtsein (Klarheit): Bist Du Dir bewusst, was Du fühlst? Was Du vermisst? Kannst Du es benennen? Kannst Du es annehmen?
  2. Mut zum Risiko: Hast Du den Mut, darüber zu sprechen? Und wenn ja ..
  3. Sprich von Dir: Wie äußerst Du es? Sprichst Du von Dir oder verfällst Du in eine der Strategien?

Es stimmt, sich öffnen, sich „emotional nackig zu machen“, macht Angst, macht verletzlich, ist ein Risiko.
Den Mut dazu zu haben, signalisiert Deinem Gegenüber aber auch Vertrauen.
Und genau dieses Vertrauen schafft wirkliche Nähe und echte, tiefe Verbindung.

Ich finde, dafür lohnt es sich.

Eine mutige Woche Dir.

Deine Birgit

Abschalten

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Einst haben wir es zum Telefonieren benutzt – mittlerweile ist aus dem Mobiltelefon ein Smartphone geworden. Es ist Wecker, Buch, Notizbuch, Kalender, Taschenlampe, Navigationsgerät, Tageszeitung … die Liste lässt sich unendlich fortsetzen.

Es ist erstaunlich, was diese kleinen Geräte mittlerweile alles so können – und ich gebe zu, ich bin selber ein großer Fan unserer digitalen Spielzeuge.
Richtig genutzt können sie uns sicher Zeit sparen und unsere Effektivität steigern.
Allerdings laufen wir gleichermaßen Gefahr, dass sie unsere Zeit fressen.
Wie oft habe ich mich schon dabei erwischt, dass ich das Handy in die Hand genommen habe, weil ich eigentlich etwas notieren wollte – und mich vier E-Mails und sechs WhatsApp Messages später in Facebook wiederfand und dachte: was wolltest Du jetzt eigentlich?

Gerade in der heutigen Zeit, in der Informationen von überall her auf uns „einprasseln“ ist es sehr wichtig, ab und zu den Digi-Schirm aufzuspannen, um selbstbestimmt über unsere Zeit zu verfügen und bewusster zu entscheiden, welche Informationen wir wann konsumieren.

Wann, warum und wie oft greifst Du zum Handy?

Außerdem ist es manchmal ganz spannend zu beobachten, in welchen Situationen wir zum Handy greifen und warum.

Aus Langeweile?
Weil wir nach Bestätigung oder Bespaßung suchen? (z.B. wenn wir auf Antworten auf unsere Nachrichten warten und hoffen)
Oder ist es Ablenkung, weil wir die Situation, in der wir uns befinden, nicht mögen oder lieber woanders wären?

Ohne digitalen Filter mehr und bewusster erleben

Bewusst offline zu gehen kann also auch unsere Fähigkeit stärken, unangenehme Situationen anzunehmen (kein Ablenkungsmanöver mehr möglich – zumindest nicht mit dem Handy …). Vor allem aber schärft es unsere Wahrnehmung, weil der Fokus auf das Hier und Jetzt in der analogen Welt einfach leichter fällt, wenn wir nicht vom digitalen Spielzeug abgelenkt werden.

Der Weg lässt sich bewusster wahrnehmen (und auch merken!) wenn wir nach Straßenschildern und Wegpunkten schauen – und uns nicht alleinig vom Navi führen lassen.
Ein Gespräch mit meinem Gegenüber ist so viel fokussierter, wenn ich dabei nicht das Handy auf dem Tisch liegen habe.
Die Schönheit und Details der Natur lassen sich mit dem bloßen Auge und allen Sinnen viel besser genießen und abspeichern, wenn da keine Kameralinse dazwischen ist.
Es lässt sich viel besser mit Menschen in Kontakt kommen, wenn man echte Personen nach dem Weg fragt – und nicht Google.

Abschalten bewußt planen

Probier‘ es doch einfach mal aus.
Du musst ja nicht komplett auf die wundervollen Funktionen Deines Handys verzichten. Aber wie wäre es mit geplanten und bewussten Offline-Zeiten?

Platziere Dein Handy z.B. zuhause an einem festen Ort. So kannst Du der Versuchung widerstehen, ständig drauf zu schauen.
Lege es dort z.B. von abends, x Uhr bis morgens, y Uhr ab. (Und dieser Ort sollte nicht Dein Schlafzimmer sein.)
Oder lass‘ das Handy z.B. beim Spaziergang mit dem Hund bewusst zuhause.
Falls Du keinen Hund hast, dann nimm Dir vor, es zu einem anderen Anlass auszuschalten oder beiseite zu legen – z.B. beim Essen (auch und besonders, wenn Du alleine bist!)
Und wenn Du mutig und neugierig bist, dann probier‘ doch im nächsten Urlaub mal aus, das Handy ein oder zwei ganze Tage nicht zu benutzen – und staune, wie es Dir damit geht und was passiert.

Solltest Du Dich über einen längeren Zeitraum ausklinken, so empfliehlt es sich, Dir nahestehenden Personen Bescheid zu geben, damit sie sich keine Sorgen machen. Immerhin erwarten wir mittlerweile häufig innerhalb von mindestens 24 Stunden Antwort vom anderen.

Und jetzt – wie Peter Lustig aus „Löwenzahn“ immer zu sagen pflegte (damals galt das noch für den Fernseher!) – „Ihr wißt schon – Abschalten!“

Denn: Abschalten beginnt mit dem Abschalten.

Klink Dich aus und genieße die Freiheit!

Deine Birgit

Die Fliege am Fenster

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Ich liebe es, im Sommer die Fenster und Türen offen zu lassen. Frische Luft in der Wohnung, das Draußen ein bisschen nach drinnen holen.

Leider trifft das auch auf allerlei Getier zu, dass dann im Laufe des Tages durch meine Räume fliegt.
Als ich dann neulich einer Fliege in meiner Küche dabei zusah, wie sie beim Versuch, wieder nach draußen zu gelangen, immer und immer wieder am schräg gestellten Fenster abprallte, obwohl die Terrassentür direkt daneben weit offen stand, habe ich mich ertappt gefühlt.

Geht es uns nicht manchmal auch so?

Voller Überzeugung von etwas holen wir uns eine blutige Nase. Das muss doch klappen. Der muss mich doch verstehen. Das ging doch beim letzten Mal auch. Und anstatt innezuhalten, zu überlegen, zu lernen, zu hinterfragen machen wir gleich nochmal einen Anlauf. Vielleicht klappts ja, wenn wir nur kräftiger einschlagen? Oder öfter? Oder überzeugter?

Manche Fliegen schaffen es nicht.
Sie liegen dann am Morgen danach der Erschöpfung erlegen auf meinem Fensterbrett.
Es ist aber nicht so, dass alle Fliegen das selbe Schicksal erleiden.
Es gibt auch erfolgreiche.
Das sind meistens die, denen es gelingt, sich vom Fenster zu lösen und mal eine große Runde durch den Raum zu drehen. Oft fliegen sie direkt danach durch die offene Tür wieder nach draußen.

Vielleicht ist es Zufall.
Ich mag aber den Gedanken, dass es ihnen gelingt, weil sie es geschafft haben, ihren Blick zu weiten, sie Situation aus einer anderen Perspektive zu sehen und sich von ihrer Überzeugung zu lösen.

Wo holst Du Dir aufgrund von festsitzenden Überzeugungen noch regelmäßig eine blutige Nase? Läufst mit engem Blick immer wieder gegen die selbe Wand und übersiehst, dass die offene Tür nur einen Meter entfernt ist?

Lass uns schlauer sein als die Fliegen an unserem Fenster.

Eine perspektivreiche Woche Dir!

Deine Birgit

Schwellenangst

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Und plötzlich ist sie da, diese Enge, diese Beklommenheit. Von jetzt auf nachher. Du weißt gar nicht, wo sie herkommt. Mitten in einem wundervollen Erlebnis, eben noch total begeistert, voller positiver Energie, mit Leichtigkeit, Zuversicht und voll in Deiner Kraft zu neuen Ufern gestürmt – merkst Du plötzlich, dass Dich etwas bremst, merkst Du, wie Du verkrampfst.
Zweifel kommen auf.

Die Angst klopft an.

An dieser Stelle schnappen wir oft und gerne wieder zurück und denken „Ja, wenn es sich plötzlich so übel anfühlt, habe ich mich wohl getäuscht, dann ist das wohl doch nichts.“
Wir lassen die Angst ans Steuer und kehren brav zurück auf bekanntes Terrain, wie ein kleines Kind, das „zur Vernunft gebracht wurde“. „Ja stimmt, war eigentlich ne blöde Idee …“

Beispiele gibt es viele:

Du verstehst es nicht!…
Du wolltest diesen Job, die perfekte Möglichkeit, Dich weiterzuentwickeln – und eine super Passung für Deine Talente und Erfahrungen. Du hast im Bewerbungsprozess alles gegeben, überzeugt davon, dass Du es wuppst. Du hast ihn bekommen, den Job – und nun stehst Du vor Deinem ersten großen Projekt und bekommst weiche Knie, fühlst Dich überwältigt. Du beginnst, Dich zu fragen, ob Du Dich überschätzt hast, ob es das Richtig ist …

Jahrelang hast Du gehofft, dass Du ihm eines Tages begegnest – dem einen Menschen, mit dem Du Dich verbunden fühlst, mit dem Du durchs Leben gehen möchtest. Und nun steht er/sie vor Dir und  Du kannst es kaum fassen – es fühlt sich genauso an, wie Du es Dir immer vorgestellt hast! Es ist unbeschreiblich, es ist wundervoll — und plötzlich ist da diese Panik. Du kapierst es nicht…

Angst ist spannend, vielschichtig und wichtig. Ich bin der Meinung, wir machen sie uns noch immer viel zu wenig zu Nutze.
Sie ist eine der Emotionen, die wir am liebsten vermeiden wollen. Und wenn es uns dann trotz aller Kontrolle, Vorsorge und Abwägung nicht gelungen ist, stehen wir vor ihr wie Rehe im Scheinwerferlicht. Total gelähmt. Können es kaum aushalten (haben ja auch nicht so viel Übung darin). Wollen, dass sie wieder verschwindet. Schnell.
Aber sie wird weder schnell verschwinden noch fort bleiben.
Sie wird immer wieder kommen, so lange, bis wir lernen, mit ihr in Dialog zu gehen. Denn wie alle Emotionen ist auch die Angst ein wichtiger Anzeiger mit verschiedenen Funktionen. Ihre Hauptaufgabe ist wohl, uns zu schützen, davor zu bewahren, etwas zu tun, was uns schaden könnte. Auf sie zu hören kann manchmal lebensrettend sein.
Im Prinzip sind Ihre Begrüßungsworte meist:
„Das hatten wir schon, lass die Finger davon, das hat letztes Mal weh getan.“ oder: „Achtung! Wir betreten unbekanntes Gebiet. Keine Erfahrungswerte. Das ist neu, ich kann Dir nicht helfen! Risiko!!“

Ich möchte Dich dazu einladen, über ihre Begrüßung hinaus zuzuhören. Sie willkommen zu heißen, ihr Fragen zu stellen. Sie hat so viel zu sagen!
Lass sie rein – wenn Du sie ignorierst, wird ihre Empörung sie lauter werden lassen. Lade sie ein, halte sie aus, hör ihr zu – aber übergib ihr nicht das Steuer. Und halte es für möglich, dass sie hier und da vielleicht ein bisschen übertreibt in ihren Schilderungen. Sie ist eine kleine Dramaqueen, die Dich nur schützen will.

Und dann freue Dich – denn wenn sie da ist bedeutet es auch: Du stehst an einer Schwelle!
Ende der Komfortzone.
Es gibt eine Möglichkeit, Dich weiter zu entwickeln. Mit alten Vorurteilen aufzuräumen oder Deinem Fundus neue Erfahrungswerte hinzuzufügen – wenn es Dir gelingt, Klarheit zu erlangen, warum sie da ist und wo die „Verkrampfung“ herkommt.

Zum Abschluss vielleicht noch ein Bild:

Ich fahre Motorrad. Das Coolste am Motorradfahren sind die Kurven. Und wenn Du die Strecke nicht kennst, ist jede Kurve ein neues Erlebnis – aber natürlich auch ein gewisses Risiko.
Wenn Du Glück hast, gibt es vor der Kurve Schilder oder Kurvenmarkierungen, die Hinweise auf die Kurvenführung geben. Aber eben nur Hinweise. Die Schilder sind immer die selben – und können der Unterschiedlichkeit der Kurven nicht gerecht werden!
Ich habe schon wegen Schildern vor Kurven gebremst – um dann in der Kurve zu denken „Warum stand da dieses Schild?“. Während ich in andere reingefahren bin, den kalten Schweiß auf der Stirn und denkend: „Da wäre das Schild jetzt mal angemessen gewesen!“

Deine Angst ist wie so ein Verkehrsschild: Ein Hinweis, der nichts über die bevorstehende Situation aussagen kann – sondern nur über Deine Vergangenheit.
Nimm es war – aber bleib nicht davor stehen. Nimm es ernst, atme durch, bleib locker, fahr weiter und wende Deinen Blick der Straße zu, der Realität, wie sie sich Dir zu Füßen legt – und sei offen, zu einer anderen Einschätzung zu kommen als Dein Warnschild.
Nur so wirst Du in Zukunft die Vielfalt der Kurven – und Erfahrungen im Leben – genießen können.

Gute Fahrt!

Deine Birgit  

Wer hat nur dieses Erwachsenwerden erfunden?

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Ist schon irgendwie komisch.
Wenn ich  Trainings oder Seminare konzipiere, bei dem es darum geht, kreativ zu sein, ist die größte Aufgabe erst einmal, unser Gehirn in einen „verrückten“ Zustand zu bringen  — damit unkonventionelle Gedanken und Ideen überhaupt Lust haben, sich zu zeigen.
Und regelmäßig entdecke ich dabei, wie sehr wir doch unseren Freigeist in ein Korsett aus Vernunft und Konventionen gepackt haben. Manchmal finden wir nicht einmal mehr den Knopf, um es zu öffnen!

Wer Kinder hat, weiß um den Zauber, die Welt durch Kinderaugen zu sehen. Naiv, neugierig, verspielt, verrückt – fasziniert von Dingen, die wir später nicht mehr annähernd so wahrnehmen können, weil wir sie analysiert, seziert und erklärt haben. Faszination Ende.
Weil wir gesagt bekommen, wie die Welt funktioniert und was „man macht und was nicht.“
Wenn es uns dann nicht gelingt, ab und zu aus diesem Rahmen auszubrechen, werden wir immer wieder mit den selben Lösungen vor den selben Problemen stehen — egal wie sehr wir uns auch anstrengen.
Denn Anstrengung oder „mehr vom selben“ ist oft nicht die Lösung.
Besonders in verrückten Zeiten wie diesen werden wir mit Schablonendenken nicht weiterkommen.
Wir wäre es, wenn wir uns ein bisschen kindliche Verrücktheit bewahren?
Sie kultivieren?
Sie genießen?
Das lässt einen nämlich nicht nur auf neue Ideen kommen sondern macht obendrein auch noch glücklich und lebendig.

Wann hast Du das letzte Mal das Gefühl gehabt, das Leben zu spüren? Von ihm durchdrungen zu werden – mit allem Konsequenzen?
Wann hast Du Dich das letzte Mal so richtig locker gemacht?
Etwas getan, worauf Du Lust hast – egal, ob „man“ das macht oder es vernünftig ist?
Deinen Gefühlen freien Lauf gelassen (bist Du noch in Kontakt mit ihnen?) – losgelassen.

Dabei geht es nicht darum, rücksichtslos Dein Ding durchzuziehen, dauerhaft verrückt zu spielen oder Dinge aus Prinzip anders machen zu wollen (auch eine Schablone …).
Es geht um eine Prise Übermut und Ausgelassenheit in der Suppe des Lebens.

Ja, iss doch mal mit den Fingern.
Oder mach die Gartenarbeit mal ohne Handschuhe, spüre die Erde, rieche sie.
Lass einen lauten Freudenschrei los, springe, tanze, singe! (Natürlich in der Öffentlichkeit :-))
Tue fremden Menschen einfach spontan etwas Gutes – hinterlasse z.B. beim Bäcker zwei Euro mehr – für den nächsten Kunden.
Oder pack Dir Musik auf die Ohren und singe laut mit.
Ziehe zwei verschiedene Paar Schuhe oder Socken an – einfach, weil Du Dich nicht entscheiden konntest – oder geh barfuß.
Besetze die Schaukeln auf dem Kinderspielplatz, lass den Schirm bei Regen zuhause ….

Oder wie sieht Deine Ausgelassenheit aus?
Da fällt Dir doch bestimmt was ein!
Höre in Dich rein.
Sei spontan.
Und dann staune, was mit Dir passiert.

Ja, Du wirst ziemlich sicher komisch angeschaut – na und?
Wenn Du mit vollem Herzen dabei bist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Du andere ebenfalls zum Leben anstiftest 🙂

Und falls Du merkst, dass Dir der Kontakt zu Deinen Emotionen vor lauter Kontrolliertheit, Vernunft und sozialer Angepaßtheit verloren gegangen ist, versuche es mal hiermit:
Halte mehrmals am Tag kurz inne und spüre in Dich hinein. Versuche, zu beschreiben, wie es Dir geht, was Du fühlst. Sprich es aus.
Und falls es ein unangenehmes Gefühl ist, nimm es an und dann benenne, was Du gerne anstelle dessen fühlen würdest.
Das ist ein Anfang.

Warte nicht damit, das Leben zu spüren, zu geniessen zu leben. Nachgewiesenermaßen sagen die meisten Menschen auf dem Sterbebett, dass sie nicht bereuen, was sie gemacht haben – sondern, was sie nicht gemacht haben.

Wäre doch schade, wenn wir schon aufhören zu leben, bevor wir tot sind, oder?

Eine verrückte Woche Dir – genieße Sie !

Deine Birgit

Zwei Schwestern

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Liebe/r Leser/in,
der heutige Artikel kommt etwas anders daher. Meine letzte Geschichte ist schon eine Weile her – mir war wieder einmal danach.
Viel Spaß beim Lesen und inspirieren lassen!
Birgit

Zwei Schwestern wachten eines Morgens auf, sahen aus dem Fenster und freuten sich über den strahlenden Sonnenschein, den blauen Himmel und den milden, frühen Sommerwind, der ins Zimmer blies. Sie sahen sich an und wussten: ein perfekter Tag um nach draußen zu gehen!

Während die eine kurz im Bad verschwand, dann ihr Sommerkleidchen überwarf und die Haustür hinter sich zuzog, stand die andere noch vor dem Kleiderschrank.

Was anziehen?
Wie warm würde es werden?
Sie nahm ihr Handy und checkte die Wetterapp.
Sah gut aus.
Aber wenn die sich wieder einmal täuschten? Wenn Regen aufzog?
Dann doch lieber geschlossene Schuhe. Falls sie Waldwege gehen würde, eh besser.
Aber wenn sie dann irgendwo einkehren würde, wären etwas eleganter Schuhe besser.
Und vielleicht ein Pulli, falls es nach dem Regen kühler wird?
Schirm oder Regenjacke?
Und Sonnencreme, falls es nicht regnen sollte.

Sie begann, alles zusammen zu sammeln und auf dem Bett zu drapieren.
Vielleicht auch noch eine Flasche Wasser und eine Kleinigkeit zu essen?
Man weiß ja nie!

Sie ging in den Keller, um eine passende Tasche zu suchen. Es war bereits einige Zeit vergangen. Als sie wieder nach oben in die Wohnung kam und aus dem Fenster sah, hatte der Regen eingesetzt. Ganz toll, dachte sie, alles umsonst! – und begann, Ihre Ausrüstung wieder zu verräumen.

Auf dem erneuten Weg in den Keller kam ihr ihre Schwester völlig durchnäßt im Treppenhaus entgegen und sie sagte: „Du Arme! Bist Du voll in den Regen gekommen? Wie war es?“

Und ihre Schwester antwortete:

„Es war wunderbar! Ich habe mich auf der Wiese in die Sonne gelegt, den Wind auf meiner Haut genossen, bin barfuß über Waldboden gewandert, habe Beeren gepflückt und eine Quelle entdeckt, meine Füße in den See gestreckt und auf dem Rückweg im warmen Sommerregen getanzt!
Was machen wir heute Abend?“

Wieviel brauchst Du wirklich?

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Wir können uns glücklich schätzen.
Wir haben so ziemlich alles so ziemlich sofort zur Verfügung.
Nicht nur Dinge, die lebensnotwendig sind, wie Wasser und Nahrungsmittel. Auch alles andere. Und wenn es der Laden um die Ecke nicht hat, bestelle ich es halt im Internet.
Und meistens gibt’s dann nicht nur eine Variante.
Neulich stand ich vor dem Kühlregal einer größeren Supermarkt-Kette und wollte eigentlich nur einen Liter Vollmilch kaufen – und hatte die Auswahl zwischen sage und schreibe 8 verschiedenen Sorten.
Wer da nicht schon von vornherein weiß, was er will, verbringt länger mit dem Kauf von einem Liter Milch als es gedauert hat, sie zu melken 😉

Ist mehr also immer gut?

Mehr Auswahl haben, bedeutet, mehr Entscheidungen zu treffen.
Um gute Entscheidungen zu treffen, brauche ich mehr Informationen.
Um mehr Informationen zu bekommen, brauche ich mehr Zeit.
(Ich kann natürlich auch einfach ins Blaue greifen oder der Konsumberatung folgen- die freut sich ;-))

Mehr Dinge haben hat oft ähnliche Folgen.

Mehr haben heißt sich um mehr kümmern zu müssen.
Mehr putzen, mehr Instand halten, mehr versorgen.
Mehr Zeit investieren.
Einen schönen Garten zu haben ist wunderbar. Es heißt aber auch regelmäßige Gartenarbeit. Oder noch mehr zu brauchen – nämlich einen Gärtner.
Dann muss ich mich nicht mehr um den Garten kümmern, aber darum, dass ich den Gärtner bezahlen kann – und vielleicht habe ich dann weniger Zeit, im Garten zu sitzen?
Je mehr ich mir leisten möchte oder mir leiste, umso mehr muss ich leisten.

Bedeutet viel haben zu können dann tatsächlich mehr Freiheit?

Ich bin kürzlich umgezogen.
Bei so einem Umzug wandert in der Regel alles, was man hat, nochmal durch die eigenen Hände.
Ich dachte, ich hätte nicht viel „Zeugs“ – war aber dann doch erstaunt, wie oft ich mir die Fragen „brauche ich das noch?“ und „soll das mit umziehen?“ gestellt habe. Und stolz auf mich, wie oft ich sie Nein beantwortet habe.
Ja, der Moment des Loslassens ist seltsam – aber danach fühlte ich mich so viel freier und leichter.
Ebenso mit den Möbeln in meiner neuen Wohnung. Es ist noch nicht alles eingerichtet und ich stelle mir nun die Frage: wieviel Möbelstücke brauche ich eigentlich wirklich?
Was, wenn ich einfach mal mehr Raum lasse?

Raum ist in meinen Augen heutzutage genauso Luxus geworden, wie Zeit.
Also, lass uns dafür sorgen, dass wir unserem Leben mehr Raum und Zeit geben.
Einfachheit im Außen macht auch den Kopf frei.
Es ist noch kein Meisterwerk auf einer bereist vollgekritzelten Leinwand entstanden.

Wo in Deiner Wohnung (oder Deinem Leben) könntest Du ausmisten oder Dich von etwas trennen, um Dich leichter zu fühlen? Um Raum zu schaffen?

Gibt es da dieses Regal im Keller …?
Oder noch Bücher aus dem Studium …?
Oder den „brauche-ich-vielleicht-nochmal-Schrank“?

Man kann sich übrigens auch von Gewohnheiten, Gedanken oder Menschen verabschieden, die einem nicht gut tun.

Weniger ist mehr.
Geh’s an.
Und wenn Du die passende Musik dazu brauchst: Hier der Song zum Blog Eintrag:

Silbermond «Leichtes Gepäck» – SRF 3 Live Session

Und dann genieße die Leichtigkeit mit den verbleibenden 1% – und den Freiraum, den Du für Neues geschaffen hast.

Denn wie sagte eine liebe Freundin neulich zu mir:
„Wo kein Platz zum Wachsen ist, da kann nichts gedeihen.“

Einen leichten Sonntag Dir.

Deine Birgit