Den Monkey Mind beruhigen mit der 5-4-3-2-1 Methode

Allen guten Vorsätzen und Plänen zum Trotz, wenn uns der Alltag und die Realität einholen, ist Stress häufig unvermeidlich. Und ehe wir uns versehen sind wir mitten drin. Nicht selten beginnt dann zeitgleich eine Gedankenspirale: was wir noch alles erledigen müssen, woran zu denken ist, dass wir eigentlich zu wenig Zeit dafür haben, wir wir das alles schaffen sollen, und warum überhaupt immer wir an alles denken müssen, und was passiert, wenn wir es nicht rechtzeitig schaffen, warum das schon wieder so viel ist, und wie ärgerlich das ist, und eigentlich war das ja alles anders geplant, und schon wieder keine Zeit für Sport oder Freunde treffen – toll.

Dieser Zustand des „Monkey Mind“ – wenn, wie ich gerne sage, unsere Gedanken mit uns Gassi gehen – versetzt unser gesamtes System in einen hochgradig angespannten Zustand, der nur ein Ziel hat: schnell weg von der Bedrohung, raus aus der Situation, die solche Gedanken verursacht. Was wir spüren ist Überforderung und einen „engen Geist“, der in diesem Moment keinerlei Kapazitäten hat, geeignete Lösungen zu entwerfen. Also kein Ende der Gedankenspirale in Sicht.

Wie aber können wir nun einen Zustand generieren, der uns ermöglicht, die Situation in die Hand zu nehmen und passende nächste Schritte zu planen?

Wie den Geist beruhigen, damit er wieder kreativ und lösungsorientiert wird?

Eine Methode, die gut dabei helfen kann, ist die 5-4-3-2-1 Übung, die ursprünglich aus der Trauma-Therapie kommt.

Wenn Du merkst, dass Deine Gedanken nicht aufhören wollen, zu kreisen sage innerlich STOP! Dann….

  1. Zähle 5 Dinge auf, die Du gerade siehst.
  2. Lenke Deine Aufmerksamkeit dann auf Dein Gehör und zähle 5 Dinge auf, die Du gerade hörst.
  3. Anschließend konzentriere Dich auf 5 Dinge, die Du fühlst und benenne sie.
  4. Beginne von vorne und praktizieren 4 weitere Runden: 4 Dinge, die Du siehst, 4 die Du hörst und 4 die Du fühlst. 3 die Du siehst, 3 die Du hörst, 3 die Du fühlst usw.

Die Übung hilft Deinen Gedanken, ins Hier und jetzt zu kommen und Dir, die Spannung loszulassen.

5 4 3 2 1 – lasse los.

Auf eine Woche mit wenigen Gedankenspiralen und viel Achtsamkeit,

Deine Birgit

Use it or lose it – CARs

Foto: Pixabay

Unser Körper ist ein clever Kerlchen: er versucht stets, Abläufe zu optimieren und Energie zu sparen. Dazu gehört auch das Prinzip: „use it or lose it“. Wenn wir verschiedene Funktionen über einen gewissen Zeitraum nicht nutzen, beschließt unser Gehirn, die Weiterentwicklung in diesem Bereich einfach einzustellen, um die Energie einzusparen oder für andere Bereiche zu nutzen. Dies gilt sowohl für physische als auch für mentale Funktionen. Wenn wir z.B. einen gewissen Bewegungsablauf längere Zeit nicht mehr durchführen, wird er immer schwerer bis hin zu unmöglich. So entstehen Schonhaltungen oder eingeschränkte Bewegungsradien unserer Gelenke. Wer schon einmal über einen längeren Zeitraum einen Gips tragen oder Gelenke ruhig stellen musste wird wissen, wovon ich rede. (Obacht, gleiches gilt für Denkprozesse und unser Hirn ;-))

Wenn ich bei meinen Trainings für Hotelmitarbeiter erwähne, wie wichtig Bewegung ist, höre ich oft: „Wir sind doch eh den ganzen Tag auf den Beinen“. Fakt ist aber, dass wir im Alltag oft die selben Bewegungen durchführen – und andere dafür gar nicht. So entsteht schnell ein Ungleichgewicht im Bewegungsapparat. Unbewusste Ausgleichsbewegungen sorgen dann für Verspannungen und Beschwerden.

Um Bewegungseinschränkungen vorzubeugen und den größtmöglichen Bewegungsradius unserer Gelenke möglichst lange zu erhalten, gibt es CARs – Controlled Articular Rotations, oder Kontrollierte Gelenkrotationen. Diese Übungen erfordern wenig Ausdauer, aber viel Konzentration. Es geht um die bewußte und langsame Ausführung der Bewegungen. Manche Gelenke, die wir sonst gerne automatisch miteinander bewegen, werden dabei auch einmal unabhängig voneinander bewegt. Das Körperbewußtsein steigt und die Gelenk-Knorpel werden durch die regelmäßige Bewegung mit Gelenkflüssigkeit „genährt“ und bleiben so geschmeidig.

Einmal erlernt, läßt sich die Bewegungsfolge auch spielend leicht in die Morgenroutine integrieren.

Am besten gleich einmal ausprobieren:

Bleib geschmeidig und beweglich – in Kopf und Körper!

Deine Birgit

Das Streben nach Glück 2 – die Happy List

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„Glück ist ein Marathon, kein Sprint“ schrieb ich letzte Woche.

Und Glück ist eher flüchtig, mag ich ergänzen. Ich sehe Glück als ein eher punktuelles Gefühl, hervorgerufen durch Ereignisse, Umstände, mein Handeln, meine Interpretation dessen, was passiert – also auch meinen eigenen Zustand. Besonders viel haben wir wohl davon, wenn wir uns freuen, dass das Glück zu uns kommt, es genießen, solange es verweilen mag und es dann wieder gehen lassen. Glück wird unglücklich, wenn wir versuchen, es „an die Leine zu legen.“

Dennoch gibt es eine Möglichkeit, das Glück immer mal wieder einzuladen: wenn wir uns bewusst werden, was uns glücklich macht und Freude bereitet. Zum einen trainieren wir so, unseren Fokus auf die erfreulichen Dinge im Alltag zu lenken. Zum anderen leisten wir damit aber auch einen Beitrag zur Selbstfürsorge. Wenn ich weiß, was mir Freude bereitet, kann ich mir bewusst Gutes tun. Deshalb möchte ich Dich dazu einladen, Dir eine „Happy List“ zu erstellen.

Achte diese Woche ganz bewusst darauf, was Dich glücklich macht, Dir ein Lächeln ins Gesicht zaubert oder Dich irgendwie anders in einen guten Zustand versetzt. Halte diese Momente fest. Das kannst Du z.B. wie folgt tun:

  1. Notiere sie ganz klassisch auf Papier
  2. Erstelle eine Liste in einer App in Deinem Handy oder im PC
  3. Suche Dir Bilder der Dinge und Momente, die Dich glücklich machen und klebe Sie an Deinen Kühlschrank, Whiteboard etc.
  4. Male selbst ein Bild oder eine Mindmap mit Symbolen, Zeichnungen etc.
  5. Mach eine Sprachnotiz: „Was mich glücklich macht und Freude bringt: …“

Wo und wie auch immer Du Deine Happy List festhältst: sie sollte schnell wieder auffindbar und verfügbar sein. So kannst Du sie regelmäßig zur Hand nehmen und sie auch an „wär-ich-doch-im-Bett-geblieben-Tagen“ als Notfall-Liste verwenden.

Zusätzlich zu dem, was Dich in der kommenden Woche glücklich macht, kannst Du sie natürlich noch ergänzen mit Antworten auf die folgenden Fragen:

  • Was zaubert mir unmittelbar ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich daran denke?
  • Was hat mich als Kind glücklich gemacht?
  • Was waren große Glücksmomente in meinem Leben?

Auf Deiner Happy List kann alles mögliche zusammenkommen, z.B.

  • bestimmte Filme
  • bestimmte Musik
  • unter der Dusche oder im Auto laut singen
  • Barfuß laufen
  • Hund streicheln
  • etwas Neues ausprobieren
  • ein spezielles Essen
  • ein spezielles Getränk
  • besondere Menschen
  • eine bestimmte Tätigkeit / Arbeit

Natürlich kannst Du die Liste auch über die kommende Woche hinaus weiter ergänzen. Viel Freude dabei und – ist es nicht schön, wie einfach wir manchmal glücklich sein können?

Stay happy,

Birgit

PS: das heutige Artikelbild habe ich übrigens gewählt, weil auf meiner Liste ziemlich viele Einträge das Wort „Hund“ beinhalten 😉

Das Streben nach Glück – Teil 1 – Aus Überraschung wird Erwartung

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… und was gestern noch Freude in mir ausgelöst hat wird morgen schon als gegeben hingenommen.

Das Phänomen der hedonistischen Anpassung wirft die Frage auf, ob und wie wir dauerhafte Zufriedenheit erlangen können.

Einfach formuliert kann man dieses Phänomen auch als „Gewöhnungsmechanismus“ bezeichnen. Hierzu gibt es zahlreiche Studien die belegen, dass das Glücksgefühl nach einer Hochzeit ebenso der Gewohnheit weicht, wie die Freude über den neuen Job oder den Lottogewinn.*

Aus meiner Tätigkeit in der Hotellerie kenne ich dieses Thema gut. Es ist mir immer wieder begegnet, wenn wir uns darüber unterhalten haben, wie man einen Kunden positiv überraschen kann. Nicht selten hörte ich kurz darauf: „Wenn ich dem Kunden diesmal XY gewährleiste oder schenke, wird er es das nächste Mal erwarten.“

Auch im Privaten ist das Phänomen bekannt: die Begeisterung über eine Neuanschaffung währt maximal so lange, bis man allen davon erzählt hat. Irgendwann ist der Gegenstand – sei es der Fernseher oder das Handy – in den Alltag integriert und selbstverständlich.

Der atemberaubende neue Urlaubsort erscheint beim zweiten und dritten Besuch in ganz anderem Licht – bestenfalls immer noch schön, das Gefühl des ersten Mals lässt sich so aber oft nicht wiederholen. Letztlich treibt dieses Phänomen unsere Konsumgesellschaft an und ist Futter für die Werbung, die uns täglich sagt, was wir noch alles brauchen, um uns besser und glücklich zu fühlen.

Die hedonistische Anpassung hat zwar auch ihr Gutes, denn sie stellt sich auch bei unangenehmen Ereignissen ein und ermöglicht es uns so, dass wir uns irgendwann damit abfinden oder sie hinnehmen können. Aber können wir vor dem Hintergrund dieses Phänomens dauerhaft glücklich sein?

Diese Frage beschäftigt Glücksforschung und Psychologie gleichermaßen.

Sonja Lyubomirsky, Professorin für Psychologie an der Universität von Kalifornien hat dabei auf Basis ihrer Forschungen gemeinsam mit Kollegen der Universität von Missouri einige Aspekte herausgearbeitet, die zu langfristigem Glück und Zufriedenheit beitragen können. Dreh und Angelpunkt ist das Erleben positiver Emotionen. Entscheidend ist allerdings, woraus wir diese Emotionen generieren.

Und hier ist das Glück weniger im Haben als mehr im Sein und Tun zu finden, in alltäglichen Handlungen, die uns Zufriedenheit schenken können.

Folgende Verhaltensweisen und Einstellungen können zu Deinem Glück beitragen:

  • Gutes tun: anderen Menschen etwas Gutes zu tun macht nachweislich zufriedener. Das geht schon mit kleinen Handlungen im Alltag: auf Reisen jemandem mit dem Koffer helfen, beim Einkaufen jemanden an der Kasse vorlassen, dem Nachbarn etwas ausleihen…
  • Intrinsische Ziele: erstrebenswert sind Ziele, die nicht von äußeren Faktoren (Geld, Anerkennung…) abhängig sind sondern von innen kommen. Z.B. eine Fortbildung oder das Lesen eines bestimmten Buches, um Deine Neugier oder Deinen Wissensdurst zu stillen.
  • Innehalten & Erfolge feiern: oft eilen wir von einem Erlebnis zum nächsten, wir meistern die Tage und Jahre – selten nehmen wir uns Zeit, einmal innezuhalten und uns über das Erreichte und Erlebte zu freuen. Wenn Du Dir regelmäßig Deine Erfolge vergegenwärtigst (und dazu gehören auch „kleine“ Dinge, wie ein erfolgreiches Gespräch oder eine Sporteinheit) und Dich dafür anerkennst, stärkst Du Dein Gefühl für Selbstwirksamkeit – was wiederum Auswirkungen auf Deine Zufriedenheit hat.
  • Dankbarkeit: für Dinge, die gut gelaufen sind, für Dinge, die nicht selbstverständlich sind (Gesundheit, ein Dach über dem Kopf, Frieden, ….) 
  • Abwechslung schaffen: unser Geist liebt Überraschungen und Abwechslung. Auch wenn Du tägliche Routinen hast – versuche mal, etwas anders zu machen. Wähle zum Beispiel einen anderen Weg zur Arbeit, steige eine Haltestelle früher aus und schau Dir die Umgebung an. Oder probiere ab und zu einmal etwas Neues aus – ein neues Gericht oder ein neues Hobby …

Die oben genannten Punkte helfen auch, wenn Du mal einen dieser Tage hast, an denen Du am besten nochmal von vorne anfangen würdest 😉

Kontinuierlich umgesetzt können sie zudem zu mehr und länger anhaltender Zufriedenheit führen.

„Happiness is a marathon, not a sprint.“
Sascha Molitorisz

Stay happy,

Deine Birgit

*Studie des Psychologen Philipp Brickman im Jahr 1978 – Lottogewinner waren 18 Monate nach der freudigen Nachricht keinesfalls glücklicher als jene, die in der Lotterie leer ausgegangen waren.

Yoga – mehr als der herabschauende Hund

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Verhalte Dich anderen gegenüber gewaltlos und ehrlich und handle mit Hingabe, Ausdauer und reinem Herzen.
Hättest Du bei diesen Worten an Yoga gedacht?

Am 21. Juni ist Weltyogatag.
Seit einiger Zeit scheint Yoga „gesellschaftsfähig“ zu sein. Menschen assoziieren damit nicht mehr gleich verknotete Beine und Mantra singen. Nicht zuletzt durch die gestiegene Anzahl an Yogastudios und Yoga-Arten und durch Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Business Yoga bieten, hat sich das Bewusstsein für Yoga verändert.

Dennoch stellen sich die meisten unter Yoga nach wie vor erst einmal Körperübungen vor. Tatsächlich sind Asanas, wie die Übungen genannt werden, nur einer von insgesamt acht Aspekten, die die Yoga Philosophie ausmachen. Yoga kann und ist mehr. Und auch wenn seine Ursprünge weit zurückreichen, sind die einzelnen Elemente der Philosophie aktueller denn je.

Yoga ist ein traditioneller Weg zu einer gesunden Lebensführung, eine „exakte Wissenschaft, ein perfektes, praktisches System der Selbstbildung“.
– Swami Sivananda

Dabei befasst sich Yoga mit der Einheit aus Körper, Geist und Seele. Der achtgliedrige Weg des Yoga (auch Ashtanga) basiert auf den Lehren des Yogi Patanjali, der ca. 400 v. Chr. lebte. Die acht Wege bauen aufeinander auf und bilden eine Einheit. Sie liefern praktische Tipps, um den Geist zur Ruhe zu bringen und inneren Frieden zu erlangen. Das folgende Bild gibt Dir einen kleinen Vorgeschmack auf das ganzheitliche Yoga Konzept.

Bild: Birgit Baldauf

Wenn Du Yoga einmal ausprobieren möchtest, ist folgendes empfehlenswert:

  1. Praktiziere unter persönlicher und professioneller Anleitung. Besonders für Anfänger sind Apps oder Youtube Videos meines Erachtens nicht geeignet. Um die korrekte Ausführung der Asanas zu lernen braucht es einen erfahrenen Yogalehrer, der Deine Haltung korrigiert, falls nötig. So lassen sich Verletzungen und Schmerzen vermeiden.
  2. Beginne mit einem sanften Yoga Stil. Um ein Gefühl für Deinen Körper und Deine Möglichkeiten zu bekommen, eignet sich besonders am Anfang z.B. der klassische Hatha Yoga.
  3. Bleib bei Dir. Yoga ist kein Wettbewerb. Es geht um Deine Stabilität und Dein Wohlbefinden. Orientiere Dich also immer an dem, was DU bei der Ausführung der Übungen empfindest, wo DEINE Grenzen liegen und was DIR gut tut.
  4. Praktiziere in einem Yoga Studio. Ein guter Yoga Lehrer wird zum Ankommen und Ausklingen der Yoga Stunde auch andere Elemente der Yoga Philosophie einfließen lassen, z.B. die Selbstreflexion am Anfang und die Kontemplation am Ende. In einem eher an Fitness orientieren Sportstudio ist das unwahrscheinlicher. Außerdem ist es aufgrund der Atmosphäre in einem Yoga Studio viel leichter, zur Ruhe zu kommen und die Stunde bewusst zu erleben. Oft gibt es bei entspannter Stimmung Tee und Sitzmöglichkeiten zum Verweilen und Nachspüren.

Wo auch immer Du Deine Übungsmatte ausrollst – sei gut zu Dir!

Namasté,

Birgit

Mind the Gap

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„Eigentlich wollte ich ja auf eine gesunde Ernährung achten, aber das ist so lecker!“

„Eigentlich hätte ich nein sagen sollen, als der Kollege mich um Hilfe gebeten hat – jetzt bin ich mit meinen eigenen Aufgaben wieder hinterher. Aber einfach nein sagen?“

Kennst Du sie auch, die „eigentlich – aber“ Sätze? Sie sind ein ziemlich sicheres Erkennungsmerkmal dafür, dass Du gerade die Mind-Behaviour-Gap erlebst.

Was ist die Mind-Behaviour-Gap?

Übersetzt ist die Mind-Behaviour-Gap die „Intentions-Verhaltens-Lücke“, also die Lücke zwischen dem, was Du weißt und tun möchtest und dem, was Du tatsächlich tust.

Dieses Phänomen wird seit Jahren untersucht – zuletzt besonders im Hinblick auf Konsumverhalten, z.B. bei Bio- und nachhaltigen Produkten. So haben etwa bei einer deutschen Studie* 60% der Befragten angegeben, dass sie lieber auf Wochen- und Biomärkten bzw. dem Bauernhof einkaufen – in 2018 haben die Deutschen ihre Nahrungsmittel aber großteils im Discounter eingekauft. Die Mind-Behavior-Gap ist also ein durchaus bekanntes Phänomen und – zugegegeben – kaum ein Mensch schafft es, diese Lücke komplett zu schliessen. Dennoch ist es empfehlenswert, sie möglichst klein zu halten.

Warum sollte sie möglichst klein gehalten werden?

Stell Dir vor, Du hast einen Freund, dem gemeinsame Treffen genauso wichtig sind wie Dir. Jedesmal, wenn Ihr zusammenkommt, ist die gemeinsame Zeit bereichernd und schön. Es gibt nur einen Haken: 80% der Treffen kommen nicht zustande, weil Dein Freund kurzfristig abspringt. Immer, wenn Ihr etwas vereinbart, freust Du Dich auf die gemeinsame Unternehmung und dann, kurz vorher – wieder nix.

Wir würde es Dir damit gehen? Was würdest Du über Deine Freundin/Deinen Freund denken? Was würde es auf lange Sicht mit der Vorfreude auf die Treffen machen? Wie „ernst“ würdest Du die geplanten Termine nehmen?

Und nun stell Dir vor, dieser Freund bist Du selbst. Du weißt, was Dir wichtig ist, planst entsprechend und dann stellst Du regelmäßig fest, dass Du Dich in einer Situation wiederfindest, in der Du eigentlich gar nicht sein wolltest. Du bist für andere unterwegs und machst schon wieder nicht, was Du vor hattest. Du spürst, dass es nicht richtig ist, und eine latente Unzufriedenheit macht sich breit. Höchstwahrscheinlich spricht hier Dein Unterbewusstsein zu Dir, weil es sich veräppelt fühlt.

Je öfter Dir das passiert, d.h. je größer die Mind-Behaviour-Gap ist, desto weniger authentisch gehst Du durchs Leben und umso mehr läufst Du Gefahr, folgende Symptome zu spüren:

  • Frust
  • sinkende Motivation
  • zunehmende Anspannung
  • sinkende Stresstoleranz
  • nachlassender Glaube an Deine Selbstwirksamkeit
  • Gefühl, in der „Opferrolle“ zu stecken, bis hin zu depressiven Verstimmungen
  • Verlust des Selbstwertgefühls

Was kannst Du also tun, um die Mind-Behaviour-Gap zu minimieren?

  1. Übernimm‘ Verantwortung: Du bist es, der/die nicht nach den eigenen Werten und Vorgaben handelt. Nicht die anderen sind schuld, dass Du es nicht tust, sondern in den allermeisten Fällen hast Du die Wahl, wie Du handelst und Dich verhalten möchtest. Wenn das Telefonat mit Deiner Freundin schon wieder viel zu lange geht, weil Du eigentlich noch was anders erledigen wolltest, dann geht es nicht so lange, weil sie so viel labert – sondern weil Du nicht (oder nicht klar genug) mitgeteilt hast, bis wann Du Zeit hast. Und wenn Du jetzt denkst „ja aber die Freundschaft ist mir doch auch viel Wert“ – in Ordnung – da sind wir dann schon bei Punkt …
  2. Klarheit: werde Dir bewusst, was Dir wichtig ist. Trenne klar Werte die „man haben sollte“ von denen, die wirklich DIR entsprechen. Welche drei Werte zeichnen Dich aus? Und mit welchem Verhalten setzt Du sie um?  Wie gehst Du mit Wertekonflikten um? Was hat Vorrang? Entscheide Dich bewusst! Und überprüfe diesen Punkt von Zeit zu Zeit.  Bleibe flexibel. Das Leben ändert sich, Umstände ändern sich – Du veränderst Dich. Vielleicht ist Dir in ein paar Jahren etwas anders wichtig? Das ist in Ordnung! Korrigiere. Wenn Du aber die Werte einmal etabliert hast, zeige…
  3. Integrität: Halte Deine Versprechen Dir gegenüber ein. Gestehe Dir ehrlich ein, wenn es nicht geklappt hat und überlege, was Du ändern musst, damit es zukünftig klappt (vielleicht ist Dir insgeheim ja doch etwas anderes noch wichtiger?). Bewahre so Deine Authentizität und den Respekt vor Dir selbst.
  4. Selbstwert: Sei es Dir selbst wert, zu Dir und Deinen Werten zu stehen und Deinen Weg zu gehen. Das ist nicht egoistisch. Im Gegenteil, Menschen, die mit sich selbst im Reinen sind und in sich ruhen, sind eine Bereicherung für ihre Umwelt! Je mehr Du  in Frieden mit Dir bist, umso mehr lässt das Gefühl nach, „für etwas kämpfen zu müssen“ – denn Du bist nicht mehr gegen jemanden unterwegs, sondern für Dich.

Ich wünsche Dir eine „lückenlose“ Woche, in der es Dir gelingt, möglichst viel von dem zu integrieren, was Dir wichtig ist.

Deine Birgit

*Studie des Hausgeräteherstellers Ritterwerk in 2018

Reflexion statt Reaktion

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Wir leben in einer „Erregungsgesellschaft“* und im „postfaktischen Zeitalter“. Beide Begriffe lösten eine Reaktion in mir aus, als ich sie zum ersten Mal las. Folgende Gefühle stiegen in mir auf:

  1. Betroffenheit: beide Begriffe enthalten Aussagen über Emotionen – und Emotionen sind das Herz meiner Arbeit
  2. Zustimmung: die grundsätzliche Bedeutung beider Begriffe kann ich nachvollziehen. Aber da war auch noch …
  3. Besorgnis: wie werden Emotionen bewertet, wenn wir uns diese beiden Aussagen über unsere Gesellschaft näher betrachten?

Emotionen sind eine zentrale Kraft in unserem täglichen Leben  – bewußt oder unbewußt. Im Optimalfall nehmen wir sie wahr und an, verstehen und nutzen ihre Bedeutung und lassen sie dann wieder los. Gelingt es uns nicht, sie so in unser Handeln und Entscheiden zu integrieren,  finden sie in der Regel ihren ganz eigenen Weg, sei es, dass sie uns wie eine subversive Kraft steuern oder sich schlimmstenfalls in körperlichen Beschwerden manifestieren.

Emotionen sind Richtungsweiser, sie sind wie Zündkerzen für den Motor unserer Entscheidungen und unseres Handelns. (Nicht umsonst beinhaltet Emotion das Wort motion = Bewegung). Den Zündfunken effektiv zu nutzen bedeutet, über emotionale Intelligenz zu verfügen.

Die beiden eingangs genannten Begriffe lassen aber eher vermuten, dass wir mehr und mehr „das Gefühl für’s Gefühl“ verlieren. Emotionen dienen nicht mehr als Hinweis sondern nehmen uns voll und ganz ein. Wir werden vom Zündfunken komplett in Brand gesetzt anstatt seine Energie in die richtige Brennkammer zu leiten. Das ist wie eine Art Fehlzündung – viel Lärm, aber wenig Wirkungsgrad. Gefühle wie Wut, Angst und Hilflosigkeit werden nicht als solche wahrgenommen und ergründet sondern automatisch umgeleitet in Empörung, Erregung und Beschuldigung. Das mag sich im ersten Moment gut anfühlen – doch tatsächlich erreichen wir damit nichts – außer einem schlechten Zustand, der eher hinderlich als hilfreich ist – sowohl für die Sache oder unser Gegenüber, als auch für uns selbst.

Klar, sich zu empören geht schnell, ist einfach und ein bisschen wie eine Tüte Chips – schmeckt zu gut, und wenn man mal angefangen hat, kann man kaum mehr aufhören. Aber wir wissen auch, wie es sich anfühlt, wenn wir zuviel davon hatten und was passieren würde, wenn wir uns nur noch davon ernähren würden …

Wie können wir nun aber bei allen Reizen, die täglich auf uns einprasseln, nicht zu einem weiteren Bürger der Erregungsgesellschaft  werden sondern Differenzierung und Abgewogenheit bewahren?
Reflektieren statt Reagieren?

  1. Wollen: Wenn Du lieber weiter Chips in rauen Mengen essen möchtest und Dich gerne aufregst und empörst, kannst Du hier aufhören zu lesen. Wenn Du etwas ändern möchtest, weil Du für Deine innere Balance sorgen möchtest, damit Du handlungsfähig und gesund bleibst, dann weiter mit Punkt 2
  2. Zünder finden: Welche Menschen, Situationen, Darstellungen, Verhaltensweisen zünden Dich? Welche Geschichte erzählst Du Dir über diese(n) Menschen, diese Situation oder Verhaltensweise? Oder welche Geschichte wird Dir über diese Situation oder diese(n) Menschen erzählt, die Dich zündet? Was genau macht das mit Dir? Was fühlst Du? Wie reagierst Du?
  3. Zündfunken lenken: Ist die Situation, das Thema oder der Mensch relevant und wichtig für Dich? – Wenn nein, lass los! Wenn ja, frage Dich … Was ist dran an der Geschichte, die Du Dir über diesen Menschen oder diese Situation erzählst oder die Du erzählt bekommst? Ist sie plausibel? Gibt es Beweise? Wie könnte sie noch erzählt werden? Welche anderen Möglichkeiten, das Wahrgenommene zu erklären, gibt es noch? Und was macht das mit Dir? Was fühlst Du jetzt?
  4. Gang einlegen – oder im Leerlauf bleiben? Siehst Du Handlungsbedarf? – wenn nein, laß los. Wenn ja, überlege … Was kannst Du beeinflussen und tun? Was wirst Du tun? Wann? Los!

Ja, sich zu empören ist einfacher.

Zu hinterfragen, sich zu entdecken und in Balance zu halten ist aber soviel gesünder und förderlicher – für das eigene Wohlbefinden, das menschliche Miteinander und die Erweiterung Deines Horizonts.

Laß Dich von Deinen Emotionen zünden – aber nicht anzünden und bleib neugierig!

Deine Birgit

*aus Dieter Nuhr, „Gut für Dich. Leitfaden für das Überleben in hysterischen Zeiten.“ Lübbe, 2019

Refugium – Polarstern

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Diese Woche gibt es nicht viel zu lesen – dafür wieder etwas zum Hören und Entspannen. Mit der unten eingebetteten Tondatei (Browseransicht) lade ich Dich auf eine weitere Fantasiereise ein – diesmal zu Deinem Polarstern.

Gönn‘ Dir Zeit für Dich und such Dir am besten einen Ort, an dem Du abschalten kannst und für ca. 10 Minuten ungestört bist.

Kopfhörer auf – Tondatei anklicken und genießen.

Gute Reise und einen funkelnden Sonntag,

Deine Birgit

Refugium Polarstern – eine Fantasiereise

Sprich drüber Teil 2 – Deine Träume

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„Aus dem, was Du da so träumst, könnte man einen Hollywood Film machen.“ Diesen Satz höre ich des Öfteren, wenn ich meiner besseren Hälfte von meinen Träumen erzähle.

Diese Woche möchte ich Dich einladen, Deinen nächtlichen Träumen Aufmerksamkeit zu widmen und – darüber zu sprechen.

Träume sind ein interessantes Phänomen unseres Geistes. Seit jeher gibt es verschiedene Interpretationen und Blickwinkel auf das Thema – sowohl spirituelle als auch wissenschaftliche. Psychologen und Gehirnforscher konnten besonders in den letzten Jahrzehnten aufgrund der bildgebenden Verfahren viele Erkenntnisse gewinnen.
Zum Sinn des Träumens gibt es aber noch immer verschiedene Theorien.

Ungeachtet der unterschiedlichen Ansichten kann man sich seine eigenen Träume aber zunutze machen. Für mich sind sie eine Art Tür in mein Unterbewusstsein, die sich von Zeit zu Zeit mehr oder weniger weit öffnet, um mir Einblicke zu gewähren.

Erwiesen ist, dass jeder träumt – nur können wir uns nicht immer daran erinnern. Träume finden in fast allen Schlafphasen statt – am lebendigsten und bildhaftesten träumen wir allerdings in der REM Phase, die mehrmals während einer Nacht einsetzt.

Schlafen und Träumen sind der „Nachtlauf“, die Datensicherung für unser Gehirn. Die tagsüber verarbeiteten Eindrücke und Erlebnisse werden verfestigt, bearbeitet, gespeichert. Es wird sozusagen entschieden, in welchem Dateiordner das Gelernte und Erlebte abgelegt werden soll. Dabei wird auch auf bereits im Gehirn gespeicherte Informationen zurückgegriffen. Dass die Amygdala, ein Teil des Gehirns, der für das Verarbeiten von Emotionen zuständig ist, im Traum aktiver ist als im Wachzustand, lässt darauf schließen, dass wir im Traum das Erlebte emotional verarbeiten, um ihm eine Art „Label“ zu geben und es dann gemäß der Labelung einzuordnen. Besser bekannt ist dieses Label als emotionaler Marker, den das Limbische System unsere Erfahrung zuordnet, um sie zu kategorisieren.

Wenn also ähnliche Traumsymbole wiederholt auftauchen, kann es daran liegen, dass unser Hirn noch nicht das richtige „Label“ gefunden hat, also noch weiter verarbeitet – oder, dass es eben diese gespeicherte Emotion wieder hervorholt, weil es Parallelen zum aktuell Erlebten gibt. In diesem Fall kann uns das Träumen dann Hinweise zur Lösungsfindung geben.

Dem ganzen kommst Du am besten auf die Spur, wenn Du Deine Träume festhältst – zum Beispiel in einem Notizbuch, dass Du neben dem Bett platzieren kannst. Meist ist es wichtig, das Geträumte kurz nach dem Aufwachen zu notieren – denn je länger der Wachzustand andauert, umso mehr verschwimmt der Traum oder wird vom neu Erlebten überlagert.

Durch Notizen lassen sich Muster erkennen und das Aufschreiben aktiviert oft schon Zusammenhänge im Geist, die Dich Situationen im Wachleben besser verstehen lassen oder zur Lösungsfindung von brenzligen Situationen beitragen können. So bekommst Du recht schnell eine Idee, wie das Geträumte vor dem Hintergrund Deiner aktuellen Erlebnisse und Lebenssituation zu interpretieren ist.

Solltest Du dennoch einmal etwas Ungewöhnliches träumen, mit dem Du erst einmal nichts anfangen kannst, finden sich etliche Bücher zum Thema Traumdeutung auf dem Markt. Für mich selbst hat sich bewährt, in so einem Fall verschiedenen Quellen zu Rate zu ziehen. So bekomme ich unterschiedliche Ansätze und Ideen und beim Lesen schon ein Gefühl dafür, was das Geträumte für mich bedeuten könnte. (Schau mal hier: www.traumdeuter.ch)

Der beste Rategeber ist aber auch in diesem Fall: sprich mit einer Person Deines Vertrauens über Deine Träume. Darüber reden hat mehrere Vorteile:

  • Zum einen wirst Du Deinen Traum wahrscheinlich auf eine Art und Weise zusammenfassen und erzählen, die Dir bereits beim Erzählen Einsichten bringen wird.
  • Zum anderen stärkt der Austausch über Geträumtes die Empathie und Verbundenheit mit Deinem Gegenüber. Und je nachdem, wie nahe Dir Dein Gesprächspartner bereits steht, wird er oder sie wahrscheinlich auch eine Interpretation Deines Traumes parat haben, die weitere Erkenntnisse liefern kann.

Deine Träume können also dazu beitragen, Dir selbst und anderen näher zu kommen, Situationen besser zu verstehen und Lösungsansätze zu finden.

Ist das nicht traumhaft?

Also – sprich drüber!

Eine traumhafte Woche Dir,

Deine Birgit